Neues Sonntagsmagazin im E-Paper

Urlaub 2022: Wie kann man noch abschalten?

Ab sofort: Ein neues Wochenend-Magazin der Leipziger Volkszeitung erscheint im E-Paper jetzt immer sonntags.

Ab sofort: Ein neues Wochenend-Magazin der Leipziger Volkszeitung erscheint im E-Paper jetzt immer sonntags.

Vielleicht lesen Sie diesen Text gerade im Urlaub – am Strand an der Ostsee, im Ferienhaus in der Toskana, am See in Brandenburg oder einfach im Garten unweit der Dübener Heide. Natürlich freut es uns, wenn Sie die LVZ auch in die Ferien begleitet. Und doch haben wir dabei ein wenig ein schlechtes Gewissen. Sollten Sie sich nicht entspannen? Mal abschalten von den Sorgen und Krisen der Welt, der Schnelligkeit der Veränderungen? Es wäre verständlich, denn allein der Blick auf die aktuellen Großkrisen und Herausforderungen kann schwindelig machen:

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
  • Wir haben noch immer einen Krieg mitten in Europa mit Dutzenden Toten an jedem Tag.
  • Wir stecken in einem Wirtschaftskrieg, in dem unsere Energieversorgung zum Spielball eines Despoten geworden ist.
  • Wir spüren die Inflation tagtäglich in den Geldbeuteln.
  • Wir sehen wie die Extremwetterlagen zunehmen, die Wälder brennen, die Dürre die Böden zerstört, die Erde sich erhitzt und wissen, dass der Klimawandel längst in unserem Leben angekommen ist.
  • Wir ärgern uns über lange Wartezeiten oder Verspätungen an Flughäfen und Bahnhöfen und haben uns doch längst damit abgefunden.
  • Wir leben seit mehr als zwei Jahren mit einer Pandemie und ahnen: Es wird nicht die letzte gewesen sein.
  • Wir hören von Hungersnöten, Ernährungskrisen und vielen Menschen auf der Welt, die deswegen ihre Heimat verlassen müssen.
  • Wir merken, wie es immer schwerer wird in der Gesellschaft miteinander ins Gespräch zu kommen.
  • Wir lesen, wie hasserfüllt der Ton im Internet ist und können uns dem Reiz des Digitalen doch nicht entziehen.
  • Wir nehmen wahr, wie sich die Menschen in diesem Land zunehmend von den Politikerinnen und Politikern entfernen.
  • Wir werden aufgesogen von der digitalen Welt, von den sozialen Medien, und wissen doch, dass es besser wäre, das Smartphone einmal in der Tasche zu lassen und im Hier und Jetzt zu sein.
Hannah Suppa, Chefredakteurin der Leipziger Volkszeitung.

Hannah Suppa, Chefredakteurin der Leipziger Volkszeitung.

Wohin soll das noch führen? Wie können wir den Themen der Zeit noch gewahr werden bei dieser Gleichzeitigkeit von allem? Diese permanente Überforderung hat doch längst Folgen für das eigene Leben: Viele Menschen flüchten sich in ihren privaten Umkreis, begegnen den (manchmal vielleicht im Ton zu alarmistischen) Warnungen und Mahnungen schulterzuckend oder schauen lieber gar nicht mehr so genau hin, was in der Welt passiert. „Nachrichtenmüdigkeit“ ist so ein neues Wort dieser Tage. Man muss dazu sagen: Wenn man es sich leisten kann, wegzuschauen. Und nicht unmittelbar von den großen Themen in seinem Alltag so gravierend betroffen ist, dass es zu einer existenziellen Frage wird.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

TikTok und andere Netzwerke bieten viel Ablenkung

Der Digital News Report des Reuters Institutes in Oxford befragt in jedem Jahr mehr als 92.000 Menschen auf sechs Kontinenten zu ihrem Mediennutzungsverhalten, diese „Newsfatigue“ ist erstmals in diesem Jahr so hoch wie nie, in einigen Ländern wie Brasilien und den USA besonders. Bei Menschen unter 35 Jahren schlagen die Nachrichten auf die Stimmung, heißt es da, sie schauen lieber bei TikTok und anderen Netzwerken nach Ablenkung. Andere beschreiben im Report das Gefühl von Ohnmacht bei der Nachrichtennutzung – oder die Überforderung, alles noch zu verstehen. Auch wir Journalistinnen und Journalisten müssen darauf reagieren und uns stärker fragen, wie und in welcher Frequenz wir Nachrichten aufbereiten, wie wir zu Lösungen beitragen können, anstatt nur Probleme zu skizzieren.

Daher vielleicht eine Botschaft heute, an diesem Sonntag: Es ist in Ordnung, die Krisen der Welt nicht zu jeder Zeit immer an sich heranzulassen. Und vor allem: Mal abzuschalten – auch im wahrsten Sinne („Digital Detox“). Eine Psychologin erklärte uns kürzlich in einem Interview wie wichtig Urlaub und Erholung sei – und wie gut auch das Reisen ist (wer denn die Möglichkeit hat). Sie sagte: „Reisen schafft Glücksmomente, positive Gefühle und Handlungsfähigkeit, die wir als Ausgleich brauchen.“. Außerdem senken Momente des Genusses das Stresslevel.

Ab sofort: LVZ erscheint im E-Paper mit neuem Sonntagsmagazin

Und dennoch freuen wir uns natürlich, wenn wir an Ihrer Seite sein können – im Urlaub oder daheim in Leipzig und Sachsen. So eine Zeitung – ob nun gedruckt oder hier als E-Paper – hat ja auch immer ein Anfang und ein Ende. Sie sortiert die Welt und gibt Ihnen bestenfalls einen Überblick, was Sie wissen sollten gerade – und was Ihnen vielleicht für Ihr Leben in der Region helfen kann. Deswegen sind wir nun auch sonntags mit einer Zeitung für Sie da – im E-Paper, der elektronischen Ausgabe der LVZ. Gemeinsam mit dem RedaktionsNetzwerkDeutschland (RND) ist eine Sonntagszeitung entstanden, die Sie informieren und unterhalten soll. Wir werden an dieser Stelle auch stets ein Thema der Woche aus Leipzig oder Sachsen "Unterm Strich" kommentieren, Ihnen einen Ausblick auf Veranstaltungen in der kommenden Woche in der Region geben und natürlich aktuell RB Leipzig im Blick behalten. Immer wieder sonntags.

PS: Mich würde interessieren, wie es Ihnen geht? Sind Sie „nachrichtenmüde“? Wie schalten Sie ab? Schreiben Sie mir gern an chefredaktion@lvz.de – ich freue mich über elektronische Post.

Mehr aus Leipzig

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen