Erstaufnahme ab Donnerstag frei

Leipzig wird zur zentralen sächsischen Ukraine-Aufnahmestelle – Stadt setzt auf Zivilgesellschaft

Eine Mutter steht mit ihrem Kind am Gleis im Bahnhof von Przemysl in der Nähe des ukrainsch-polnischen Grenzübergangs.

Eine Mutter steht mit ihrem Kind am Gleis im Bahnhof von Przemysl in der Nähe des ukrainsch-polnischen Grenzübergangs.

Leipzig. Die Stadt Leipzig wird bei der Aufnahme von Geflüchteten aus den Kriegsgebieten offenbar eine Hauptrolle spielen. Wie Holm Felber, Sprecher der Landesdirektion Sachsen am Mittwoch gegenüber der LVZ erklärte, sollen alle Geflüchteten aus der Ukraine die im Freistaat ankommen und nicht schon selbst eine private Unterkunft organisieren konnten, in der Messestadt eine Übernachtungsmöglichkeit finden. Wer in Dresden oder Chemnitz ankommt, wird auch dort eine Nacht schlafen können. Am Folgetag soll es dann aber in Richtung Leipzig weitergehen, hieß es.

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Konkret werde dafür die Erstaufnahmeeinrichtung „Mockau III“ am Leipziger Graf-Zeppelin-Ring bis zum Donnerstag komplett leergezogen und vorbereitet. Dann stünden dort laut Felber 550 Unterbringungsplätzte bereit, die nach Bedarf auch noch erweitert werden könnten. „Wir versprechen uns durch die Konzentration von Betroffenen aus einer Region in einer Stadt auch gewisse Synergieeffekte“, so der Behördensprecher.

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Neben der Erstaufnahmeeinrichtung in Mockau gibt es in Leipzig auch noch eine zweite in der Max-Liebermann-Straße (Stadtteil Möckern). Diese sei aktuell mit etwa 500 Asylbewerberinnen und Asylbewerbern zu etwa Dreiviertel ausgelastet. Am Donnerstag kommen dann noch etwa 150 Menschen dazu, die bisher am Zeppelin-Ring auf die Annahme ihres Asylantrages warteten.

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Geflüchtete können sich 90 Tage visumsfrei bewegen

Geflüchtete aus der Ukraine müssen diesen Antrag nicht stellen. Laut Schutzrichtline der Europäischen Union erhalten sie einen temporären Aufenthaltsstatus – mit dem sie sich beispielsweise in der Bundesrepublik dann auch ohne Visums bis zu 90 Tage frei bewegen und somit auch zeitnah in andere Unterkünfte als die Erstaufnahmen ziehen können.

Wie viele Betroffene das Angebot in Anspruch nehmen werden, ist bisher noch unklar. Hunderttausende haben zumindest in der Ukraine ihre Heimat aus Angst vor den anrückenden russischen Truppen verlassen und sind auf dem Weg in die Europäische Union. Viele haben dort Verwandte. Bisher kommen auch noch vergleichsweise wenige Menschen durch die Grenzkontrollen – und finden dann mit privater Initiative ihren Weg mitunter auch schon nach Leipzig. Beobachter vor Ort rechnen damit, dass sich die Zahl der Geflüchteten noch deutlich steigern wird. Schon jetzt sind viele Zufahrtsstraßen in Polen und der Slowakei überfüllt, ebenso die Züge in Richtung Westen.

Leipzig will privates Engagement unbürokratisch unterstützen

Seit Montag sitzen in der Stadtverwaltung Vertreter verschiedener Ämter unter dem Vorsitz von Verwaltungsbürgermeister Ulrich Hörning (SPD) zusammen, um die kommunale Hilfe zu koordinieren. Viel von den Planungen durchgedrungen ist bisher noch nicht. Klar scheint, angesichts der großen Bereitschaft in der Bevölkerung sieht sich die sächsische Partnerin der ukrainischen Hauptstadt Kyiv vor allem als Vermittlerin. „Die Stadt Leipzig setzt auf die zivilgesellschaftliche Hilfe und wird diese unterstützen“, so Stadtsprecher Matthias Hasberg am Mittwoch.

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Deshalb würden auch keine eigenen Wohnungsbörsen für Ankommende aufgebaut oder auf kommunalen Wegen Sachspenden gesammelt. Stattdessen sollen sich privat Engagierte, aber auch Hilfsorganisationen bei der Stadtverwaltung unbürokratisch Unterstützung holen können – auch finanzielle. Wie es zuletzt hieß, bereite die Verwaltung dazu eine Vorlage für die Ratsversammlung vor.

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Leipziger Webseite soll Informationen bündeln

Als erste Landmarke der Leipziger Hilfsstrategie wurde am Mittwoch die Webseite www.leipzig.de/ukraine-hilfe ins Netz gestellt. Hier wird Ankommenden unter anderem beschrieben, was sie zu beachten haben, wohin sie sich in Leipzig wenden können, wo ihnen bei Fragen weitergeholfen wird. Nach Anmeldung in einem Bürgerbüro steht beispielsweise das Willkommenszentrum Leipzig mit Beratungen in mehreren Sprachen bereit.

Auf dem Portal gibt es auch erste Informationen zur konkreten Unterstützung. So bieten die Leipziger Verkehrsbetriebe den Geflüchteten aus der Ukraine kostenlosen Transport durch die Metropole an. Ähnliches war am Mittwoch auch vom Mitteldeutschen Verkehrsverbund (MDV) zu hören. „Flüchtende aus der Ukraine können kostenfrei S-Bahnen, Züge, Straßenbahnen und Busse im gesamten MDV-Gebiet sowie die S-Bahnen und Züge im MDV-Nordgebiet nutzen und müssen dafür lediglich ein Ausweisdokument vorzeigen. Die Regelung gilt bis auf Weiteres“, so Sprecherin Juliane Vettermann.

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Von Matthias Puppe

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