Friedliche Revolution

Die Leipziger Sechs und ihr Aufruf zu Gewaltfreiheit und Dialog

Demonstranten mit Plakat auf dem Nikolaikirchhof

Es ist der 9. Oktober 1989. 70 000 Menschen gehen im Anschluss an die ­kirchlichen Friedensgebete zur Montags­­demonstration auf die Straße. Den ­Demonstranten steht die bewaffnete Staatsmacht gegenüber. Sechs Leipziger, unterschiedlich in ihren politischen Überzeugungen und in ihren Berufen, verfassen in eigener großer Not und getragen von ihrer Angst vor der Eskalation einen Aufruf zum Dialog. Es ist ein ­Beitrag zum Durchbruch der Friedlichen Revolution.

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Auszüge aus den Erinnerungen an einen historischen Tag:

Jochen Pommert: Der 9. Oktober ist für Jochen Pommert, damals Sekretär für Propaganda der SED-Bezirksleitung in Leipzig, nicht ohne die Ereignisse im Sommer 1989 möglich, "als der Bürgerprotest immer lauter und sichtbarer wurde, dem wir mit unsäglichem Schweigen begegneten". Dann kam der 7. Oktober, der Feiertag der Republik. Die DDR feierte sich, ohne die Probleme des Lebens zu erkennen, jegliche Ana­lyse fehlte. "Der 9. Oktober war der Anlass, was zu tun in einer dramatischen Situation für Leipzig. Es ging nicht so weiter."

Mehr zum Thema:

30 Jahre Friedliche Revolution

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Kurt Masur: An jenem Montag probte Masur mit dem Gewandhaus­orchester für das abendliche Konzert während der ­Internationalen Gewandhaus-Festtage – unter anderem stand Richard Strauss' "Till Eulenspiegel" auf dem ­Programm. Beunruhigt durch die sich abzeichnenden gewaltsamen Konflikte rief der Kapellmeister gegen Mittag den SED-Bezirksleitungssekretär Kurt Meyer, zuständig für Kultur, an. Masur zu Meyer: "Hör' mal, heute Abend soll geschossen werden, da kann ich ja unmöglich den 'Till Eulenspiegel' spielen. Wir müssen etwas tun." Gegen vier Uhr meldete sich Meyer bei ihm und berichtete, mit seinen Bezirksleitungssekretären Roland Wötzel, der schon in Kontakt mit dem Kabarettisten Bernd-Lutz Lange und dem Theologen Peter Zimmermann stand, und mit Jochen Pommert gesprochen zu haben. So trafen sich schließlich die Leipziger Sechs in Masurs Haus, um ihren Aufruf gegen Gewalt zu formulieren.

Die Leipziger Sechs:

Kurt Masur, Gewandhauskapellmeister (verstorben am 19. Dezember 2015)

Roland Wötzel, SED-Bezirksleitungssekretär

Kurt Meyer, SED-Bezirksleitungssekretär

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Jochen Pommert, SED-Bezirksleitungssekretär (verstorben am 16. Juni 2019)

Peter ­Zimmermann, Theologe

Bernd-Lutz Lange, Kabarettist

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Das LVZ-Magazin „30 Jahre Friedliche Revolution“ ist erhältlich für 9,90 € in den Geschäftsstellen der Leipziger Volkszeitung, im LVZ Shop auf www.lvz-shop.de oder telefonisch unter 0800 2181 070 (kostenfrei), außerdem im Buchhandel und in ausgewählten Pressefachgeschäften.

Thomas Mayer

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