Erneuerung des Geläuts

Leipziger Nikolaikirche – drei Glocken gehoben, fünf gegossen

Die Glocken der Nikolaikirche in Leipzig werden aus dem Glockenturm gehoben. Ronny Möllenbruck dirigiert den Kranfahrer.

Die Glocken der Nikolaikirche in Leipzig werden aus dem Glockenturm gehoben. Ronny Möllenbruck dirigiert den Kranfahrer.

Leipzig. Aus der Leipziger Nikolaikirche ist am Freitagmorgen das dreistimmige Geläut gehoben worden. „Die drei Glocken sind rissfrei und damit ohne Schaden nach unten gekommen“, zeigte sich Roy Kreß, Glockenbeauftragter für Leipzig beim Evangelisch-Lutherischen Kirchenbezirk Leipzig, erleichtert. Der größte, 2,3 Tonnen schwere Klangkörper habe mit einem Durchmesser von knapp 1,60 Meter gerade so durch das Schallfenster gepasst. Bis zum 9. Oktober, dem 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution, bleibt die Nikolaikirche nun stumm. Dann wird das neue achtstimmige Super-Geläut erstmals erklingen.

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Nikolaiglocken schweben über der Messestadt

Leipzig, 05.04.2019: Fliegende Glocken über Leipzig. Ein großes Spektakel am Freitagmorgen an der Leipziger Nikolaikirche. Für rund ein halbes Jahr kehrt im Gotteshaus absolute Stille ein.

Zwischenstation in Nordbaden

Zwei Glocken würden nun in die Glockengießerei Bachert nach Neunkirchen in Nordbaden gebracht, teilte Nikolaipfarrer Bernhard Stief mit. Dort werde der Zusammenklang mit den neuen Glocken geprüft, denn fünf bronzene Klangkörper des künftigen Geläuts von St. Nikolai sind am Freitagnachmittag bei Bachert gegossen worden. „Wie schon bei der Osanna vor drei Wochen ist auch dieser Guss traumhaft gut gelaufen“, freuten sich die Mitarbeiter der Gießerei nach getaner Arbeit, die traditionell am Freitagnachmittag ab 15 Uhr stattfindet – in Erinnerung an die Sterbestunde Jesu.

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Am 15. März war bei Bachert bereits die große Festtagsglocke Osanna hergestellt worden. Auch sie befindet sich derzeit noch in Neunkirchen, wird in den nächsten Tagen poliert, gesäubert, erstmals angeschlagen und dann von Glockensachverständigen abgenommen. Insgesamt sollen künftig acht Glocken in den Türmen der Nikolaikirche schwingen: die beiden jetzt aus dem Nordturm gehobenen, die aus dem Jahr 1964 stammen, sowie die sechs neuen Instrumente.

Kleinste Glocke lagert zunächst im Erzgebirge

Die dritte und kleinste Glocke, die am Freitag gehoben wurde, wird zunächst in einem kirchlichen Depot in Annaberg-Buchholz (Erzgebirgskreis) verwahrt. Der Kirchenbezirk Leipzig sucht laut Kreß nach einem neuen Gotteshaus für sie. „Sie soll auf jeden Fall wieder gottesdienstlich genutzt werden. Wo genau sie künftig als Leihgabe der Nikolaigemeinde zum Einsatz kommt, ist noch offen“, sagte er. Denkbar sei beispielsweise die Leipziger Heilandskirche. „Vielleicht wandert die Glocke aber auch in einen anderen Kirchenbezirk der Sächsischen Landeskirche.“

Geläut wird am 29. Juni geweiht

Die Nikolaikirche hat als Ausgangsort für die Montagsdemonstrationen von 1989 große politische Bedeutung. Ihr neues Geläut wird am 29. Juni auf dem Nikolaikirchhof geweiht. Die Festtagsglocke Osanna, vermutlich 6,5 bis sieben Tonnen schwer, soll bereits am 30. Juni in den Südturm gehoben werden. Die übrigen Klangkörper folgen nach und nach. Das Glockenprojekt, das auch die Sanierung beziehungsweise den Neubau der Glockenstühle im Nord- und Südturm beinhaltet, kostet rund 700.000 Euro. Die Gemeinde hat dafür Spenden gesammelt, erhält zudem Fördermittel von der Landeskirche und finanzielle Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.

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Von Theresa Held und Dominic Welters

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