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Abgehängt?

In Leipzig-Knautnaundorf wächst die Enttäuschung

Mario Christian Stöbe, Mitglied des Ortschaftsrates Hartmannsdorf-Knautnaundorf (links), und Jan Meichsner am aufgegebenen Bahn-Haltepunkt von Knautnaundorf.

Mario Christian Stöbe, Mitglied des Ortschaftsrates Hartmannsdorf-Knautnaundorf (links), und Jan Meichsner am aufgegebenen Bahn-Haltepunkt von Knautnaundorf.

Knautnaundorf.In Knautnaundorf wächst die Unzufriedenheit. „Unser Ortsteil verkommt zum A... von Leipzig“, schimpfen Bewohner wie Jan Meichsner. Die Stadtpolitik habe die rund 400 Einwohner im südlichsten Zipfel von Leipzig vergessen. Dabei könnte es für die Knautnaundorfer so schön sein.

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Denn das Dorf liegt nur 400 Meter vom Westufer des Zwenkauer Sees entfernt. In den Plänen für das künstliche Gewässer taucht denn auch die Bezeichnung „Strandbereich Knautnaundorf“ auf. Doch in diesem 400-Meter-Bereich gibt es gleich mehrere unüberquerbare Hindernisse: eine Bahntrasse, den Flusslauf der Weißen Elster und die Bundesstraße 186. Wenn die Knautnaundorfer zum greifbar nahen Zwenkauer See wollen, müssen sie rund fünf Kilometer nach Norden radeln oder vier Kilometer nach Süden.

Deshalb geht es trotz des nahen Sees im Ort kontinuierlich bergab: Anfang der Neunzigerjahre schloss die Kaufhalle, Ende der Neunziger der Kindergarten. Auch die einzige Gaststätte hat dicht gemacht; das alte Gemeindeamtsgebäude natürlich auch, weil es seit der Eingemeindung nach Leipzig im Jahr 1999 nicht mehr gebraucht wird.

„Bis Ende vorigen Jahres hat die Bahn unseren Haltepunkt wenigstens einmal am Tag bedient“, erzählt Mario Christian Stöbe, Mitglied des Ortschaftsrates Hartmannsdorf-Knautnaundorf. „Doch dieser eine Stopp ist jetzt auch noch weggefallen.“

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Hilferuf an OBM Jung

Der Haltepunkt vergammelt inzwischen. Die Info-Kästen für die Fahrpläne sind verschwunden – und die Fußgängerbrücke, die über die Bahngleise führt, ist seit Kurzem mit Flatterband abgesperrt. Sie war die letzte Möglichkeit, mit einem vertretbaren fußgängerischen Aufwand und ohne Lebensgefahr die Bahnlinie zu überqueren, um wenigstens an die Weiße Elster zu gelangen.

Deshalb schickte Meichsner Mitte Januar eine E-Mail als Hilferuf an Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). In diesem Schreiben ist vom drohenden Verlust des Haltepunktes und der wichtigen Brücke über die Bahngleise die Rede. Und von einer Brücke, die laut Leipzigs Radverkehrsentwicklungsplan möglichst bald vom Eythraer Weg in Knautnaundorf zum Geh-Rad-Weg am Zwenkauer See führen soll.

Obwohl der Plan aus dem Jahr 2010 stammt und der Geh-Rad-Weg darin die Priorität 1 besitzt, tut sich nichts. „Auf meine Mail hin habe ich vom Rathaus zunächst einmal nichts gehört, keine Eingangsbestätigung erhalten“, ärgert sich Meichsner. „Wir sind abgehängt. Die tun nichts für uns.“

Dabei schauen ab und an Leipziger Politiker im Ortsteil vorbei. 2016 war Oberbürgermeister Jung dort, auch Bürgermeister wurden schon gesichtet. „Dann heißt es immer: ,Ja, wir kümmern uns.‘ Aber es passiert nichts“, klagt Meichsner.

Trotzdem regt sich im Ort Leben: Sobald einmal ein Grundstück ins Angebot kommt, ist es schnell verkauft – häufig an junge Familien mit Kindern. Und auch das verwahrloste alte Gemeindeamt ist nicht so öde, wie es auf dem ersten Blick scheint: In einem Anbau hat sich in seinem Gründungsjahr 1997 der Kulturverein Knautnaundorf niedergelassen. Ein Team von engagierten Ehrenämtlern organisiert dort unter anderem Ortsfeste, Frauentags-, Advents-, Weihnachts- und Halloweenfeiern.

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Freistaat schiebt Brückenbau an

Alle Hoffnungen der Knautnaundorfer hängen jetzt an einem Brückenbauvorhaben. Denn die Autobrücke, auf der die Bundesstraße 186 aus Knautnaundorf über die Bahngleise und die Weiße Elster in Richtung Zwenkauer See verläuft, ist marode und muss durch einen Neubau ersetzt werden – nach Möglichkeit gleich mit Geh- und Radwegen, denn die fehlen dem Altbau.

„Heutzutage ist es lebensgefährlich, unsere Kinder über diese Brücke radeln zu lassen“, schildert Stöbe. Würde die neue Konstruktion mit Wegen für Fußgänger und Radfahrer ausgestattet, könnte endlich die so wichtige direkte Anbindung des Ortes an den Zwenkauer See entstehen. „Dann müssten Fuß- und Radweg von der Brücke nur zum Zwenkauer See verlängert werden“, sagt der Ortschaftsrat. Leipzigs Stadtverwaltung habe versprochen, dass dieses wichtige Bauwerk im Jahr 2020 entstehen soll.

Ob die Brücke kommt, liegt allerdings nicht in Leipzigs Händen. Denn für das Projekt ist der Freistaat Sachsen zuständig. Dort hieß es auf LVZ-Anfrage, dass noch keine Aussage über einen Baubeginn getroffen werden könne.

Dafür sei die Planungsphase noch zu früh. Fest stehe aber, dass ein Ersatzneubau errichtet und durch einen Radweg ergänzt werden soll. „Derzeit wird dafür der Bauwerksentwurf erarbeitet, der anschließend genehmigt werden muss“, erläutert Nicole Wernicke, Sprecherin des Sächsischen Landesamtes für Straßenbau und Verkehr. „Im Anschluss daran wird ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt.“

Die Stadt will sich der Proteste aus Knautnaundorf offenbar annehmen. Bewohner Meichsner hat inzwischen eine Eingangsbestätigung für seine E-Mail an OBM Jung erhalten. „Sein Anliegen ist in der Bearbeitung, er wird in den nächsten Tagen vom zuständigen Dezernat hören“, so ein Mitarbeiter auf LVZ-Anfrage.

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Von Andreas Tappert

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