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Grassi-Museum für Völkerkunde

Die Spuren der Weltenhüter

Vanessa Kaspar restauriert eine von vier Buddhafiguren. Im Inneren des Weltenhüters wurde sogar Tee entdeckt.  Das Grassi-Museum für Völkerkunde am Johannisplatz stellt in der Reihe „Spurenlese“ regelmäßig besondere Restaurierungsobjekte vor.

Vanessa Kaspar restauriert eine von vier Buddhafiguren. Im Inneren des Weltenhüters wurde sogar Tee entdeckt. Das Grassi-Museum für Völkerkunde am Johannisplatz stellt in der Reihe „Spurenlese“ regelmäßig besondere Restaurierungsobjekte vor.

Leipzig. Er ist sicherlich ein Hingucker: Der Altarraum im Grassi-Museum für Völkerkunde, in dem religiöse Gemälde und Plastiken, Ritualgegenstände, Musikinstrumente und Prachtausgaben buddhistischer Texte zu sehen sind. Die Exponate stammen aus der Sammlung Hermann Freiherr Speck von Sternburg. Der Diplomat, der 1891 Militärattaché an der Kaiserlichen Gesandtschaft in Peking wurde, trug die Schätze in China zusammen, viele davon brachte er aus dem Lama-Kloster in Peking mit in die deutsche Heimat.

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Wer in den Altarraum eintritt, geht an vier Himmelskönigen mit ernster Miene und stattlicher Größe vorbei, die dem Besucher der Sammlung eine respekteinflößende Haltung abverlangen. Sie bestehen hauptsächlich aus Ton, sind aber vergoldet. Ihre Aufgabe war es, als Wächter eines buddhistischen Tempels Böses aus allen vier Himmelsrichtungen fernzuhalten.

Buddha-Figuren aufwändig restauriert

Diese Weltenhüter sind gerade aufwändig restauriert worden. „Bei der Restaurierung haben wir entdeckt, dass alle vier Figuren unten eine dreieckige Öffnung haben. Aus einer Figur rieselten Partikel heraus. Um einen akuten Schädlingsbefall ausschließen zu können, haben wir uns entschlossen, die Skulptur zu öffnen“, erklärt Angelica Hoffmeister-zur Nedden, die Chefrestauratorin des Museums. Gefunden wurde eine komplett erhaltene Befüllung mit Weihegaben. Das sind ein sogenannter Lebensbaum, Schriftrollen mit tibetischen Mantras, Teepäckchen und Räucherstäbchen, die die Wirkmächtigkeit der Weltenhüter verstärken sollen.

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Doch wie damit nach der Restaurierung umgehen? Um die Frage zu klären, wurde der Tibetologe Rolf Scheuermann von der Universität Leipzig zu Rate gezogen. Welche religiöse Bedeutung haben sie eigentlich, müssen sie wieder geweiht werden? Dürfen die Weihegaben im Museum ausgestellt werden? „In jedem buddhistischen Kloster wäre die Figur geöffnet worden. Ein Mönch würde für den rituellen Gebrauch neue Weihgaben in die Figur hineingeben“, erklärt die Restauratorin. Der Inhalt darf übrigens gezeigt werden. Und steht nun in einer Vitrine neben der geöffneten Skulptur. Die anderen Figuren, schon früher mal geöffnet, waren übrigens leer.

Salongespräch am 4. März

Innerhalb der Reihe „Spurenlese“ präsentiert das Museum regelmäßig aktuelle Restaurierungsprojekte. Durch die Bestimmung von Materialien, der Auseinandersetzung mit Herstellungstechniken oder früheren Restaurierungen treten Spuren zu Tage, die Neues über Objekte und ihre Geschichte erzählen können.

Bei einem Salongespräch am Sonntag, 4. März, stellt Zur Nedden ab 11 Uhr das Restaurierungsprojekt vor. Dabei wird mit Gästen wie Wolf-Dietrich Speck von Sternburg (Kunstmäzen), Karl-Heinrich von Stülpnagel (Restaurator Ägyptisches Museum Leipzig) und Roland Steffan (Ethnologe) diskutiert.

Von Mathias Orbeck

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