Leipziger Parks

Der Glanz vergangener Zeiten im Palmengarten

Der Palmengarten, vor 120 Jahren eröffnet, mit dem Gesellschaftshaus war eine beliebte Vergnügungsstätte der Leipziger.

Der Palmengarten, vor 120 Jahren eröffnet, mit dem Gesellschaftshaus war eine beliebte Vergnügungsstätte der Leipziger.

Leipzig. Es war vor allem die Vergnügungsstätte für die „feine Gesellschaft“. Der Palmengarten wurde am 29. April 1899 – also vor 120 Jahren – durch Oberbürgermeister Otto Georgi eingeweiht. Heute lädt dort eine idyllische Parkanlage zum Verweilen ein. Park- und Stadtführerin Daniela Neumann, die regelmäßig Führungen anbietet, möchte die Anlage wieder mehr ins Gedächtnis der Stadt zurückholen. An die Geschichte des Palmengartens erinnert im Grunde nur noch der Name. Nur wenige Relikte – etwa das Wegenetz, ein eiserner Pavillon, eine Grotte sowie der Teich – zeugen noch von der einst glanzvollen Geschichte.

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Daniela Neumann, die in der Marketingabteilung der HHL arbeitet, hat sich wohl ein wenig in den Palmengarten verliebt, in dem sie immer wieder Neues entdeckt. „Ich wurde neugierig, begann mich dafür interessieren. Es hat mich gereizt, Dinge aus der Vergangenheit herauszufinden, die wenig bekannt sind“, erzählt die Diplombibliothekarin, die das IHK-Zertifikat als Gästeführerin ablegte. Mittlerweile hat sie auch 230 historische Postkarten gesammelt.

Für die Gartenbauausstellung trockengelegt

Das Areal südlich der heutigen Jahnallee wurde übrigens für eine internationale Gartenbauausstellung 1893 trockengelegt. Georgi regte zu deren Eröffnung an, das Areal zu einer ständigen Erholungsstätte für die Leipziger weiterzuentwickeln. Finanziert wurde das Projekt über eine Aktiengesellschaft, an der sich auch die Stadt beteiligte.

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Der Palmengarten, angelegt nach dem Frankfurter Vorbild, entwickelte sich recht schnell zu einem echten Publikumsmagneten. Dabei war auf dem 22,5 Hektar großen Areal nur ein Teil Palmen und anderen exotischen Pflanzen vorbehalten. Im Gesellschaftshaus hatten bis zu 2500 Menschen Platz, im Restaurant genossen die Gäste erlesene Weine und Speisen. Es gab auch Freisitze. Dabei hatte das „einfache Volk“ durchaus Zutritt – es musste sich nur den Eintritt leisten können.

Palmengarten war ein Wahrzeichen der Stadt

Es gab zwei Eingänge, die mit rotem Backstein und schmiedeeisernen Toren gesichert waren. Wer bezahlt hatte, wurde von einem großflächig angelegten Teppichbeet empfangen. Es gab einen Weiher mit Leuchtspringbrunnen, eine Grotte mit künstlichem Wasserfall, einen Kinderspielplatz und vieles mehr. Vom Pavillon hatten die Besucher einen fantastischen Blick über den (damals größeren Teich) zum Palmenhaus. Im Musikpavillon spielten bekannte Orchester. „Für mich steht das Jubiläum für die Hinterlassenschaft von Kulturunternehmern ihrer Zeit“, sagt Mike Demmig, der heute Kulturveranstaltungen im Clara-Zetkin-Park organisiert. Die bewusste Symbiose zwischen Naturerlebnis, Kulturangebot und Unternehmertum habe den Palmengarten als Wahrzeichen über die Grenzen hinaus bekannt gemacht hat. Diese Erbe wolle man pflegen – etwa im Musikpavillon.

Der Wagner-Hain gehört übrigens nicht zum Palmengarten. „Als er angelegt wurde, gab es das Elsterbecken noch gar nicht“, erläutert Neumann.

Schon vor dem Zweiten Weltkrieg war die Glanzzeit vorbei

Die Glanzzeiten waren schon vor dem Krieg vorbei, als die Anlage durch die Weltwirtschaftskrise immer stärker in finanzielle Strudel kam. Bereits 1936 wurde der Park verkleinert, drei Jahre später auch das Gesellschaftshaus gesprengt. Die Nationalsozialisten wollten Platz für eine Reichsausstellung machen, die allerdings wegen des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges nie stattfand. Nach dem Krieg und den schweren Zerstörungen geriet der Palmengarten mehr und mehr in Vergessenheit. Erst 1955 kümmerte sich die Stadt wieder um den längst verwahrlosten Garten, der später Teil des Kulturparkes „Clara Zetkin“ wurde.

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Gästeführerin regt taktiles Modell an

Neumann plädiert dafür, angemessen an die Historie des Areals zu erinnern – jedoch auf „biedere Informationstafeln“ zu verzichten. „Ich könnte mir gut einen multimedialen Park vorstellen, in dem beispielsweise per Knopfdruck auf der Parkbank Musik aus jener Zeit erklingt“, sagt sie. Wichtig sei, viele Sinne anzusprechen. Vorstellbar sei auch ein taktiles Modell des Gesellschaftshauses. Eine Idee, die vielleicht in die Diskussion um den Masterplan Grün einfließen könnte, die die Stadt gerade mit Bürgern führt.

Von Mathias Orbeck

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