Nachruf

Fotograf aus Leidenschaft – Armin Kühne ist gestorben

Porträt von Fotograf Armin Kühne an der Nikolaikirche in Leipzig. Jetzt ist er im Alter von 82 Jahren gestorben.

Porträt von Fotograf Armin Kühne an der Nikolaikirche in Leipzig. Jetzt ist er im Alter von 82 Jahren gestorben.

Leipzig. Armin Kühne, Kollege, Freund, Fotograf, staunte: „Ich musste lange leben, um diesen Tag zu erleben.“ Am seinem 80. Geburtstag war er geflüchtet, saß irgendwo in seinem Schneckenhaus, holte Luft, tankte Kraft. Kühne mochte die eigenen Feier-Tage nicht, und er mochte es schon gar nicht, dass er es über sich ergehen lassen musste, fotografiert zu werden. „Schrecklich“, sagte der Bildreporter, der seit über 40 Jahren quasi jeden Tag mit der Kamera unterwegs war, um im Auftrag oder aus eigenem Antrieb das Leben im Bild festzuhalten. Am letzten Mittwoch ist Armin Kühne im Alter von 82 Jahren gestorben.

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Anfänge mit der Agfa-Box

Die Fotografie beschäftigte ihn seit frühen Jahren, als er im Wäscheschrank der Eltern hinter Bettlaken und Tischdecken eine Agfa-Box mit Rollfilmen entdeckte. Für den jungen Mann begann der Ernst des Lebens aber zunächst doch ganz normal: Lehre als Stahlbauschlosser, Studium des Maschinenbaus, Arbeit als Technologe, Tätigkeit im Wirtschaftsrat des Rat des Bezirkes und sogar Ende der 1970er-Jahre Direktor für Forschung und Entwicklung im VEB Famos Leipzig. Als er den „realsozialistischen Planungsirrsinn“ nicht mehr mitmachen wollte, kündigte er einfach. Die Fotografie gab ihm neuen Halt, die Chefredakteure von Sächsischen Tageblatt, Die Union, Mitteldeutschen Neuesten Nachrichten unterstützten Kühnes Antrag auf Zulassung als freiberuflicher Fotoreporter, der er seit 1979 war.

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Erstes LVZ-Foto in Meusdorf

Auch die LVZ veröffentlichte bald das erste Foto vom damaligen „Volkskorrespondenten“ – „es war eins von einer Tanzgruppe in Meusdorf“, erinnerte sich Kühne wie an andere Details der frühen journalistischen Tätigkeit: „Da ich kein Telefon hatte und sich nie die Chance bot, eins zu bekommen, wurden mir viele meiner Aufträge per Telegramm mitgeteilt, fast jeden Tag klingelte der Bote.“ Als freier Fotograf konnte er ganz gut leben in der DDR, 15 Mark für ein Foto, genug, um die Miete (48 Mark) und die Straßenbahn (15 Pfennige bei der Mehrfahrtenkarte) sich leisten zu können. Dank Fürsprache der Redaktionen, für die er tätig war, bekam er schon nach sechs Wartejahren einen Trabi. Er entwickelte die Filme in Küche und Bad, das Fachgeschäft „Foto – Kino – Optik“ in der Hainstraße war die Versorgungsquelle, um neue Technik und die ebenso zur Bückware gehörenden hochempfindlichen Filme zu bekommen.

Bücher über Leipzig

Jahrzehnte gehört er zu jener Stadt, in der er 1940 in der Klinik in der Philipp-Rosenthal-Straße geboren worden war. Kühne lebte immer in Leipzig. Früher, als an die Veröffentlichung von Bildern einer verfallenden Stadt nicht zu denken war, fotografierte er diese nur „für sich“ . Nach 1990 dokumentierte er ebenso leidenschaftlich die neu entstehende Stadt. Sein bleibendes Geschenk für sein Leipzig sind die mit Niels Gormsen herausgegebenen Bücher über den Wandel. Kühne erinnerte sich, wie er eines Tages vom ehemaligen Baubürgermeisters hörte: „Das ist doch alles schön geworden, man müsste mal zeigen, wie das damals aussah …“ Die Bücher, im Passage-Verlag erschienen, wurden Bestseller. Kühnes Bilderschatz wird schon seit Jahren im Archiv der Leipziger Universität gepflegt.

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