Leipzig-Connewitz

Erster Prozess nach Hooligan-Krawallen startet

11. Januar 2016: Die Polizei hat in Leipzig-Connewitz mehr als 200 Tatverdächtige festgesetzt. Zwei von ihnen stehen ab Donnerstag vor Gericht.

11. Januar 2016: Die Polizei hat in Leipzig-Connewitz mehr als 200 Tatverdächtige festgesetzt. Zwei von ihnen stehen ab Donnerstag vor Gericht.

Leipzig. Burkhard Jung (SPD), Leipzigs Oberbürgermeister, sprach von „offenem Straßenterror“. Nach Ansicht des Historikers Sascha Lange handelte es sich um den „massivsten Überfall von Rechtsradikalen auf Geschäfte und Wohnhäuser in Leipzig seit dem Novemberpogrom 1938“. Vor mehr als zweieinhalb Jahren, am 11. Januar 2016, griffen gewalttätige Hooligans den linksalternativen Stadtteil Leipzig-Connewitz an und hinterließen eine Spur der Verwüstung. Mehr als 200 Tatverdächtige, die aus Sachsen, teils auch aus dem ganzen Bundesgebiet angereist waren, wurden damals festgesetzt. Unter verstärkten Sicherheitsvorkehrungen beginnt am Donnerstag in Leipzig der erste Prozess gegen zwei Angeklagte aus der Messestadt. „92 Verfahren sind bereits am Amtsgericht anhängig“, sagte Gerichtssprecher Stefan Blaschke.

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Wegen schweren Landfriedensbruchs müssen sich Martin K. und Dennis W. (beide 26) verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, sich in Absprache mit 250 bis 300 weiteren Rechtsextremen an der Randale beteiligt zu haben. Der Mob war mit Eisenstangen, Ästen, Latten und anderen Werkzeugen auf Gebäude und Kraftfahrzeuge vor allem in der Wolfgang-Heinze-Straße losgegangen. Dabei wurden laut Anklage 25 Geschäfte, Bars und Wohnungen zerstört sowie 18 Kraftfahrzeuge demoliert. Schaden: 113 .000 Euro. Der Zeitpunkt der Hooligan-Krawalle war bewusst gewählt: Ein Großaufgebot der Polizei sicherte an diesem Abend die Demonstration zum ersten Legida-Jahrestag in der Innenstadt ab. Auch viele Connewitzer protestierten in der City.

Die Staatsanwaltschaft Leipzig ermittelte gegen 217 Tatverdächtige. Nach Angaben des sächsischen Innenministeriums kurz nach den Krawallen gehörten Dutzende bekannte Hooligans dazu, so unter anderem von der Gruppe „Faust des Ostens“ aus dem Fan-Umfeld von Dynamo Dresden und von „Scenario Lok“ aus dem Umfeld des Vereins FC Lok Leipzig.

„Verfahren gegen elf Beschuldigte wurden an die Generalstaatsanwaltschaft Dresden und zwei weitere Verfahren an die Staatsanwaltschaft Dresden abgegeben“, sagte Jana Friedrich, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Leipzig. In der sächsischen Landeshauptstadt gab es bereits erste Urteile. So wurde vom Amtsgericht Dresden ein Angeklagter unter anderem wegen Beteiligung an den gewalttätigen Ausschreitungen zur Einheitsjugendstrafe von zwei Jahren und acht Monaten rechtskräftig verurteilt. In einem anderen Verfahren verhängte das Landgericht Dresden eine Gesamtstrafe von drei Jahren und acht Monaten Haft.

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Friedrich zufolge erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen 202 Personen an den Amtsgerichten Leipzig, Torgau, Eilenburg und Grimma. Bis auf wenige Ausnahmen seien je zwei Personen angeklagt worden. Diese Vorgehensweise sei im Sinne einer praktikablen Prozessführung gewählt worden. Es handelte sich somit um 103 Anklagen. Gegen zwei Tatverdächtige wird noch ermittelt.

„Von den Prozessen erwarte ich endlich Aufklärung darüber, wer die Rädelsführer der Aktion waren – und warum sie nicht durch Behörden verhindert werden konnte“, so Kerstin Köditz, Sprecherin für antifaschistische Politik der Linke-Fraktion im sächsischen Landtag.

Von Sabine Kreuz

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