Wiener Modell

Experten: Nahverkehr würde mit 365-Euro-Ticket kollabieren

Die Zentralhaltestelle vor dem Leipziger Hauptbahnhof stößt schon jetzt an ihre Kapazitätsgrenzen. Bei einem weiteren Kundenansturm wäre sie schnell überfordert.

Die Zentralhaltestelle vor dem Leipziger Hauptbahnhof stößt schon jetzt an ihre Kapazitätsgrenzen. Bei einem weiteren Kundenansturm wäre sie schnell überfordert.

Leipzig. Für einen Euro pro Tag in der Stadt Bus und Bahn fahren – was in Wien möglich ist, fordern der Umweltbund Ökolöwe und die Stadtratsfraktion der SPD jetzt auch für Leipzig. Sie wollen ein 365-Euro-Ticket einführen, mit dem dann ein ganzes Jahr gefahren werden kann (die LVZ berichtete). Während viele Leipziger diese Forderung begrüßen, reagieren Verkehrsexperten von Mitgliedsunternehmen des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) darauf nur mit Kopfschütteln. Der Tenor: Sollte dieses extrem preiswerte Ticket eingeführt werden, würden die Fahrgastzahlen bei den LVB explodieren. Doch weder die Straßenbahnen und Busse des stadteigenen Unternehmens seien für einen so rasanten Fahrgastanstieg gerüstet, noch dessen Netz-Infrastruktur. Der Run auf die LVB-Angebote werde wahrscheinlich so groß sein, dass ein "Kollabieren" dieses Systems die Folge wäre. Wer ein 365-Euro-Ticket in Leipzig einführen wolle, müssen deshalb zuvor mehrere Jahre "massiv in Fahrzeuge und Netze investieren". Preiswerte oder gar kostenlose Angebote schaffen keine zusätzlichen Kapazitäten, warnte VDV-Präsident Ingo Wortmann schon kurz vor dem Jahreswechsel. Auch die CDU kritisiert die Forderung. "Die Wiener Linien kosten jedes Jahr 1,2 Milliarden Euro, davon sind 700 Millionen Zuschüsse", rechnet deren Landtagsabgeordneter Andreas Nowak vor. Ein 365-Euro-Ticket sei nicht finanzierbar und zöge "einen Rattenschwanz von Problemen" nach sich.

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Von Andreas Tappert

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