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Kindeswohl

Jugendamt Leipzig braucht 15 Millionen Euro mehr für erzieherische Hilfen

Für Kinder, die von ihren Eltern vernachlässigt werden, springt das Jugendamt mit erzieherischen Hilfen ein. Die werden von Jahr zu Jahr teurer.

Für Kinder, die von ihren Eltern vernachlässigt werden, springt das Jugendamt mit erzieherischen Hilfen ein. Die werden von Jahr zu Jahr teurer.

Leipzig.Es ist fast schon wie ein Ritual: Kurz vor Jahresende braucht das Jugenddezernat einen kräftigen finanziellen Nachschlag für erzieherische Hilfen. 15,01 Millionen Euro sind es diesmal, die auf das geplante Budget von gut 100 Millionen Euro obendrauf kommen. Im nächsten Haushalt, der als Entwurf vorliegt. sind bereits 125 Millionen eingestellt. „Und die Befürchtung ist nicht unbegründet, dass diese Summe nicht ausreicht“, sagt CDU-Stadtrat Karsten Albrecht, der seit langer Zeit ein Controlling-System bei den Hilfen zur Erziehung fordert. Zumindest drei Stellen im Jugendamt sind nun besetzt, um sich um das Thema zu kümmern.

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Weniger Fälle, Probleme komplexer

Darum geht es: Der Allgemeine Sozialdienst (ASD) macht regelmäßig Hausbesuche, wenn es um vernachlässigte Kinder oder überforderte Eltern geht, prüft zudem Hinweise aus der Bevölkerung. Dann wird je nach Sachlage entschieden, ob Unterstützung notwendig ist. Das können sowohl ambulante Beratungen als auch die Unterbringung der Sprösslinge in einer Wohngruppe, einem Heim oder bei einer Pflegefamilie sein. Geplant wurde für das Jahr 2018 mit einer durchschnittlichen Zahl von 3298 Fällen. Die Zahl wurde zwar um 67 Fälle unterschritten – trotz wachsender Stadt mit Zuzug von Familien und Geburtenboom. „Wir haben weniger Fälle, dafür sind die komplizierter und auch kostspieliger“, sagt Nicolas Tsapos, Leiter des Amtes für Jugend, Familie und Bildung.

Höhere Kosten durch Tarifsteigerung bei Personal

Problemlagen werden immer komplexer und dadurch teurer – häufig spielt Drogenmissbrauch in der Familie eine Rolle, aber auch Sucht, psychische Erkrankungen, Gewalt. Ambulante Hilfen reichen oft nicht mehr aus, um das Kindeswohl zu sichern. So mussten 119 Kinder mehr als geplant stationär betreut werden. Diese Hilfen sind nötig, weil es immer mehr Familien nicht gelingt, ihre Kinder zu erziehen – Die Stadt muss dann einspringen, es handelt sich um eine vom Gesetzgeber vorgeschriebene Pflichtaufgabe.

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Ein Großteil der höheren Kosten werden mit Tarifsteigerungen begründet. „Der Fachkräftemangel ist groß. Freie Träger haben die Gehälter angepasst, weil sie ansonsten kein Personal mehr bekommen“, erklärt der Jugendamtschef, der den ASD gut aufgestellt sieht. Hinzu kommt: In diesem Jahr gab es mit 651 Pflegefamilien weniger als geplant (678). Auch die Steigerung von Mieten auf dem Leipziger Wohnungsmarkt wirkt sich aus – es wird zusehends schwieriger, überhaupt noch Wohnungen zu bekommen, in denen Jugendliche in Wohngruppen betreut werden können. Die Stadt muss zudem deutlich mehr Schulbegleiter bezahlen, um die Inklusion in Schulen zu fördern.

CDU: Flüchtlingsunterkünfte umnutzen

Ein Problem: Etwa 350 Kinder und Jugendliche müssen außerhalb Leipzigs untergebracht werden. Das verteuert die Betreuung. In vielen Fällen ist das aus pädagogischen Gründen zwar sinnvoll, oft fehlen der Stadt aber die Plätze. Im Etat 2017/18 hat sich die CDU schon für fünf Millionen Euro stark gemacht, um neue Plätze in Böhlitz-Ehrenberg zu errichten. „Diese Baumaßnahmen laufen jetzt. Die Plätze werden es ermöglichen, mehr Kinder in Leipzig unterzubringen. Damit kann der Kontakt zu den Eltern besser erhalten bleiben“, so Albrecht. Nun schwebt der CDU vor, die Zahl der Reserveplätze, die Leipzig für Flüchtlinge bereithält, zu halbieren. Dabei soll geprüft werden, ob die so frei werdenden Unterkünfte für Kinder und Jugendliche genutzt werden, die derzeit außerhalb der Stadt beherbergt werden. Ein entsprechender Antrag im Stadtrat ist gestellt.

Ans Controlling hat er einige Erwartungen: So soll eine Auswertung der Fallzahlen in den Sozialbezirken erfolgen. Die Zahlen der Inobhutnahmen sollen vergleichbar aufgelistet werden. Die CDU setzt seit langem auf die Stärkung von Familienhilfen und Familienberatung. „Diese Hilfen, die bei Kindern und Eltern sehr früh einsetzen können, sind Grundlage dafür, langfristige stationäre Betreuungsleistungen für Kindern zu vermeiden“, so der sozialpolitische Sprecher.

Von Mathias Orbeck

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