Liliensteinstraße

Nach Brandanschlag in Leipzig: Bündnis plant Demonstration am Montag

Ein Funkwagen der Polizei steht vor einer Unterkunft für Flüchtlinge. Das Gebäude ist in der Nacht mit Brandsätzen beworfen worden.

Ein Funkwagen der Polizei steht vor einer Unterkunft für Flüchtlinge. Das Gebäude ist in der Nacht mit Brandsätzen beworfen worden.

Leipzig. Auf die Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in der Leipziger Liliensteinstraße 15a im Stadtteil Lausen-Grünau ist in der Nacht zum Sonnabend ein Anschlag verübt worden. Unbekannte Täter haben um 23.17 Uhr Brandsätze gegen die Hauswand geworfen. Das Landeskriminalamt (LKA) sprach von Gegenständen, die gegen das Gebäude flogen und einen Brand auslösten. „Ein punktuelles Feuer wurde durch die Sicherheitsdienste festgestellt und gelöscht“, sagte LKA-Sprecher Tom Bernhardt. Um welche Gegenstände es sich gehandelt hat, wollte er nicht sagen. Das sei Täterwissen.

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Verstärkte Bewachung für Flüchtlingsheime

Der Vorfall endete mit einem leichten Schaden am Sockel des Plattenbaus. „Von den rund 180 Bewohnern aus verschiedenen Ländern wurde niemand verletzt“, so Bernhardt. In dem Heim können bis zu 225 Personen unterkommen.

Polizisten sichern die Leipziger Gemeinschaftsunterkunft.

Polizisten sichern die Leipziger Gemeinschaftsunterkunft.

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Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) verurteilte die Tat scharf. „Es ist ein Alarmzeichen, dass solch menschenverachtende Straftaten nicht der Vergangenheit angehören.“ Das Innenministerium habe für alle Asylunterkünfte in Sachsen die Bewachung verstärkt.

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Auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) reagierte empört. „Ausgerechnet in dieser Woche, in der wir an die Anschläge in Rostock vor 30 Jahren erinnern, einen Brandsatz auf eine Asylbewerber-Unterkunft zu werfen, zeigt, dass wir es hier nicht mit Spontantätern zu tun haben. Die Täter wollten bewusst ein menschenverachtendes Zeichen setzen. Demokraten können darauf nur mit Abscheu reagieren“, erklärte der SPD-Politiker am Sonntag gegenüber der dpa.

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Hintergründe noch unklar

Die Hintergründe des Übergriffs in Leipzig stehen nach Angaben des LKA noch nicht fest. Eine politische Tat könne nicht ausgeschlossen werden, sagte Sprecher Bernhardt. Im August 1992 hatten Anwohner und Neonazis unter dem Applaus Tausender Schaulustiger die Zentrale Aufnahmestelle für Asylsuchende und ein Wohnheim für vietnamesische Arbeiter in Rostock-Lichtenhagen angegriffen und teils in Brand gesetzt. Am Sonnabend demonstrierten in der Hansestadt zahlreiche Menschen gegen Rassismus. Bei einem Besuch vor Ort hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Donnerstag die Ereignisse vom August 1992 als eine Schande für Deutschland bezeichnet. Die Übergriffe waren aus Sicht Steinmeiers auch „eine Katastrophe mit Ansage“. „Die Ausschreitungen dieser Tage gediehen auf dem Boden einer teils hasserfüllten Debatte. Der Staat hätte gewarnt sein müssen.“

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Das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ ruft für Montag zu einer Demonstration auf. Man wolle darauf aufmerksam machen, dass in der Gesellschaft Alltagsrassismus gäre und zu viele Hass und Hetze zuließen, teilte Bündnissprecherin Irena Rudolph-Kokot mit.

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“Diese Gewalt vor dem Hintergrund der 30. Gedenkwoche von Rostock-Lichtenhagen zeigt deutlich auf: Hass auf Geflüchtete ist Alltag in Deutschland. Zum Glück wurde niemand verletzt und die Mitarbeiter vor Ort konnten das Feuer schnell löschen“, erklärte die Leipziger SPD-Bundestagsabgeordnete Nadja Sthamer.

Task Force des LKA ermittelt

Inzwischen hat die Task Force des Extremismus- und Terrorismus-Abwehrzentrums beim LKA die Ermittlungen wegen versuchter besonders schwerer Brandstiftung übernommen. Noch in der Nacht zu Sonnabend befragte die Leipziger Polizei Wachpersonal und Bewohner. Außerdem sicherten die Beamten Reste der Wurfgegenstände. Zudem werden jetzt Kameraaufnahmen gesichtet, so Bernhardt.

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Zeugen gesucht

Jetzt suchen die Beamten nach weiteren Zeugen. Die Ermittler interessieren neben Angaben zum konkreten Tatzeitraum auch Beobachtungen am Tag und Erkenntnisse aus dem Internet und den sozialen Medien.

Hinweise nimmt das LKA unter der Telefonnummer 0351/8552055 entgegen.

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