Stimmen erst falsch gewertet

Jennicke wird neue Leipziger Kulturbürgermeisterin - Panne bei der Wahl

Skadi Jennicke ist Leipzigs neue Kulturbürgermeisterin. (Archivfoto)

Skadi Jennicke ist Leipzigs neue Kulturbürgermeisterin. (Archivfoto)

Leipzig. Die bisherige Linken-Stadträtin Skadi Jennicke ist zur neuen Leipziger Kulturbürgermeisterin gewählt worden. Bei der Abstimmung am Mittwochnachmittag in der Ratsversammlung konnte die 38-Jährige bereits im ersten Wahlgang 41 von 69 gültigen Stimmen und somit eine Mehrheit auf sich vereinen. Ihr stärkster Konkurrent Matthias Theodor Vogt (CDU) erhielt 23 Stimmen. Der dritte Kandidat, Thomas Kumbernuß (Die Partei), ging leer aus. Fünf Stadträte hatten sich enthalten.

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Kumbernuß' Nullnummer wurde allerdings erst Stunden nach der Wahl während der andauernden Ratssitzung bekannt. Bei der ersten Auszählung hatte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) die fünf Enthaltungen noch für den Partei-Politiker genannt. Beim erneuten Auszählen sei der Fehler dann aber erkannt worden, so Jung in die verdutzte Ratsversammlung. "Das habe ich in zehn Jahren noch nicht erlebt", so der OBM. Die anderen Stimmen seien aber richtig verbucht gewesen.

Leipzig bekommt erste Kulturbürgermeisterin

Mit einer Mehrheit im ersten Wahlgang wurde die Linken-Stadträtin Skadi Jennicke (38) zur Kulturbürgermeisterin gewählt. Am 2. Juni löst sie Michael Faber für sieben Jahre von seinem Amt ab.

Ob die Panne verwaltungsrechtliche Konsequenzen hat, ist noch unklar. Zudem will Jung bei der Landesdirektion prüfen lassen, ob Wahlgewinnerin Skadi Jennicke als ehrenamtliche Stadträtin überhaupt für sich selbst abstimmen durfte.

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Jennicke plant runden Tisch mit Kulturschaffenden

Jennicke wurde in geheimer Abstimmung für sieben Jahre gewählt und wird nun am 2. Juni die Amtsgeschäfte vom bisherigen Kulturbürgermeister Michael Faber (parteilos) übernehmen. "Ich hoffe auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit allen Fraktionen", sagte die sichtlich gerührte Wahlgewinnerin nach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses. Jennicke will nun zusammen mit Politik und Kulturschaffenden die Leipziger Kulturlandschaft umgestalten. "Selbstverständlich sind alle Kritiker willkommen an meinem Tisch", so die 38-Jährige, die sich im Wahlverfahren gegen insgesamt 91 Mitbewerber durchsetzte.

Als einen der ersten Schritte im neuen Amt will Jennicke einen runden Tisch von Kulturschaffenden, Verwaltung und Politik installieren, an dem gemeinsam für die Leipziger Kulturlandschaft gearbeitet wird. Darüber hinaus sieht sie die Ernennung eines neuen Direktors für das Naturkundemuseums samt Modernisierung des Konzepts, die Anpassung der Förderrichtlinien für die Freie Szene und die Aufstellung einer Zuschussvereinbahrung für die großen städtischen Kulturhäuser als dringlichste Aufgaben.

Gegenkandidat wollte "Sehnsuchtshauptstadt"

Vor der Wahl konnten alle drei Kandidaten im Plenum noch einmal für Unterstützung werben. Jennicke betonte, sie sei seit Jahren in Leipzig engagiert und stehe für Innovation, Nachhaltigkeit und Partizipation. Zwischen Historie und Moderne, den beiden Polen der Kulturpolitik, will sie vermitteln und sie nicht gegeneinander ausspielen. Unter anderem will Jennicke auch den Austausch mit bisher fremden Kulturen forcieren und begreift dies als dringlichen Demokratieauftrag.

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CDU-Kandidat Vogt echauffierte sich erst, dass nur wenige Stadträte bisher Interesse an seiner Person gezeigt hatten und dass er aufgrund von "Geschlecht, Alter und Parteibuch" angeblich nicht geeignet sei. Der Historiker wies auf seine kulturpolitische Kompetenz hin, die auch bereits häufig von Parteien und Behörden in Anspruch genommen worden sei. Zudem schlug Vogt einen historischen Bogen bis zur italienischen Romantik und wollte Leipzig zur neuen “Sehnsuchtshauptstadt” der Kreativen machen.

Kurzvita von Skadi Jennicke

Dr. Skadi Jennicke (38) ist seit 2009 Mitglied des Leipziger Stadtrates, wo sie kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion ist. Sie studierte von 1996 bis 2000 Dramaturgie in Leipzig und promovierte 2009 in Halle. Sie arbeitete als Dramaturgin in Halle, Leipzig, Frankfurt/Main und Thüringen und als freie Mitarbeiterin beim DeutschlandRadio Kultur. Außerdem ist sie seit 2003 Lehrbeauftragte an der Hochschule für Musik und Theater (HMT) „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig. Seit 2009 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Linken-Landtagsabgeordneten Cornelia Falken. Jennicke ist verheiratet und hat drei Kinder.

Satirepolitiker Kumbernuß griff derweil die Kommune harsch an, warf den bisherigen Verantwortlichen vor, nur auf tote Künstler zu setzen, anstatt die jungen Bands der Messestadt ausreichend zu unterstützen. "Sie wissen ja nicht mal, was Grindcore ist", so Kumbernuß. Darüber hinaus kritisierte er erneut, dass Leipzig mit Richard Wagner einen ausgewiesenen Antisemiten unterstütze.

Erste Gratulanten waren am Mittwoch Jennickes Fraktionskollegen. "Die Entscheidung für eine junge, engagierte und kompetente Stadträtin ist gut und richtig für die Kultur unserer Stadt", sagte Fraktionsvorsitzender Sören Pellmann. Mitstreiter Adam Bednarsky ergänzte: "Wir freuen uns, dass eine versierte Fachfrau die hiesige Kulturlandschaft an exponierter Stelle künftig mitgestalten wird."

Matthias Puppe

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