Nach Karstadt-Schließung

Laden-Leerstand in Leipzig so hoch wie in keiner anderen deutschen Metropole

Vor dem im Februar geschlossenen Karstadt-Warenhaus in der Petersstraße hat sich jetzt ein mobiler Eisstand mit Liegestühlen postiert.

Vor dem im Februar geschlossenen Karstadt-Warenhaus in der Petersstraße hat sich jetzt ein mobiler Eisstand mit Liegestühlen postiert.

Leipzig. Durch die Karstadt-Schließung im Februar 2019 hat Leipzig eine unrühmliche Spitzenposition übernommen. Unter den zehn wichtigsten Shoppingmetropolen Deutschlands gibt es zurzeit keine mit einem vergleichbar hohen Leerstand in der City, teilte der Immobilienvermittler JLL mit. "Von den analysierten 171 000 Quadratmetern Verkaufsfläche in Top-Lage sind aktuell fast 35 000 verfügbar", sagte Christin Soergel, die Leipziger Teamleiterin für den Bereich Einzelhandel. "Das sind umgerechnet gut 20 Prozent. Im Vorjahr lag der Wert noch halb so hoch."

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Mehr Verkaufsfläche nur in drei Städten

Dennoch müsse niemand Schwarzmalerei betreiben. „Leipzig ist und bleibt eine der beliebtesten Einkaufsstädte Deutschlands“, so Soergel. Düsseldorf, Frankfurt/Main, Köln, Stuttgart oder Nürnberg verfügten über weniger Verkaufsflächen in Top-Lage. In Hannover seien es etwa gleich viel, nur in Berlin, Hamburg und München deutlich mehr.

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22 von 218 Läden aktuell ungenutzt

Von den 218 Läden in der Leipziger City seien aktuell 22 verfügbar. Diese Quote von 10,1 Prozent liege unter dem Durchschnitt der zehn Metropolen, ergänzte Dirk Wichner, Chef der Einzelhandelsvermietung bei JLL Deutschland. "Der Bau der Höfe am Brühl war kein Fehler", sagte er. "Leipzig hat bei der City-Entwicklung alles richtig gemacht." Bundesweit gebe es kaum eine zweite Großstadt, in der alle Bereiche des Zentrums Kundschaft anziehen. "Meist beschränkt sich das auf eine oder zwei Straßen mit den großen Magneten." Demgegenüber hätten die hiesige Nikolai-, Katharinen- und Hainstraße durch die Höfe am Brühl einen Aufschwung genommen.

Letztes Jahr Rekord bei Vermietungen

Der Leerstand verteile sich ebenfalls recht gleichmäßig: So seien je fünf Objekte in der Grimmaischen und Petersstraße betroffen, in der Hainstraße vier. Unübersehbar nehme auch Leipzig den bundesweiten Trend zu mehr Gastronomie auf. Letztes Jahr wurden 20 800 Quadratmeter Einzelhandelsflächen in der City neu vermietet – ein Rekordwert! Normalerweise sind es etwa 11000 pro Jahr. Mittlerweile entfallen davon jeweils 23 Prozent auf die Sparten Textil, Gastronomie/Lebensmittel sowie Gesundheit/Beauty.

Aus für Buchhandlung am Thomaskirchhof

Beispiele für neue Gastronomieflächen sind das

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Bernstein Carré

am Brühl, das

Augustiner-Brauhaus am Markt

oder die Läden von Lindt und MyMueslie. Die seit 1937 bestehende „Buchhandlung an der Thomaskirche“ hat unlängst aufgegeben. Dort entsteht gerade noch ein Café. Im Herbst soll der Rewe im Merkurhaus an der Petersstraße öffnen.

In der Petersstraße 18 öffnet noch diesen Sommer ein Schuhgeschäft der Marke Ecco

In der Petersstraße 18 öffnet noch diesen Sommer ein Schuhgeschäft der Marke Ecco. Der bisherige Mieter – der Österreichische Schmuck-Hersteller Swarovski – zieht in den Handelshof an der Grimmaischen Straße um.

Für die Erweiterung des Petersbogens zum Burgplatz sei nicht nur ein großes Restaurant, sondern auch ein Frische-Markt mit Spezialitäten (ähnlich wie früher im Untergeschoss von Karstadt und Kaufhof) im Gespräch. Sorgen bereiten den Fachleuten nicht die kleineren Leerstandsflächen. So fanden gerade zwei Läden im leidgeprüften Messehof neue Nutzer, im Handelshof ziehen bald Swarovski und das edle H&M-Konzept COS (Collection of Style) ein.

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Vier Objekte mit größeren Leerständen

Viele Textil-Marken planten jedoch wegen der Internet-Konkurrenz nicht mehr so üppig. „Sie bringen nur noch ein Best of ihrer Produkte in den Store, verkaufen das Gesamtsortiment online“, sagte Wichner. Daher sei es schwieriger, große Leerstandsflächen zu vermieten. Diese gebe es auf der früheren Michael-Kors-Fläche in der Grimmaischen Straße, dem Zeppelin-Haus in der Nikolaistraße, im Petershof und eben im Ex-Karstadt. 21 000 Quadratmeter des aktuellen Leerstands entfielen auf diese Objekte. Karstadt mit ehedem mehr als 30 000 Quadratmetern wurde dabei nur mit 17 500 einberechnet. Grund: JLL erwarte, dass künftig nur noch die Etagen vom Untergeschoss bis zum ersten Stock – maximal bis zum zweiten Obergeschoss dem Einzelhandel dienen.

Von Jens Rometsch

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