Todessprung

Leipziger Polizei wurde von der Masse der Schaulustigen überrascht

Die Polizei musste am Donnerstag den Willy-Brandt-Platz räumen, um Platz für Rettungskräfte zu schaffen.

Die Polizei musste am Donnerstag den Willy-Brandt-Platz räumen, um Platz für Rettungskräfte zu schaffen.

Leipzig. Hunderte Menschen wurden am Donnerstag Zeuge, wie ein 28-Jähriger vom Dach des Seaside-Park-Hotels gesprungen ist. Bis zu 300 Personen sammelten sich an. Passanten waren darunter und andere, die über einen längeren Zeitraum das Geschehen mit dem Handy fotografierten und filmten. „Mir ist kein vergleichbarer Fall mit so eine Menschenmenge bekannt“, sagte Polizeisprecher Alexander Bertram auf Anfrage von LVZ.de

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Mit diesem Auflauf hatten die Beamten nicht gerechnet, so Bertram. Um Platz für Rettungskräfte zu schaffen und die Gefahrenzone zu Räumen – der Mann hatte zunächst auch Dachziegel hinunter geworfen – wurden Bereitschafts- und Bundespolizei angefordert. Die Räumung habe funktioniert und gegen Schaulustige an sich habe die Polizei keine Handhabe: "Man kann niemandem verbieten, irgendwo hinzusehen", heißt es am Freitag aus der Polizeidirektion. Entscheidend für die Beamten: Rettungskräfte seien letztlich nicht behindert worden. Ein Sprungkissen sei nicht aufgestellt worden, weil der 28-Jährige dauernd seine Position verändert habe. Wie der Mann überhaupt auf das Dach gelangen konnte, ist noch unklar. "Die Ermittlungen dauern an", so Bertram.

Für die Beamten war die Situation mit so vielen Zuschauern vor allem der zentralen Lage des Platzes gegenüber vom Hauptbahnhof geschuldet. Man gehe nicht davon aus, dass sich so eine Ansammlung an anderer Stelle in der Stadt wiederholen werde.

Betroffene, die unter einer akuten Krise leiden und Suizidgedanken haben, können Hilfe beim Infotelefon Depression (der Stiftung Deutsche Depressionshilfe in Kooperation mit der Deutsche Bahn-Stiftung) erhalten. Tel: 0800 3344533 (kostenfrei) Sprechzeiten: Mo, Di, Do: 13.00-17.00 Uhr, Mi, Fr: 08.30-12.30 Uhr

Hilfe erhalten bwetroffene außerdem beim Leipziger Krisentelefon unter (0341) 99 99 00 00 erhalten. Am Wochenende und an Feiertagen stehen Ansprechpartner 24 Stunden bereit, unter der Woche abends und nachts zwischen 19 und 7 Uhr. Außerhalb dieser Sprechzeiten steht auch die bundesweite Telefonseelsorge bereit unter 0800 111 0 111  und 0800 111 0 222. Beide Rufnummern sind gebührenfrei.

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Neugier und Berichterstattung

Im Internet kursierten bald Fotos und Videos von dem Vorfall. Auch die Facebook-Nutzer von LVZ.de diskutierten, wie weit Schaulust gehen darf. Stehenbleiben und Schauen sei zunächst natürliche Neugier, erklärte Ulrich Hegerl, Direktor der Leipziger Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Interview mit LVZ.de. Die Behinderung von Rettungskräften oder das Anfeuern eines Suizidgefährdeten seien schlimme Auswüchse.

Die Berichterstattung in einem solchen Fall ist auch für die LVZ eine Frage, die immer neu bewertet werden muss. „Über Suizide schreiben wir in der Regel gar nicht oder sehr zurückhaltend, das gebietet auch der Pressekodex. Wir haben uns in diesem Fall aber entschieden, darüber zu berichten. Vor allem, weil viele Leipziger als Passanten davon betroffen waren, ob sie wollten oder nicht. Die tragische Wende macht uns auch in der Redaktion betroffen. Aber wir wollten unseren Lesern erklären, was vorgefallen ist, weil öffentliches Interesse bestand“, sagte LVZ-Vizechefredakteur André Böhmer.

Von lyn

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