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Belegschaftsversammlung im Leipziger Porsche-Werk

Ex-Porsche-Betriebsratschef Hück fordert Arbeitszeitangleichung im Osten

Der ehemalige Betriebsratschef der Porsche AG Uwe Hück am Dienstag in Leipzig .

Der ehemalige Betriebsratschef der Porsche AG Uwe Hück am Dienstag in Leipzig .

Leipzig.Er verabschiedete sich so, wie es sich für einen Gesamtbetriebsratsvorsitzenden gehört: Anderthalb Stunden standen gestern im Leipziger Porsche-Werk die Bänder still. Aber nicht wegen eines Streiks, sondern weil Uwe Hück auf seiner Abschiedsvisite die Belegschaft über die Gründe informieren wollte, warum er am Vortag von allen seinen Ämtern zurückgetreten war. Damit ist der 56-jährige gelernte Lackierer nicht mehr der oberste Arbeitnehmervertreter der Sportwagen-Schmiede und auch nicht mehr deren einflussreicher stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzende.

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Für die Belegschaft hatte Hück eine gute Nachricht mitgebracht. Betriebsrat und Vorstand seien dabei, eine Lösung zu finden, damit auch im Zuge der anstehenden Elektrifizierung der Autobranche „die beiden Standorte Leipzig und Stuttgart ausgelastet sein werden“. Details wollte er allerdings noch nicht verraten. Das sei die Aufgabe seines Nachfolgers, der allerdings erst noch gewählt werden muss.

„Ich war also eine der Hebammen“

Hück, der vor 35 Jahren bei Porsche anfing, 1990 in den Betriebsrat einzog und 2002 den Vorsitz übernahm, war in der Aufsichtsratssitzung mit dabei, als 1999 der Entschluss für den Bau der Leipziger Fabrik gefällt wurde. „Wir haben uns als Arbeitnehmer für Sachsen eingesetzt, gegen einen osteuropäischen Standort“, erinnerte er sich. „Ich war also eine der Hebammen.“ Bei der Eröffnung 2002 „habe ich nie gedacht, dass hier irgendwann mal ein Vollwerk entstehen könnte“, in dem heute der Macan und der Panamera gefertigt werden. Die Produktionsstätte zählt heute 4200 direkte Beschäftigte. Und sie brauchen „keine Angst vor der Zukunft zu haben“.

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„Wir müssen das schnell schaffen, sonst drohen soziale Unruhen“

In den 1980er-Jahren wurde Hück, der in Kinderheimen aufwuchs, zweimal Europameister im Thaiboxen. Auf dem Arbeitsprogramm von Betriebsrat und Industriegewerkschaft Metall bleibt ein Punkt offen, den Hück nicht durchgeboxt hat: Die Angleichung der Arbeitszeit. Die Leipziger Mitarbeiter sind regulär 38 Stunden in der Woche tätig, also drei mehr als ihre Kollegen in Baden-Württemberg. „Wir haben die deutsche Einheit erst zu drei Viertel geschafft“, meinte der scheidende Arbeitnehmervertreter. Fast 30 Jahre nach Mauerfall und Grenzöffnung sei die Angleichung überfällig. „Wir müssen das schnell schaffen, sonst drohen soziale Unruhen.“ Es gebe keinen Grund, dass die Arbeitgeber die neuen Länder „weiter als Geldruckmaschine benutzen und auspressen“.

Auch mit Blick auf die immer schwerer werdende Fachkräftesicherung sei die Anpassung mehr als nötig. Schließlich suchten sich die Arbeitnehmer bald ihren Arbeitgeber aus, nicht umgekehrt. Und da spielten Faktoren wie die Arbeitszeit eine gewichtige Rolle. Kurzum: Die Angleichung müsse her, sonst falle der Osten im Standortwettbewerb zurück.

„Warum gibt es in anderen Ländern dann nicht auch Fahrverbote?“

Sorgen bereiten Hück die Attacken gegen die Autobranche. Da werde nicht die Axt an diesen wichtigen Industriezweig gelegt, „sondern es werden Bomben hineingeworfen“ in Form von Fahrverboten. Wobei fraglich sei, ob etwa die Feinstaubwerte so gesundheitsschädlich seien wie es mancher behaupte. Der Diesel sei schließlich sauber. „Warum gibt es in anderen Ländern dann nicht auch Fahrverbote?“, fragte er rhetorisch. Der Weg zur Elektromobilität sei zwar richtig. „Doch wir brauchen erst die dazu erforderliche Infrastruktur“, mahnte er. Und es müsse dafür gesorgt werden, dass Autofahren auch künftig bezahlbar bleibe und kein Privileg der Reichen werde.

Hück legt künftig natürlich nicht die Beine auf das Sofa. „Für Altersteilzeit tauge ich nicht.“ Er plant den Einstieg in die Politik und kandidiert in Pforzheim im Mai für den Gemeinderat – mit einer eigenen Liste und nicht für die SPD, der er seit 1982 angehört. Die Sozialdemokraten sieht er momentan kritisch. Wenn sie so weitermachen, werde ihr Erbe vernichtet. Er wolle sich unten in der Kommune „die Hände schmutzig machen“. Höhere politische Ambitionen nicht ausgeschlossen.

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Von ULRICH MILDE

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