Cosplayer-Szene

Japanischer Kult auf der Leipziger Buchmesse

Julia (29) aus Hamburg kam als Neo Queen Serenity.

Julia (29) aus Hamburg kam als Neo Queen Serenity.

Leipzig. Unter der Glaskuppel tummeln sich am Wochenende die kuriosesten Gestalten: Von Elfen über Prinzessinnen und Superhelden, trifft man auf alte Bekannte aus der eigenen Kindheit – ein Meer aus bunten Perücken und noch bunteren Kostümen.

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Manga-Sparte der Buchmesse wächst

Der farbenfrohe Kostümball ist Dank der Manga- und Comic-Con, die in diesem Jahr 104000 Besucher zählt, auf die Buchmesse eingezogen. Auf dieser können Comic-Liebhaber neben den neuerscheinenden Mangas – also traditionellen japanischen Comics – auch jede Menge Fanartikel vom Plüschtier bis zum Shirt und japanische Süßigkeiten erwerben. Gekrönt wird das Ganze mit Signierstunden, Workshops und Wettbewerben, die am Wochenende über 2000 Menschen zu der großen Bühne locken. Über die Jahre ist die Manga-Sparte der Buchmesse vom Randphänomen zur Institution herangewachsen.

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Aber die Messe ist nicht nur großer Sammel-, sondern auch Treffplatz für die Cosplay-Szene, zu Deutsch Kostümspiel. Denn viele der Verkleidungskünstler knüpfen hier neue Freundschaften, weiten ihren Bekanntenkreis aus, um in Zukunft auch gemeinsame Projekte anzugehen.

Man lernt sich aber auch über Facebook und früher über Anime-Portale kennen, wie Julia, eine 29-jährige Cosplayerin, erklärt. Die Buchmesse hat für sie Tradition. Schon seit 2006 fährt die Hamburgerin nach Leipzig, sah dort die Cosplayer und dachte sich: Das will ich auch. Ein Jahr später besucht sie die Messe schon kostümiert, das Herzensprojekt verfolgt sie eigentlich schon seit ihrer Kindheit. „Meine Oma ist Schneiderin und hat mir schon immer Kostüme genäht und später auch dabei geholfen“, erzählt sie. An ihrer jüngsten Verkleidung hat sie zwei Monate gearbeitet. Perle für Perle brachte sie dafür auf dem zarten weißen Material ihres bodenlangen weißen Kleides an, das sie zuvor aus sechs Metern Stoff genäht hat und sie diesmal zur Neo Queen Serenity der Serie „Sailor Moon“ werden lässt. Die Maßanfertigungen sind aufwendig und detailgetreu, doch die Aufmerksamkeit und anerkennenden Blicke sind es wert – da sind sich alle Cosplayer einig.

Schaumstoff in Waschbrettbäuchen

In den 80ern mit Science-Fiction-Kostümen angefangen, wird mittlerweile so ziemlich alles „gecosplayed“, was gefällt, vor allem aus Serien und Comics des ostasiatischen Raums. Aber auch Figuren aus Filmen oder Computerspielen werden sich auf den Leib geschneidert. Mit Passion und den verschiedensten Materialien stellen sie ihre Lieblingscharaktere dar, verwandeln Wachstischdecken in Jacken, Styropor in Köpfe oder Schaumstoff in Waschbrettbäuche.

„Ich komme von der Arbeit nach Hause und mache weiter mit dem Nähen, genauso am Wochenende“, erzählt die 22-jährige Andrea in ihrem „Wedding Peach“-Kostüm, sie ist der Engel der Liebe. Doch nicht nur ihr eigenes aufwendiges Outfit hat sie hergestellt, auch das ihr kleinen Schwester und ihrer Freundin. „Daran sitze ich seit Oktober. Es zur Buchmesse zu präsentieren, ist so schön“, erzählt sie nicht ohne Stolz in der Stimme.

Hobby braucht viel Zeit und Geld

Am Freitag noch als Ausstellerin unterwegs, steckt Denise aus Potsdam nun als Sailor Mars im Matrosenkleid. Die Qualität der Kostüme und die Auswahl an Charakteren ist riesiger als bei anderen Messen, erklärt die 27-Jährige. „Ich war schon immer fasziniert von der Kunst des Cosplay, weil man damit auch die Mangas, die man liebt, zelebrieren kann“, erzählt die Cosplayerin von ihrem anfänglichen Interesse und auch, dass eine Verkleidungskünstlerin auf der Buchmesse ihr vor zwei Jahren letztlich den Anstoß gab, ebenso in andere Rollen zu schlüpfen. Bis ihr Outfit den eigenen Vorstellungen entsprochen hat, dauerte es zwei Jahre. Bis dahin mussten viele Bettlaken und Nerven dran glauben. In ihr Hobby investiert sie neben Zeit auch viel Geld. „Wenn ich aber an meiner Schneiderpuppe vorbeigehe und das selbstgemachte Kostüm sehe, bin ich einfach nur glücklich und stolz.“

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Von Sarah Englisch

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