Generation 2013 des Leipziger Thomanerchors

Der Traum vom Job als Präfekt

Nathanael Vorwergk (14) aus der Generation 2013 des Thomanerchors (links) mit dem früheren 1. Präfekten Max Gläser (18) im Probensaal des Alumnats. Max hat gerade sein Abitur gebaut und ist nunmehr Ex-Thomaner.

Nathanael Vorwergk (14) aus der Generation 2013 des Thomanerchors (links) mit dem früheren 1. Präfekten Max Gläser (18) im Probensaal des Alumnats. Max hat gerade sein Abitur gebaut und ist nunmehr Ex-Thomaner.

Leipzig. In der jüngsten Arte-TV-Doku „Der Thomanerchor – Leben für die Musik“ aus dem Jahr 2017 sieht man ihn unter anderem noch fest mit dem Cello in der Hand musizieren: den nunmehr 14-jährigen Thomasser Nathanael Vorwergk – einer aus dem Trio, das die LVZ über einige Jahre begleitet. Dies ist nun weitestgehend vorbei. Das Cello hat dem Klavier Platz machen müssen – und dies aus gleich mehreren Gründen.

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Umstieg vom Cello

„Ich habe ja wirklich sehr lange Cello gespielt“, erzählt Nathanael, doch schon seit einiger Zeit sei er auf das Instrument mit den 52 weißen und den 36 schwarzen Tasten umgestiegen. „Das ist vor allem praktischer, weil man mehr über die Musik und die Musiktheorie lernt.“ Und der andere Grund? „Na ja, auch ein bisschen, weil ich in Zukunft vielleicht einer der Präfekten werden will“, verrät er verschmitzt. Derer gibt es immer drei im Thomanerchor, meist geht es in der 10. Klasse damit los. „Präfekt wollen ja insgesamt nur wenige werden, weil dies viel Arbeit zusätzlich bedeutet und die Freizeit teils deutlich reduziert wird“, weiß der Neuntklässler. Doch würde ihn diese Aufgabe sehr reizen.

Das Präfekten-Trio ist ein Teil der Selbstverwaltung des Ensembles und unterstützt den Thomaskantor. „Außerdem gibt es unter anderem noch den Domesticus und den Kantor-Famulus“, zählt Nathanael auf, dessen beide jüngere Brüder – „einer ist auch im Chor, einer spielt Trompete, hat aber keinen Bock“ – ihm nur zum Teil nacheifern. Unterstützung gibt es natürlich für alle von den Eltern, einem Pfarrer und einer Kirchenmusikerin.

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Trip nach Australien

Für die Familie Vorwergk geht es während der laufenden Sommerferien auf jeden Fall in den Urlaub. „Das Ziel wird wohl irgendwo in Deutschland liegen“, sagt Nathanael, dessen kleiner (Zukunfts-)Wunsch mal ein Trip nach Australien ist.

Und wo soll die private Reise nach dem Abitur hinführen? „Ich könnte mir vorstellen, Chordirigent zu werden und in diese Richtung zu studieren“, blickt er voraus. Ob nun in Leipzig, Dresden oder Berlin – darüber habe er sich noch nicht so richtig informiert. Trotz des enormen Pensums in Schule und Chor findet der 14-Jährige dennoch Zeit für ein Hobby. „Ich spiele – vielleicht viel zu viel – Fußball in der C-Jugend der SG Olympia 1896 Leipzig“, verrät der linke Mittelfeldspieler. Meist in der Stadt-, manchmal auch in der Landesklasse. Zweimal geht es pro Woche zum Training. Schule und Chor würden nicht darunter leiden. Und selbstverständlich seien die Fußball-Vergleiche mit dem Dresdner Kreuzchor in jedem Jahr ein Höhepunkt – „hoffentlich mit drei Siegen für unseren TC 1212 in diesem Jahr“.

Fokus auf die Tradition

Apropos Fußball und Singen: Könnte er sich mal einen Auftritt des Ensembles im großen Stadion vorstellen, wie es der Kreuzchor an der Elbe seit einigen Jahren zelebriert? „Das ist doch Schwachsinn mit dem im Stadion singen“, sagt er bestimmt. Das habe nichts mit der Tradition des Thomanerchores zu tun. Da fehle ja in der Landeshauptstadt nur noch ein gemeinsamer Auftritt mit Helene Fischer. „So etwas möchte ich auf gar keinen Fall“, so Nathanael. Die Hauptaufgabe des Chors hier in Leipzig sei die Ausgestaltung der Motetten und Gottesdienste. „Der geistliche Aspekt ist allen sehr wichtig.“ Es sei einfach „nicht cool, für irgendwelche Events zu singen“.

Dies wird auch der bisherige 1. Präfekt Max Gläser, der gerade sein Abitur machte, so sehen. Bei ihm dürfte sich Nathanael das eine oder andere für seine mögliche Präfekten-Laufbahn abgeschaut haben. Den 18-Jährigen hatte es aus dem bayrischen Murnau an die Pleiße verschlagen, der Vater – Professor für Chordirigieren an der Hochschule für Musik und Theater München – stammt aber aus Chemnitz, die Mutter aus Leipzig. „Vater war ja selbst Thomaner, sodass der Wunsch, im Chor zu singen und in einer Gemeinschaft zu leben, schon früh entstand“, erzählt der nunmehrige Ex-Thomaner Max. Die Regensburger Domspatzen wären zwar näher gewesen, trotzdem habe er es nie bereut, sich für Leipzig entschieden zu haben.

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Vater als Interims-Kantor

Eine eher ungewöhnliche Zeit hat es für Max im Jahr 2014 gegeben – als sein Vater einige Monate für den damals erkrankten Georg Christoph Biller als Interims-Kantor einsprang. Beide waren als Knaben eine Weile gemeinsam Thomasser gewesen. „Das war schon etwas merkwürdig und ungewohnt“, blickt der Filius zurück. Es habe sich aber alles gefügt und beide seien normal miteinander umgegangen. „Im Rückblick kann ich sagen: Es war eine schöne Erfahrung.“

Und könnte denn Nathanael einmal den Präfekten-Staffelstab übernehmen? „Das kann ich mir schon vorstellen, denn noch hat er ja ein bisschen Zeit“, sagt Max. Und es sei vorteilhaft, wenn Nathanael auch künftig das Cello gegen das Klavier tauscht.

Alle Folgen der LVZ-Thomanerserie unter www.lvz.de; weitere Informationen unter www.thomanerchor.de

Von Martin Pelzl

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