Gedenkwoche

Die vergessene Synagoge von Leipzig – Gedenkwoche holt sie zurück

Michael Schönherr, Vorstand des Leipziger Bürgervereins Kolonnadenviertel, hält Vorträge zur Ez-Chaim-Synagoge. Der Verein und seine Mitstreiter von der Notenspur wollen die vergessene Synagoge zurück ins Gedächtnis Leipzigs holen.

Michael Schönherr, Vorstand des Leipziger Bürgervereins Kolonnadenviertel, hält Vorträge zur Ez-Chaim-Synagoge. Der Verein und seine Mitstreiter von der Notenspur wollen die vergessene Synagoge zurück ins Gedächtnis Leipzigs holen.

Leipzig. Er hat große Angst, dass sie in Vergessenheit gerät: An die Ez-Chaim-Synagoge, die in der Pogromnacht 1938 von den Nationalsozialisten in Brand gesteckt und durch das Feuer vollständig zerstört wurde, erinnert derzeit nicht mehr viel. Ein Wegweiser führt zwar an ein ehemaliges Lagerhaus in Apels Garten. Wo ihr Standort genau war, bleibt dort aber ziemlich nebulös. „Es ist mir ein dringendes Bedürfnis, an die zweite große Synagoge in Leipzig zu erinnern“, sagt Michael Schönherr vom Vorstand des Bürgervereins Kolonnadenviertel.

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Ein Schaukasten, den der Bürgerverein an ihrem ehemaligen Standort errichtet hatte, sowie eine von der Jüdin Thea Hurst gestiftete Gedenktafel sind beim Umbau 2014/15 verschwunden. Der Verein hat die Tafel inzwischen zwar erneut anfertigen lassen. Angebracht ist sie aber noch nicht.

Festwoche erinnert an 10. Jahrestag der Weihe

Gemeinsam mit dem Verein Notenspur, der sich auf die Spuren jüdischer Musik in Leipzig begibt, veranstaltet der Bürgerverein nun eine Festwoche. Die beginnt an diesem Sonntag mit einer Festveranstaltung im Ariowitsch-Haus. Ihr Höhepunkt ist am 10. September, wenn an den 100. Jahrestag der Weihe der Ez-Chaim-Synagoge erinnert wird. Dann gibt es ein Bürgerbegegnungsfest auf dem Dorotheenplatz. Schirmherr ist Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). Ez Chaim bedeutet übrigens Baum des Lebens.

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Blick ins Innere der Ez-Chaim-Synagoge. Die Synagoge wurde bei den Novemberpogromen in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstört.

Blick ins Innere der Ez-Chaim-Synagoge. Die Synagoge wurde bei den Novemberpogromen in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstört.

„Großes Ziel des Bürgervereins wäre es, dass wieder ein Schild an diesen historischen Ort kommt“, betont Schönherr, der eine Broschüre zur Geschichte der Synagoge geschrieben hat und Vorträge hält. Denkbar sei auch ein Monument, sagt er, möglicherweise eingebettet im teilweise noch existierenden Bodenbelag aus der Synagogenzeit. Seit 2003 arbeitet der Bürgerverein Kolonnadenviertel die Historie des orthodoxen Gotteshauses auf, das einmal das größte in Sachsen war. Die Erinnerungskultur auf dem ehemaligen Grundstück der Synagoge ist allerdings kompliziert – aufgrund der Eigentumsverhältnisse.

Innerhalb der Festwoche werden am Abend Bilder an eine Fassade auf dem Nachbargrundstück am Parkplatz hinter Norma in der Otto-Schill-Straße projiziert (erstmals 4. September, 20.30 Uhr). Dabei erklingt Musik. Ziel ist es, durch eine mediale Erzählform die Geschichte des verlorenen Ortes erlebbar zu machen. Ausgangspunkt der Videos sind die originalen Quellen über den Ort und die mit ihm verbundenen Menschen. Der Verein Notenspur steuert auch Audio- und Videobeiträge bei, die gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern produziert worden sind. Vereinschef Werner Schneider von der Notenspur möchte ebenso wie Schönherr, dass dies an diesem Ort künftig dauerhaft geschieht.

Erinnerung ist tägliche Herausforderung

„Wir sehen ja, was in unserer Gesellschaft nach all den Jahren wieder passiert“, erklärt Schönherr. „Deshalb ist es eine tägliche Herausforderung, daran zu erinnern“, sagt der Filmemacher, der gemeinsam mit Jan N. Lorenzen die Dokumentation „Die Versteigerer – Profiteure des Holocaust“ für den MDR gedreht hat. Darin geht es um das Leipziger Auktionshaus Klemm, das Hab und Gut verfolgter jüdischer Mitbürger versteigerte. Gemeinsam mit Anna Reindl wird Schönherr am Montag, 5. September, im Café Dreiklang der Katholischen Propstei St. Trinitatis (19 Uhr) einen Vortrag halten.

Ez-Chaim-Synagoge, Apels Garten 4, um 1925.

Ez-Chaim-Synagoge, Apels Garten 4, um 1925.

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Synagoge entsteht aus einer Turnhalle

Die die Ez-Chaim-Synagoge hat eine übrigens einzigartige Geschichte, da sie eigens für Geflüchtete aus dem Osten Europas errichtet wurde, nachdem es dort Ende des 19. Jahrhunderts Juden-Pogrome gab. Entstanden ist sie in einer ehemaligen Turnhalle. Das Gebäude war zunächst eine Fahrradhalle, die erstmals 1897 auf der Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gewerbeausstellung im heutigen Zetkinpark und danach viele Jahre unweit der Dorotheenstraße aufgestellt wurde. Für den Umbau zur Synagoge machte sich Stifter und Namensgeber Chaim Eitingon stark. Gemeinderabbiner war Ephraim Carlebach.

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Ein Wegweiser führt zum Areal der ehemaligen Ez-Chaim-Synagoge. Wo der hisotrische ort genau ist, bleibt unklar. Denn die dortoge Hinwiestafek ist seit jahren verschwunden. Der Bürgerverein Kolonnadenviertel und der Verein Notenspur wollen dies ändern.

Ein Wegweiser führt zum Areal der ehemaligen Ez-Chaim-Synagoge. Wo der historische Ort genau ist, bleibt unklar. Denn die dortige Hinweistafel ist seit Jahren verschwunden. Der Bürgerverein Kolonnadenviertel und der Verein Notenspur wollen dies nun ändern.

Das komplette Programm der Festwoche steht unter www.notenspur.de

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