Przewalski-Pferde

In Heiterblick arbeiten Leipzigs wilde Grünpfleger

Grünpfleger auf Hufen: Eine Herde Przewalski-Pferde grast auf dem früheren Truppenübungsplatz in Heiterblick.

Grünpfleger auf Hufen: Eine Herde Przewalski-Pferde grast auf dem früheren Truppenübungsplatz in Heiterblick.

Leipzig. Tiere als Naturpfleger gibt es in Leipzig an mehreren Stellen. Aber städtische Angestellte sind sie nur in Heiterblick. Dort beweidet eine Herde aus nunmehr zwölf Przewalski-Pferden das Gelände eines früheren Truppenübungsplatzes.

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Klaus Gensel und Hanna Rahn kommen fast jeden Tag. Der Schkeuditzer und die Paunsdorferin lieben das Stück Natur in Heiterblick hinter Amazon, sind sehr vertraut mit den Pferden, die auf Zuruf auch an den Zaun kommen.

So vertraut sind die Przewalski-Pferde nicht mit jedem. Die Vierbeiner, auch Mongolische Wildpferde genannt, wurden bis vor Kurzem noch als letzte verbliebene Unterart des Wildpferdes gehandelt. Erst im Vorjahr fanden Forscher nach Genanalysen aber heraus, dass Przewalski-Pferde von den domestizierten Botai-Pferden abstammen – und vor rund 5000 Jahren verwilderten.

Klaus Gensel und Hanna Rahn sind fast jeden Tag am Gehege anzutreffen und schauen nach den Tieren

Klaus Gensel und Hanna Rahn sind fast jeden Tag am Gehege anzutreffen und schauen nach den Tieren.

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Die Wildheit kommt ihnen in dem 35 Hektar großen Gelände in Paunsdorf zupass. Die Fläche ist groß genug, dass die Tiere oft verschwunden scheinen. Und vor allem ist sie mit Wiesen, Büschen und kleinen Gehölzen bewachsen genug, dass sie sich komplett autark davon ernähren können – zumal sie nach dem Abzug der Wasserbüffel, mit dessen Pächter die Stadt oft Ärger hatte, nun die einzigen Großtiere dort sind.

„Wir haben im Moment das Gefühl, dass die Zahl auf der Fläche genau richtig ist“, erklärt Stadtförster Andreas Sickert. Die Tiere seien gesund, im vorigen Winter habe auch nicht zugefüttert werden müssen. Ihre Entwicklung werde genau beobachtet, um bei Bedarf einschreiten zu können.

Mitten im bebauten Gelände von Paunsdorf liegt das riesige Gehege

Mitten im bebauten Gelände von Paunsdorf liegt das riesige Gehege.

Seit Kurzem ist dafür Stephan Boden zuständig. Der Rentner, ein früherer Forstmitarbeiter der Stadt, wohnt in der Nähe, schaut jeden Tag nach den Tieren und dem Gelände. „Er ist eine Art Gehegemeister“, schmunzelt Sickert. So ist Boden diese Woche aufgefallen, dass die Pferde offenbar an alten Betonmauerresten im Gelände knabbern. Geht es um fehlende Mineralien wie Salze oder etwas anderes? Sickert versprach, einen Tierarzt einzuschalten, der nach den Gründen suchen soll.

Für die Stadt nähmen die Pferde eine wichtige Aufgabe wahr, erzählt der Stadtförster. Das riesige Gelände müsse für Offenlandarten wie viele Bodenbrüter, aber auch Lurche erhalten werden, drohe ohne die Tiere zuzuwuchern. „Es gibt hier zum Beispiel streng geschützte Kammmolche“, erzählt Sickert. Und Boden ergänzt, auch einen Wiedehopf unlängst vernommen zu haben. Gesehen habe er ihn aber noch nicht. Wiedehopfe gelten als besonders seltene Vögel, sind in Deutschland streng geschützt.

Bisons am Cospudener See

Am Cospudener See sind vor allem Bisons und Sika-Hirsche, seit Kürzerem auch Yaks und sogar Esel eingesetzt, um große Wiesen vorm Zuwuchern zu bewahren und seltenen Tiere Zuflucht zu gewähren. Unterschied zu Paunsdorf: Die Flächen am Cospudener See werden von Pächtern betrieben, in Paunsdorf ist es die Stadt selbst. Damit sind die Przewalski-Pferde quasi Rathaus-Bedienstete.

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Nach den Erfahrungen mit den Wasserbüffeln dort soll das auch so bleiben. „Es ist in der Stadtverwaltung entschieden worden, dass die Fläche nicht wieder verpachtet wird“, sagt Sickert.

Fortpflanzung nicht erwünscht

Die seltenen Pferde sollen sich allerdings nicht mehr wie in den Vorjahren vermehren können. Grund: „Die Herkunft der Paunsdorfer Tiere ist nicht mehr ganz eindeutig zu klären“, erzählt Sickert. Trotzdem unterlägen sie als Przewalski-Pferde dem Artenschutz, dürfe mit ihnen nicht gehandelt werden. Die Stadt habe daher Vorsorge getroffen und die männlichen Tiere kastrieren lassen, erzählt Sickert.

Ein Rundweg führt in Zaunnähe um das riesige Gehege. Seit Kurzem sei auch der sogenannte Tornadozaun aus Metall komplett erneuert und geschlossen, Hochspannung in einem Weidezaun verhindere zudem das Ausbrechen der Tiere, erklärt der Stadtförster. Er bittet Besucher, die Tiere nicht zu füttern. „Die Tiere finden genug im Gehege“, sagt er. Es gebe im Innern sogar eine eigene Wasserversorgung für die Pferde.

Von Jörg ter Vehn

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