Bach gegen Bettler?

Klassische Musik vertreibt Punks vorm Leipziger Hauptbahnhof

An den Eingängen zum Leipziger Hauptbahnhof ist seit einigen Wochen klassische Musik zu hören. Seitdem sind dort Bettler und Punks verschwunden.

An den Eingängen zum Leipziger Hauptbahnhof ist seit einigen Wochen klassische Musik zu hören. Seitdem sind dort Bettler und Punks verschwunden.

Leipzig. Am Leipziger Hauptbahnhof sind die campierenden Punks und Bettler zum größten Teil verschwunden. Häufig saßen sie vor den Haupteingängen und tranken Bier, fragten Passanten nach Geld oder verrichteten ihr Geschäft an den Mauern des Gebäudes. Dafür haben sie sich nun offensichtlich andere Orte gesucht. Der mögliche Grund ist nicht zu überhören: Vor den Eingängen zur Ost- und Westhalle schallt seit einigen Wochen klassische Musik aus extra dafür angebrachten Boxen

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Mit Bach-Klängen Trinker und Wohnungslose zu vertreiben, sei keinesfalls die Absicht gewesen, versicherte am Freitag Centermanager Thomas Oehme. „Wir haben die klassische Musikeinspielung gewählt, weil wir das Ambiente der Musikstadt Leipzig unterstützen wollen. Zum Bachfest haben wir es zum ersten Mal getestet und es kam bei den Leuten sehr gut an, vor allem bei den Besuchern der Stadt“, so Oehme. „Es ist nicht unsere Intention, jemanden zu verjagen“, betonte er. Stattdessen habe man ein positives Zeichen setzen wollen. Fakt ist: Mit der Klassik-Beschallung sind auch der Müll und die strengen Gerüche zurückgegangen, die die Campierer dort häufig zum Ärger von Passanten hinterließen.

Klassische Musik am Hauptbhnhof

Leipzig, 07.07.17: An den Eingängen des Hauptbahnhofs läuft seit einiger Zeit Klassische Musik. Das hat dafür gesorgt dass dort die Punks verschwunden sind. Absicht sei das jedoch nicht gewesen, behauptet der Centermanager.

Anders sieht das Juliane Nagel. Die Stadträtin und Landtagsabgeordnete der Linken hat eine Anfrage im Stadtrat gestellt und will unter anderem wissen, warum die Beschallung genehmigt wurde und ob es zuletzt Probleme oder Konflikte am Hauptbahnhof gab. „Es entsteht der Eindruck, als wenn die Musikbeschallung die Vertreibung der Personen (TrinkerInnen, ggf. Wohnungslose etc.) intendiert und als ‚subtiles‘ ordnungspolitisches Mittel eingesetzt wird, wie es auch in anderen Städten Deutschlands immer wieder vorkommt“, meint Nagel. Sie führt Beispiele aus Hamburg und Berlin an. Auch dort werde an U-Bahnhöfen gegen Drogenkonsumenten vorgegangen. Der Stadtrat wird sich frühestens am 23. August mit dem Thema beschäftigen – nach Ende seiner zweimonatigen Sommerpause.

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LVZ

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