Leipzig in Zahlen

Einkommen steigen deutlich stärker als Miete – Leipziger sind trotzdem in Sorge

Blick von der Windmühlenstraße zu den Wohnhochhäusern in der Karl-Tauchnitz-und Wächterstraße und zum Bundesverwaltungsgericht . Obwohl die Einkommen der Leipziger stärker steigen als die Mieten, haben viele Menschen Angst, dass sie ihre Wohnung nicht mehr bezahlen können.

Blick von der Windmühlenstraße zu den Wohnhochhäusern in der Karl-Tauchnitz-und Wächterstraße und zum Bundesverwaltungsgericht . Obwohl die Einkommen der Leipziger stärker steigen als die Mieten, haben viele Menschen Angst, dass sie ihre Wohnung nicht mehr bezahlen können.

Leipzig. Leipzig bleibt trotz sinkender Einwohnerzuwächse die am stärksten wachsende Großstadt in Deutschland. Nach Angaben des Amtes für Statistik und Wahlen lebten Ende des ersten Quartals dieses Jahres 596 639 Menschen in Leipzig, das sind 5751 mehr als ein Jahr zuvor. „Wenn wir dieses Tempo beibehalten können, sind zum Ende des Jahres 600 000 Einwohner zu erwarten“, prophezeite gestern Peter Dütthorn, amtierender Leiter des Amtes für Statistik und Wahlen, bei der Vorstellung der Ergebnisse der Kommunalen Bürgerumfrage 2018* und des ersten Quartalsberichtes für 2019. Die LVZ hat die wichtigsten Fakten zusammengestellt:

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Woher kommen die neuen Leipziger und wohin ziehen sie?

Menschen mit Migrationshintergrund machten im vergangenen Jahr zu fast drei Vierteln den Bevölkerungszuwachs aus. Jeder zehnte Leipziger ist heute ein Ausländer, die meisten kommen aus Syrien (8523 Personen), gefolgt von Rumänien (3675), Russland (3214) und Polen (3006). Vom Bevölkerungswachstum am stärksten profitierten 2018 die Ortsteile Möckern (+563 Einwohner), Stötteritz (+483), die Südvorstadt (+464), Altlindenau (+457), Reudnitz-Thonberg (+392). Volkmarsdorf (+351), Zentrum-Ost (+289), Neustadt-Neuschönefeld (+246), Schönefeld-Abtnaundorf (+242) und Connewitz (+220).

Bei der Betrachtung des Wanderungssaldos zeigt sich, dass Leipzig signifikant Einwohner in der Altersgruppe zwischen 18 und 30 Jahren hinzugewinnt, während die Stadt nicht nur bei den über 74-Jährigen, sondern auch unter Sechsjährigen deutlich verliert Bei Letzteren liegt die Ursache darin, dass immer öfter Familien mit Kleinkindern aus der Stadt wegziehen, ohne dass es entsprechende Zuzüge nach Leipzig gibt.

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Wie geht es den Leipzigern?

Die Haushaltsnettoeinkommen sind seit 2010 doppelt so stark gestiegen wie die Mieten. 1832 Euro standen einem durchschnittlichen Leipziger Haushalt im vergangenen Jahr zur Verfügung, das waren rund 30 Prozent mehr als noch vor acht Jahren (1414 Euro). Auch haben sich die Mieten in diesem Zeitraum verteuert, und zwar um 15 Prozent. Im Durchschnitt zahlten die Leipziger im vorigen Jahr 8,21 Euro warm, 2010 waren es 7,12 Euro.

Der Anteil einkommensstarker Haushalte (ab 3200 Euro pro Monat) hat sich seit 2010 um zehn Punkte auf 19 Prozent erhöht. Zugleich sank der Anteil der einkommensschwachen Haushalte (unter 1100 Euro) um zwölf Punkte auf 21 Prozent. Ihre eigene wirtschaftliche Situation beurteilten 60 Prozent mit gut und sehr gut. Auch die wirtschaftliche Lage in der Stadt beurteilen mittlerweile 59 Prozent der Befragten so positiv, 2010 war es dagegen gerade mal jeder Fünfte.

Was regt die Leipziger auf?

Am häufigsten genannt werden Kriminalität und Sicherheit. Das Thema führt seit Jahren die Hitliste der „größten Probleme aus Bürgersicht“ an, verlor 2018 allerdings an Relevanz (von 50 Prozent im Jahr 2017 auf 42 Prozent). Immer mehr Sorgen bereiten den Leipziger stattdessen steigenden Wohnkosten. Sie liegen mit nunmehr 37 Prozent auf Platz 2 der Problem-Skala – im Jahr zuvor waren es noch neun Punkte weniger. Auf den Plätzen folgen – abgeschlagen mit jeweils 20 Prozent – Kindertagesstätten und Parkplätze. Mit 19 Prozent rangiert der Straßenzustand auf Platz 5.

Allerdings ging die Unzufriedenheit über kaputte Straßen binnen eines Jahres um sieben Punkte zurück, während die Unzufriedenheit über den öffentlichen Personennahverkehr um sieben Punkte auf 19 Prozent anstieg. Was genau die Ursache dafür ist, ob Fahrpreise, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Sauberkeit oder örtliche Anbindung, das wurde nicht gefragt. „Der Sinn der kommunalen Bürgerumfragen ist nicht, positive Nachrichten zu generieren, sondern Probleme, die da sind, zu benennen“, sagte Verwaltungsbürgermeister Ulrich Hörning. „Die kommunale Selbstverwaltung stellt sich diesen Problemen“, so der Bürgermeister.

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So habe man sich unter anderem auf eine Mobilitätsstrategie verständigt und Erhaltungssatzungen auf den Weg gebracht, mit denen in einzelnen Stadtteilen der Mietpreisanstieg gedämpft werden soll. Grundsätzlich haben die Leipziger aber seit Jahren nur wenig zu meckern. Mit 77 Prozent sind mehr als drei Viertel der Befragten mit ihrem Leben in Leipzig zufrieden oder sogar sehr zufrieden. Besonders schätzen sie Grünanlagen und Parks, den Ausbau der Naherholungsgebiete, den Zustand der Gewässer, das Angebot an Lehrstellen und Arbeitsplätzen, saubere Luft und die Freizeitsportanlagen.

Wie läuft`s auf dem Leipziger Arbeitsmarkt?

Die Zahl der Beschäftigten steigt laut Amtsleiter Dütthorn prozentual schneller als die Zahl der Einwohner. „Wir haben also keine Einwanderung in den Transferbezug“, so Bürgermeister Hörning. Die Arbeitslosenquote lag Ende 2018 bei 6,8 Prozent, 1,1 Punkte unter der von vor einem Jahr zuvor. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten belief sich auf 269 009 (Stand: zweites Quartal 2018). Das waren 6472 Personen mehr als ein Jahr zuvor.

*Für die Kommunale Bürgerumfrage hat das Amt für Statistik und Wahlen im November 2018 Fragebögen an 6000 Leipziger verschickt. Die Rücklaufquote lag bei 41 Prozent.

Von Klaus Staeubert

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