Prozess am Landgericht

In Hotel angeblich antisemitisch beleidigt: Gil Ofarim muss in Leipzig vor Gericht

Der Prozess gegen den Musiker Gil Ofarim startet im Oktober vor dem Landgericht Leipzig.

Der Prozess gegen den Musiker Gil Ofarim startet im Oktober vor dem Landgericht Leipzig.

Leipzig. Im nächsten Monat startet am Landgericht Leipzig der Prozess gegen den Musiker Gil Ofarim (40). Wie Gerichtssprecher Hans Jagenlauf am Mittwoch mitteilte, hat die zuständige 6. Strafkammer durch Beschluss vom 15. September die Anklage der Staatsanwaltschaft Leipzig vom März dieses Jahres unverändert zugelassen und das Hauptverfahren gegen Ofarim eröffnet.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Anklagebehörde wirft ihm falsche Verdächtigung in zwei Fällen, davon in einem Fall mit Verleumdung vor. Er soll am 4. Oktober vorigen Jahres in einem von ihm auf Instagram geposteten Video und später auch gegenüber der Polizei von antisemitischen Beleidigungen gesprochen und wahrheitswidrig behauptet haben, dass ein Mitarbeiter des Leipziger Hotels The Westin ihn aufgefordert habe, seinen David-Stern wegzupacken, damit er einchecken könne. Das Verfahren gegen den zunächst beschuldigten Hotelmitarbeiter wegen des Vorwurfs der Beleidigung, der versuchten Nötigung, der Volksverhetzung und der falschen Verdächtigung wurde mittlerweile eingestellt.

Im Prozess werden Aufnahmen einer Überwachungskamera genutzt, die Gil Ofarim vor dem Hotel in Leipzig zeigen.

Im Prozess werden Aufnahmen einer Überwachungskamera genutzt, die Gil Ofarim vor dem Hotel in Leipzig zeigen.

Der Fall hatte damals für weltweites Aufsehen gesorgt. Bei seiner Eröffnungsentscheidung erteilte das Gericht auch den rechtlichen Hinweis, dass im Falle einer Verurteilung auch der Tatbestand der üblen Nachrede erfüllt sein könnte. Bejaht hat das Gericht ferner, dass aufgrund der besonderen Bedeutung der Strafsache die Zuständigkeit des Landgerichts vorliege.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Lesen Sie auch

Ofarims Verteidiger hatten hingegen eine Verlegung des Prozesses in das Amtsgericht gefordert. Andernfalls würde ihnen ein ganzer Rechtsweg abgeschnitten, argumentierten sie, denn ein Vorgehen gegen eine Verurteilung sei dann nur noch beim Oberlandesgericht als nächsthöherer Instanz möglich. Außerdem stellten die Anwälte Ofarims einen Befangenheitsantrag gegen einen Richter der zuständigen Strafkammer. Im Prozess plane man eine reine Freispruchverteidigung, kündigte einer der Verteidiger gegenüber der LVZ an.

Über weitere Anklage gegen Gil Ofarim in Leipzig noch nicht entschieden

Am 19. August hat die Staatsanwaltschaft sogar noch eine weitere Anklage gegen Ofarim erhoben. Dabei geht es um den Tatvorwurf der angeblich falschen Versicherung an Eides Statt in zwei Fällen, davon in einem Fall in Tateinheit mit Betrug und in einem Fall in Tateinheit mit versuchtem Betrug. Demnach soll der Musiker im Rahmen von zwei Anträgen zum Erlass von einstweiligen Verfügungen bei den Landgerichten Köln und Leipzig, mit denen Presseveröffentlichungen untersagen werden sollten, eidesstaatlich versichert haben, nie geäußert zu haben, dass das von ihm erstellte Video "viral gehen" solle. Das war aus Sicht der Anklagebehörde unwahr. Auch der LVZ liegt im Zusammenhang mit einer presserechtlichen Auseinandersetzung eine solche Erklärung an Eides statt Ofarims vor. Weiter habe der Angeklagte auch die laut Staatsanwaltschaft unzutreffenden Äußerungen über die angeblichen Worte des Leipziger Hotelmitarbeiters wiederholt. "Ob auch hier die Anklage zugelassen und das Hauptverfahren eröffnet wird, hat das Gericht allerdings noch nicht entschieden."

Der Prozess gegen Ofarim soll am 24. Oktober beginnen. Geplant sind insgesamt sieben Verhandlungstage bis 30. November.

Mehr aus Leipzig

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen