Ehepaar hilft den Landsleuten

Leipziger Restaurant Kiew wird zum Anker für geflüchtete Ukrainer

Anlaufpunkt für Geflüchtete aus ihrer Heimat: Die Ukrainer Oleksandr Babkin und Olesya Babkina vor dem „Kiew“.

Anlaufpunkt für Geflüchtete aus ihrer Heimat: Die Ukrainer Oleksandr Babkin und Olesya Babkina vor dem „Kiew“.

Leipzig. Die Nacht war wieder kurz. „Ich mache noch einen Espresso“, sagt Oleksandr Babkin, während seine Frau den nächsten Anruf annimmt. Es sind Tage der Sorge und der Atemlosigkeit, aber auch Tage der Entschlossenheit. Seit Russland den Krieg in die Ukraine gebracht hat, fungieren Olesya Babkina und ihr Mann als Helfer für ihre flüchtenden und geflüchteten Landsleute.

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Ihr kleines, seit dem letzten Lockdown noch geschlossenes Restaurant in Leipzig-Plagwitz ist zur wichtigen Schaltstelle geworden. Der Name – Kiew – steht wie ein Leipziger Symbol für den trotzigen Widerstand, den die ukrainische Hauptstadt gerade leistet.

Wie so viele Menschen, die aus der Ukraine stammen und in Leipzig leben, treibt auch Oleksandr und Olesya die große Sorge um ihre Verwandtschaft um, die in der Heimat geblieben ist. „Wir telefonieren oder schreiben jeden Tag mit ihnen“, sagt Oleksandr, „wenn wir sie lange nicht erreichen, ist das schwer auszuhalten.“ Auch aus dieser Erfahrung heraus ist es den beiden ein Bedürfnis, denen Informationen und Unterstützung zu bieten, die sie dringend brauchen.

Ansprechpartnerin geworden

„Wir kooperieren eng mit der ukrainischen Gemeinde in Leipzig und teilen die Aufgaben auf“, sagt Olesya. Sie ist zur Ansprechpartnerin geworden, wenn es um die Vermittlung von Wohnraum und um Behördengänge geht. „Der Andrang bei den Ämtern und der Erstaufnahmestelle ist groß, und eine Registrierung in der Ausländerbehörde kann dauern“, weiß sie. Fraglich ist noch, welchen Status die Geflüchteten hier bekommen werden.

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„In ihrer unsicheren Lage brauchen die Leute ein Gefühl von Sicherheit und Orientierung. Wir versuchen, ihnen das zu geben.“ Durch ein schnell aufgebautes Netzwerk kann Babkina die Unterbringung in Wohnungen ermöglichen. Auf baldige Sicht hofft sie auf weitere Unterstützung von Staat und Kommune durch Status-Klärung und schnelle Aufenthaltsgenehmigung. „Es wäre wunderbar, wenn die Stadt eine eigenständige Beratungsstelle einrichten könnte“, sagt Olesya, „das entlastet Privat-Initiativen wie unsere und baut Ängste bei den Geflüchteten ab.“

Eine Wohnungsbörse hilft

"Es helfen auch viele Deutsche mit und erklären sich bereit, das ist wirklich überwältigend", betont Babkin. Zu den vielen Projekten gehört eine Art Wohnungsbörse auf dem Portal linxxnet.de. Der Kiew Express in der Gießerstraße selbst organisiert auch das Sammeln von Medikamenten, Kleidung und Lebensmitteln für Hilfstransporte Richtung Ukraine. Und ständig kommen neue Anfragen und Angebote. "Natürlich ist das anstrengend", sagt Olesya Babkina, "aber es liegt uns am Herzen, und außerdem lenkt es uns ab."

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Wenn sie morgens aufwacht, kann sie es noch immer nicht fassen, dass die Realität kein schlechter Traum ist und die Sorgen nicht enden. Immerhin hat Oleksandr inzwischen seinen Sohn erreicht. „Er ist jetzt in den Karpaten und versteckt sich in den Bergen“, sagt er. Ob und wann die Familie zu den beiden, die seit 2002 in Leipzig leben, nachkommt? „Das ist ungewiss“, sagt sie. „Die Straßen Richtung Polen sind inzwischen so verstopft, dass es erst einmal keinen Sinn hat.“ Dann klingelt wieder das Telefon. Olesya Babkina spricht kraftvoll, entschlossen. Mit einer Energie, die sich aus Stärke und Verzweiflung speist.

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Von Mark Daniel

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