Prozess

Leipziger Kinderzimmer-Dealer gesteht: Shiny Flakes war "Schnapsidee"

Der als „Kinderzimmer-Dealer“ bekanntgewordene Betreiber einer Internet-Drogenbörse hat ein Geständnis abgelegt.

Der als „Kinderzimmer-Dealer“ bekanntgewordene Betreiber einer Internet-Drogenbörse hat ein Geständnis abgelegt.

Leipzig. Der sogenannte Kinderzimmer-Dealer sitzt mit knallroten Ohren auf der Anklagebank im Landgericht Leipzig und legt ein Geständnis ab. Ja, er habe die Internet-Drogenplattform „Shiny Flakes“ aufgezogen, erklärt der 20-Jährige am Montag. Rund 600 Kilo Drogen aller Art habe er verkauft, gut 300 Kilo habe er bei seiner Festnahme in diesem Februar noch „auf Lager gehabt“ - in seinem Kinderzimmer.

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„Im Grunde war es eine Schnapsidee“, sagt der junge Mann. Sonderlich schuldbewusst wirkt er nicht. Es ist wohl eher die Aufregung, die ihm die Röte in die Ohren und auf die Wangen treibt. „Meinem Mandanten ging es nie darum, viel Geld zu verdienen“, erklärt sein Anwalt. Er habe einfach ein starkes Interesse an Computern und am Internet gezeigt - und sei schließlich im nicht frei zugänglichen Darkweb auf die Idee mit dem Drogenhandel gekommen.

„Shiny Flakes“ sei für den 20-Jährigen ein „Projekt“ gewesen, es sollte besser und schneller sein als andere Drogen-Börsen. „Für meinen Mandanten war es schlichtweg egal, ob er Drogen verkauft hätte - oder Schuhe.“ Der 20-Jährige erzählt geschäftsmäßig über seinen Alltag als Großdealer. 16 Stunden am Tag habe er „gearbeitet“. Zeit für echte Freunde blieb nicht. „Am Ende gab es keinen Tagesablauf mehr. Es waren mal zwei Stunden Schlaf hier, mal zwei Stunden Schlaf da“, sagt er. Die Drogen - alles außer Heroin - habe er von verschiedenen Lieferanten bezogen.

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In seinem Leipziger Kinderzimmer verpackte er die Ware in Briefe und Päckchen und verschickte sie an Kunden in ganz Deutschland. Das wuchs ihm über den Kopf - die Polizei kam ihm laut Anklage auf die Schliche, nachdem falsch adressierte Drogenpäckchen entdeckt worden waren.

Warum er letztlich auf Drogen als Handelsware kam, erklärt der 20-Jährige nicht so recht. Natürlich hätte er mit seinen selbst angeeigneten Computerfähigkeiten auch was Legales anfangen können, antwortet er auf die Frage einer Richterin. Aber egal, ob legal oder illegal - man brauche halt eine gute Idee. Und jenseits der Rechtmäßigkeit war eben der Drogenhandel für ihn eine ein interessantes „Projekt“.

Rund vier Millionen Euro erlöste er nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft. Für den weiteren Lebensweg des „Kinderzimmer-Dealers“ wird viel davon abhängen, ob er vor Gericht nach dem Erwachsenen- oder Jugendstrafrecht zur Verantwortung gezogen wird. Darüber haben alle Beteiligten schon ein Rechtsgespräch geführt. Der Vorsitzende Richter Norbert Göbel sagte, er könnte sich bei einem Geständnis und einem Vorgehen nach Jugendstrafrecht eine Strafe „über sieben Jahre“ vorstellen. Der Prozess wird am 9. Oktober fortgesetzt.

Birgit Zimmermann, dpa

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