Newsletter „Leipzig Update“

Der Freitag in Leipzig: Wird das Feierabendbier zum Luxus?

Guten Abend, liebe Leserinnen und Leser,

letztens, auf meinem Heimweg, sah ich auf der Könneritzbrücke, die Schleußig und Plagwitz miteinander verbindet, eine Szene, die auch als Beispiel für die Mediterranisierung des öffentlichen Lebens in Leipzig steht. Diesen Begriff warf die Stadtreinigung in dieser Woche auf, als sie von riesigen Mengen Müll berichtete, die in Papierkörben und Müllcontainern in Parks, Straßen und auf Plätzen entsorgt wurden. Über 19 Tonnen sollen es an einem Wochenende gewesen sein. Das Bild auf der Könneritzbrücke war weitaus schöner als der Müllberg im Wirtschaftshof. Auf dem Gehweg der Brücke stand ein gedeckter Tisch. Tischdecke, Kerzenleuchter, Weinkelche, vier Teller, Besteck. Vier Stühle drumherum. Im Licht der schönen Könneritzbrücke dinierte dort eine Gruppe junger Leute. Mitten auf der Brücke, Blick auf die Weiße Elster inklusive.

So wie der Müllberg der Stadtreinigung steht auch das private Diner auf der Könneritzbrücke für eine Entwicklung in dieser Stadt. Die Menschen verbringen ihre Freizeit öfter im öffentlichen Raum. Und immer seltener in der Bar oder im Restaurant. Aus Kostengründen vielleicht, weil sich den Kneipenbesuch nicht mehr jeder leisten kann beziehungsweise will. Fakt ist jedenfalls, dass die Umsätze in Restaurants zurückgehen. Was nicht bedeutet, dass die Freisitze der Kneipen leer sind. Aber die Gäste trinken und essen weniger als vor den Krisenzeiten. Wie vieles andere sind beispielsweise auch die Bier- und Lebensmittelpreise gestiegen. Die Energiekrise und die Folgen der Inflation gehen auch an Gastronomen nicht vorbei. Personalnöte kommen dazu.

Wie wird sich das noch entwickeln? Können sich das Feierabendbier in der Kneipe demnächst nur noch Besserverdienende leisten? Und verlagert sich das öffentliche Leben von den Freisitzen mehr in die Parks? Mit dem Bier aus dem Späti? Die Einschätzungen der Leipziger Gastronomen dazu sind unterschiedlich. Bei den einen läuft‘s besser als vor Corona. Andere meinen, dass das dicke Ende noch kommt. LVZ-Volontärin Stephanie Riedel hat sich zu dem Thema in der Szene umgehört.

Fakt ist aber auch: Schon vor den letzten Krisen haben die Leipzigerinnen und Leipziger die Parks, Brücken und Plätze ihrer Stadt gern genutzt, um den Abend zu verbringen. Dass es jetzt mehr zu werden scheinen, kann auch mit dem guten Wetter zu tun haben. Oder dem Einfallsreichtum zur Freizeitgestaltung. Da haben wir im Lockdown ja alle improvisieren gelernt. Und wenn man abends auf einer Brücke Menschen beim Abendbrot begegnet, statt in der Kneipe - dann ist auch das: Ein lebendiges Leipzig.

 

Bild des Tages

 

Fünf Lese-Empfehlungen für Sie

  • Zukunftszentrum - Leipzig und Plauen holen Chemnitz ins Boot. Der Name ist sperrig. Der Weg zur Eröffnung eines Zukunftszentrums Deutsche Einheit und Europäische Transformation holprig. 200 Millionen Euro werden für die Idee bereitgestellt, an einem zentralen Ort über die Zeit des Umbruchs 1989/90 zu informieren und zu den Folgen zu forschen. Im Osten bewerben sich mehrere Städte als Standort. Auch Leipzig.
  • Leipziger Professor lässt Genies schwitzen: Achtstellige Zahlen miteinander multiplizieren, die Wurzel aus sechsstelligen Zahlen ziehen, ohne Hilfsmittel, nur im Kopf – wer das beherrscht, ist ein Mathe-Genie. Kopfrechen-Genies aus 18 Ländern haben gerade wieder ihren aktuellen Weltmeister gekürt. Erfinder und Organisator der WM im Kopfrechnen ist Ralf Laue aus Leipzig, Mathematiker und rekordverrückter Professor. Stadtreporterin Kerstin Decker hat mit ihm telefoniert.
  • Malerin Elena Kozlova aus Russland: Die Angst, falsch interpretiert zu werden, ist immer im Hinterkopf, sagt die in Russland geborene Malerin Elena Kozlova. Im Interview spricht sie über ihre Arbeit in Zeiten des Krieges, die Situation russischer Künstler in Deutschland und die Rückkehr der Nationalismen. Ab Samstag zeigt sie ihre Kunst in der Leipziger Spinnerei. Kulturreporter Jürgen Kleindienst hat mit Kozlova gesprochen.
  • Viele Schulabgänger haben in Sachsen keinen Abschluss: In Sachsen verlässt fast jeder zehnte Jugendliche die Schule ohne ein Abschlusszeugnis. Deshalb warnen das Handwerk und die Arbeitsagentur vor verheerenden Folgen: Den Betrieben gehen die Mitarbeiter aus. Landeskorrespondent Andreas Debski und Wirtschaftsreporter Andreas Dunte haben sich die Zahlen angeschaut.
  • Mehr ausgeschriebene Forschungsprojekte, mehr Personal. Bei der Cyberagentur geht es voran – aber nur langsam. Auch an den geplanten Umzug an den Flughafen Leipzig/Halle ist aktuell nicht zu denken. Welche Aufgaben hat diese Agentur eigentlich und warum zieht die Behörde gerade innerhalb von Halle (Saale) um, obwohl das Flughafenareal Wunsch-Standort ist? Wirtschaftsreporter Andreas Dunte hat nachgefragt.
 

Zitat des Tages

Danke an die Bundeswehr für die Unterstützung der vielen Helfer bei der Bekämpfung der Waldbrände in der Sächsischen Schweiz. Wir erleben vor Ort eine sehr gute Zusammenarbeit mit den Kameraden.

Ministerpräsident Michael Kretschmer, der wegen der Waldbrände in Sachsen seinen Urlaub unterbrach.

 

Das wird morgen für Leipzig wichtig

  • Chance auf den ersten Titel der neuen Saison: RB Leipzig feiert Premiere im Supercup. Ob die auch mit dem ersten Titel der Saison gekrönt wird, steht am späten Abend fest, wenn das Spiel gegen den Bundesligameister FC Bayern München zu Ende ist (Anstoß 20.30 Uhr).
  • Protest gegen Flughafenausbau: Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Klimacamps Leipziger Land haben zu Demonstrationen gegen den Ausbau des Flughafens Halle-Leipzig aufgerufen. Es wurden auch Aktionen rund um den Airport selbst angekündigt.
  • Finale am Beach: Am Sonnabend ist letzte Tag der LVZ-Strandredaktion am Zwenkauer See. Zwei Wochen lang berichteten Reporterinnen und Reporter von den Stränden ausgewählter Seen im Süden und Norden der Stadt. Nutzen Sie die Chance und drehen am Glücksrad. Es gibt was zu gewinnen.
 

Ich wünsche Ihnen einen schönen Freitagabend,

Ihr Thomas Lieb (Reporterchef)

Hören Sie auch

LVZ-Podcast „Unsere Story“

Jede Woche berichtet Reporterinnen und Reporter über ihre Recherchen und bieten einen Blick hinter die Berichterstattung. Heute: Denise Peikert über den Prozess gegen die Leipziger Linksextremistin Lina E. und wodurch das Verfahren bislang geprägt war.

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