Nach Zerstörung vor einem Jahr

Gedenktafel für ermordeten Kamal K. in Leipzig wurde rekonstruiert

Die neue Gedenktafel für Kamal K. vor dem Leipziger Hauptbahnhof.

Die neue Gedenktafel für Kamal K. vor dem Leipziger Hauptbahnhof.

Leipzig. Gut ein Jahr nach Zerstörung ist eine Gedenktafel für den vor acht Jahren in Leipzig ermordeten Kamal K. wieder unweit des Tatorts vor dem Leipziger Hauptbahnhof angebracht worden. Die inzwischen aus Bronze bestehende Tafel konnte mit Hilfe von Spendengeldern erneuert und in den Gedenkstein eingefasst werden, heißt es. Damit soll künftiger Vandalismus am Mahnmal verhindert werden. Die früher aus Kunststoff bestehende Tafel war im Juni 2016 und im April 2017 von Unbekannten schwer beschädigt worden.

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Am 24. Oktober 2010 hatten zwei Neonazis den gebürtigen Iraker Kamal K. vor dem Hauptbahnhof aufgrund seines ausländischen Aussehens erst angepöbelt und anschließend mit einem Messer niedergestochen. Der Haupttäter Marcus E. – ein bekannter Rechtsextremer – wurde später zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt, sein Komplize Daniel K. erhielt drei Jahre Freiheitsentzug.

Jedes Jahr im Oktober findet in Leipzig ein Gedenkmarsch für Kamal K. sowie für alle anderen rassistischen Morde seit 1990 in der Messestadt statt. Organisiert werden diese von der Gruppe „Rassismus tötet“, die auch für die Instandsetzung des Mahnmals verantwortlich ist. „Der Initiative von Kamals Familie, Gruppen und Einzelpersonen ist es zu verdanken, dass dieser Gedenkstein überhaupt erst initiiert werden konnte. Solch ein Mord aus ‚niederen Beweggründen‘, wie der zuständige Richter diesen in der Urteilsverkündung klassifizierte, geschieht nicht im luftleeren Raum, sondern in einem gesellschaftlichen Klima, das sich durch rassistische Mobilisierungen immer weiter verschärft“, erklärte Hannes Heinze, Sprecher der Gruppe, am Mittwoch.

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193 rechtsmotivierte Morde in der Bundesrepublik

Laut Statistik der Amadeu-Antonio-Stiftung gab es seit 1990 insgesamt 193 rechtsmotivierte Morde in der Bundesrepublik. In Leipzig gehören neben Kamal K. und Achmed B. auch der 1994 von Skinheads zu Tode geprügelte Klaus R., der 1996 von Rechtsextremen erstochene Bernd G., der 1998 von Neonazis misshandelte Zimmermann Nuno L. und der 2008 von einem betrunkenen Neonazi zu Tode geprügelte Obdachlose Karl-Heinz T. dazu. 2011 starb zudem der Obdachlose André K. in einem Leipziger Krankenhaus, nachdem er in Oschatz von Rechtsextremen misshandelt worden war.

Darüber hinaus gibt es zwei weitere Verdachtsfälle rassistischer Morde in Leipzig: 1995 wurde der obdachlose Horst K. in einer Leipziger Straßenbahn von Jugendlichen angezündet und erlag später den Verletzungen. 2003 starb der Schüler Thomas K auf dem Weg ins Krankenhaus, nachdem er zuvor von einem Neonazi mit einem Messer angegriffen worden war.

Überblick der Todesopfer rechter Gewalt: www.mut-gegen-rechte-gewalt.de

Von Matthias Puppe

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