Amerikanistik-Professor gestorben

Leipziger Universität trauert um Crister Garrett (56)

Professor Crister Garrett in Leipzig.

Professor Crister Garrett in Leipzig.

Leipzig. Die Leipziger Universität trauert um den langjährigen Direktor des Instituts für Amerikanistik, Professor Dr. Crister Garrett. Der weit über die Messestadt hinaus bekannte und geschätzte Professor für amerikanische Kultur und Geschichte erlag im Alter von 56 Jahren am Mittwochabend im Beisein seiner Familie einem Krebsleiden. Seine Frau Claudia und seine beiden Töchter waren bis zuletzt bei ihm. „Wir werden ihn so sehr vermissen“, sagte die Witwe der LVZ.

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Universität tief betroffen - Rektorin Schücking: Verlieren viel zu früh einen unserer beliebtesten und bekanntesten Professoren

„Die Universität ist tief betroffen“, sagte deren Rektorin Professor Dr. Beate Schücking. „Wir verlieren mit Crister Garrett viel zu früh einen unserer beliebtesten und öffentlich bekanntesten Professoren. Ich persönlich habe ihn außerordentlich geschätzt, sowohl seine fachlichen als auch seine menschlichen Qualitäten. Mein Mitgefühl gilt seiner Familie, insbesondere seiner Frau und seinen Töchtern“, so die Rektorin. Die Universität Leipzig verdanke Professor Garrett eine Menge, „er war in vielfacher Hinsicht unser Botschafter, der unermüdlich warb für Völkerfreundschaft und gegenseitiges Verständnis auf beiden Seiten des Atlantiks, was heute wichtiger ist denn je. Wir werden ihn sehr vermissen!“

Auch US-Generalkonsul Timothy Eydelnant trauert: Crister war ein warmherziger Mensch und brillanter Kopf

Auch der Leipziger US-Generalkonsul Timothy Eydelnant bekundete gegenüber der LVZ, dass der Tod von Crister Garrett ihn und seine Kollegen tief getroffen habe. „Crister war ein warmherziger Mensch, ein brillanter Kopf und ein enger Verbündeter im Einsatz für ein starkes transatlantisches Verhältnis. Er hinterlässt eine große Lücke. Wir sind in Gedanken bei seiner Familie und wünschen ihr viel Kraft für diese schwierige Zeit.“

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Crister Garrett  und US-Generalkonsul  Scott Riedmann (hinten r) auf der Wahlparty zur Präsidentschaftswahl in den USA im Marriott Hotel in Leip

Crister Garrett und US-Generalkonsul Scott Riedmann (hinten r.) auf der Wahlparty zur Präsidentschaftswahl in den USA im Marriott Hotel in Leipzig 2016.

Garrett kam 2003 als Professor nach Leipzig

Mit 41 kam der in New York geborene Crister Garrett 2003 von der US-Universität Wisconsin zunächst als Gastprofessor für internationale und europäische Studien an die Leipziger Alma mater. „Eine tolle Lehrstuhlbesetzung“, schwärmte schon der damalige Generalkonsul der USA in Leipzig, Fletcher M. Burton, und freute sich, dass Garrett sich stark einsetzte für die Verbesserung der transatlantischen Beziehungen. Schon seine Antrittsvorlesung am 11. Dezember 2003 beschäftigte sich mit diesem Thema.

Ehefrau in Leipzig kennen gelernt

Sieben Jahre zuvor, als er schon einmal für ein Jahr als Dozent an der Leipziger Uni arbeitete, lernte er nicht nur die Hochschule, sondern auch seine Frau Claudia kennen, die Kommunikationswissenschaften studierte. Mit der Leipzigerin hat er zwei Töchter, die zweisprachig aufgewachsen sind; mit der Mutter haben sie deutsch gesprochen, mit dem Vater englisch. Am Gymnasium lernen beide noch die französische Sprache.

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Mutter Schwedin, Vater Amerikaner

Garretts Mutter zog 1959 aus Schweden in die USA, sein Vater stammt aus Colorado. Crister Garrett studierte an der Kalifornien-Universität in Los Angeles Politikwissenschaften und Geschichte und lebte danach in verschiedenen Teilen Europas, unter anderem in Schweden, Frankreich und Belgien.

American Space Leipzig vorangetrieben

Garrett hat viel erreicht in der deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit. Davon zeugt nicht zuletzt der American Space Leipzig, ein Gemeinschaftsprojekt von US-Botschaft, US-Generalkonsulat und der Universität, das er wesentlich vorangetrieben hat. Das am 3. Dezember 2013 eröffnete Zentrum für den deutsch-amerikanischen Dialog auf lokaler Ebene ist das einzige dieser Art in Mitteldeutschland.

US-Generalkonsulat und Universität eröffnen  feierlich das  „American Space Leipzig " in der Uni-Bibliothek Albertina in Leipzigvl,

US-Generalkonsulat und Universität eröffnen feierlich das „American Space Leipzig " in der Uni-Bibliothek Albertina in Leipzig.v.l,. Prof. Crister Garrett , Prof. Ulrich Johannes Schneider , US-Botschafter John B. Emerson mit seiner Frau Kimberly Marteau Emerson , Prof. Beate Schücking und Teta M. Moehs bei der Eröffnung.

Garrett war zudem in Sachsen und deutschlandweit ein überaus gefragter kompetenter Gesprächspartner, ob es um die Wahlen in den USA, außenpolitische Konfliktlagen oder transatlantische Fragen ging. Er hat mit seinem umfänglichen Wissen und seiner Art, komplizierteste Zusammenhänge verständlich zu erklären, unzählige Podiumsdiskussionen und Gesprächsforen bereichert.

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Gefragter Interviewpartner bei LVZ, Deutschlandfunk, ARD und anderen Medien

Garrett gab nicht nur der Leipziger Volkszeitung zahlreiche Interviews, sondern auch dem MDR, dem Deutschlandfunk, der Tagesschau, dem Tagessspiegel und vielen anderen. Im November 2018 erläuterte er als Experte in den Medien das Ergebnis der Zwischenwahlen in den USA. Während des Literarischen Herbstes 2018 sprach er in Leipzig auf einem Podium über die Städtepartnerschaft mit Houston. Noch am 26. Januar gab er dem Deutschlandfunk ein Interview, in dem er die Politik von US-Präsident Donald Trump analysierte. „Professor Garrett war einer der gefragtesten Experten der Universität. Er stand immer als Gesprächspartner zur Verfügung, wenn er es irgendwie einrichten konnte“, sagt auch der Pressesprecher der Leipziger Universität, Carsten Heckmann.

Trauer auch an der Fakultät

„Wir trauern um Herrn Professor Dr. Crister Garrett“ heißt es auf der Homepage der Philologischen Fakultät: „Herr Garrett war Prodekan unserer Fakultät und hat maßgeblich an der Gestaltung der Philologischen Fakultät mitgewirkt. Sein Optimismus, seine Tatkraft und nicht zuletzt sein freundliches und fröhliches Wesen machten ihn zu einem an der ganzen Fakultät geachteten und beliebten Kollegen“, schreiben Dekan, Professor Beat Siebenhaar, und viele Kollegen.

Von Anita Kecke

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