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Interview

Demo-Organisatorin Anette Hofmann: „Oberbürgermeister Jung hat mich genauso befremdet wie die Antifa“

Anette Hofmann meldet seit Frühjahr 2022 immer wieder Demonstrationen in Leipzig an. Ihre Aufzüge wurden oft dafür kritisiert, nach rechts weit offen zu sein. Nun will Hofmann einen Neustart.

Anette Hofmann meldet seit Frühjahr 2022 immer wieder Demonstrationen in Leipzig an. Ihre Aufzüge wurden oft dafür kritisiert, nach rechts weit offen zu sein. Nun will Hofmann einen Neustart.

Leipzig. Anette Hofmann meldet seit mehr als zehn Monaten in der Leipziger Innenstadt Demonstrationen an: gegen die Corona-Maßnahmen, gegen Deutschlands Energiepolitik, gegen Waffenlieferungen in die Ukraine. Zuerst waren nach rechts offene Akteure als Mitorganisatoren an ihrer Seite, seit Anfang des Jahres sind die Demonstrationen dreigeteilt. Nun will Hofmann einen Neustart.

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„Es wurde dann jemand gesucht, der diese Demonstrationen anmeldet und das habe ich gemacht.“

Frau Hofmann, Sie melden seit April 2022 Demonstrationen in der Leipziger Innenstadt an. Warum?

Ich habe die Geschehnisse während der Corona-Zeit verfolgt. Ich dachte, ich muss jetzt auf die Straße, für eine freie Impfentscheidung. Anfangs bin ich montags ein paar Mal mit um den Ring gelaufen. Es wurde dann jemand gesucht, der diese Demonstrationen anmeldet und das habe ich gemacht. Später ist das Thema Impfen immer weiter in den Hintergrund gerückt, weil Frieden jetzt einfach oberste Priorität hat.

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Aber haben Sie bei diesen Themen nicht mal daran gedacht, dass Rechtsextreme auf Ihrer Demo auftauchen könnten?

Ich habe mir überlegt, dass es Leute oder Gruppen geben könnte, die so einen Aufzug für sich ausnutzen.

Demonstration auf dem Leipziger Ring an einem Montag im November 2022

Demonstration auf dem Leipziger Ring an einem Montag im November 2022

Und wie sind sie damit umgegangen?

Ich habe immer wieder gesagt, dass wir Extremismus jeder Art ablehnen.

Aber das hat offenbar nicht gereicht. Trotzdem sind gewaltbereite Neonazis bei Ihnen mitgelaufen, waren Fahnen der rechtsextremen „Freien Sachsen“ zu sehen.

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Einmal waren wir 2.000 Leute. Da hat mir die Polizei hinterher gesagt, es wären gewaltbereite Hooligans in meinem Aufzug gewesen. Ich selbst habe die nie gesehen – den Überblick haben sie nicht mehr.

Zu Ihren Protesten gab und gibt es regelmäßig Gegendemonstrationen. Können Sie das nicht auch verstehen, wenn Rechtsextreme in Ihrer Demo unterwegs sind?

Ich hab’ mich von Anfang an gewundert, was mit der Antifa los ist. Die riefen, wir seien alle Nazis und Faschisten. Ich war bis März 2022 ehrenamtlich im linken Zentrum in der Gießerstraße in Plagwitz aktiv. Ich hab’ dort im Umsonstladen geholfen und war auch auf den Plenen. Dort kam irgendwann zur Sprache, man müsse etwas gegen Querdenken tun. Da wusste ich gar nicht, was ich machen soll, ich war völlig zerrissen. Ich hing an meiner Ehrenamtstätigkeit und an den Leuten dort. Das ist aber ein Thema, was die Menschen einen sollte aus meiner Sicht: Für den Frieden auf die Straße zu gehen. Ich habe ewig auf einen Protest von links gewartet.

Sie waren montags lange zusammen mit anderen unterwegs, Akteuren der „Bewegung Leipzig“ zum Beispiel. Seit Anfang des Jahres ist der Protest dreigeteilt. Warum?

Wir haben unterschiedliche Vorstellungen über das Veranstaltungsformat.

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Was heißt das denn?

Ich möchte dazu nicht mehr sagen.

„Ich war von Oberbürgermeister Burkhard Jungs Rede bei „Leipzig leuchtet“ sehr erschrocken.“

Sie haben Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) öffentlich zum Dialog aufgefordert.

Ja, es gab aber keine Reaktion. Ich war auch von seiner Rede bei „Leipzig leuchtet“ sehr erschrocken. Er hat alle Montagsdemonstranten als Rechte bezeichnet. Damit hat er weiter polarisiert. Das war für mich genauso befremdend wie die Rufe der Antifa.

Was würden Sie Herrn Jung denn sagen, wenn Sie ihn sprechen könnten?

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Dass er uns wahrnimmt, als das, was wir sind. Als Menschen aus der Mitte der Gesellschaft. Wir haben große Übereinstimmungen mit den realpolitischen Aussagen des Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU).

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Wie wollen Sie künftig sicherstellen, dass Rechtsextreme Ihrer Demo fernbleiben?

Wir distanzieren uns von jeder extremistischen Gruppe, die gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung unseres Staates ist. Und wir distanzieren uns auch namentlich von den „Freien Sachsen“. Ich will mich mit der Verlegung unserer Veranstaltung vom Montag auf den Mittwoch aber keinesfalls von der Gesamtheit der Montagsdemonstranten distanzieren. Das würde ja bedeuten, sie pauschal als Rechtsextreme zu diffamieren und das wäre falsch.

LVZ

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