Vor den Haushaltsberatungen im Rathaus

Leipzigs Freie Szene startet Kampagne „Kulturstark“

Protest und Pressekonferenz vor der Stadtratssitzung im Neuen Rathaus –  v.l. Falk Elstermann, Sebastian Weber und Anja Christin Winkler, umrahmt von den Musikern der Jazzaktivisten.

Protest und Pressekonferenz vor der Stadtratssitzung im Neuen Rathaus – v.l. Falk Elstermann, Sebastian Weber und Anja Christin Winkler, umrahmt von den Musikern der Jazzaktivisten.

Leipzig. Die Idee, eine Pressekonferenz vor der Tür der Entscheidungsträger einzuberufen, ist ziemlich clever – Medienleute und Politiker waren eh vor Ort. Zu Beginn der Haushaltsverhandlungen ab Mittwochmittag im Neuen Rathaus hat als Erstes Leipzigs Freie Szene auf den Tisch gehauen; in der Wandelhalle stellten Vertreter der Initiative Leipzig Plus Kultur die neue Kampagne „Kulturstark“ vor, die vor allem das Ziel verfolgt, nicht nur ideell, sondern auch finanziell mehr geschätzt zu werden.

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Anja Christin Winkler, Falk Elstermann und Sebastian Weber wechselten sich ab, um in Zahlen und Einschätzungen darzulegen, dass es in der freien Kultur nicht wie bisher weitergehen kann. Sie verweisen darauf, dass 50 Prozent des Kulturgeschehens in der prosperierenden Stadt auf ihr Kreativ-Konto gehen, aber nur 4 Prozent der Kulturförderung aufs monetäre überwiesen werden. „Die Lage ist vergleichbar mit einem Porsche, der von Einbahnstraßen umgeben ist“, beschreibt es Tänzer Weber. naTo-Chef Elstermann illustriert die Lage anhand einer Rechnung: 2017 erhielten freie Künstler demnach einen Stundenlohn von durchschnittlich 5 Euro, also klar unter dem gesetzlichen Mindestlohn. Zwischen professioneller künstlerischer Leistung der Szene und Förderetat „liegt eine empörende Gerechtigkeitslücke“, betont Weber. Der Tänzer verweist darauf, dass zahlreiche Protagonisten zum Beispiel in der darstellenden Kunst an der Armutsgrenze leben und sich mit Nebenjobs über Wasser halten müssen. „Viele arbeiten unter prekärsten Verhältnissen.“ Ginge das so weiter, werde Leipzig immer mehr Künstler verlieren und der Standortfaktor Kultur heftig geschwächt. „Viele gute Projekte können nicht umgesetzt werden, weil das Geld fehlt“, sagt auch Anja-Christin Winkler, Sprecherin der Musiksparte.

Die Projektkostenzuschüsse für die Soziokulturzentren werden von den Betriebskosten aufgefressen, so die Initiative. Sie fordert eine deutliche Anhebung der Förderung. Wenn bundesweit geltende Standards erreicht werden sollten, ergebe sich ein Bedarf von 14,8 Millionen Euro städtischer Förderung. „Die Freie Szene muss jetzt mit einem Aufwuchs von mindestens 3,6 Millionen Euro nachhaltig gestärkt werden“, heißt es im Papier zur Kampagne „Kulturstark“. Die aktuelle kommunale Förderung für die Freien liegt bei 5,9, städtische Kultur-Eigenbetriebe erhalten fast 100 Millionen.

Zu den weiteren Forderungen gehört, angesichts der Verdrängung von Gentrifizierung Räume für die Szene bezahlbar zu halten. Ein Anliegen, das auch die Interessengemeinschaft LiveKommbinat verfolgt. Als Vertreter der Livemusikspielstätten hatte sie vor drei Wochen eine neue Petition gestartet, um Freiräume und Clubkultur in Leipzig zu schützen. Die gesammelten 5500 Unterschriften stehen unter anderem unter der Forderung, das durch Bürgerbeteiligung entstandene Bebauungskonzept für den ehemaligen Freiladebahnhof Eutritzsch umzusetzen – und damit den Club So&So zu sichern. Die Petition wurde am Mittwoch vor der Stadtratssitzung übergeben.

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Übrigens: Auf die Idee zur Pressekonferenz der Freien Szene reagierten Bündnis 90/Die Grünen am schnellsten. Kaum hatten die „Kulturstark“-Vertreter die letzten Sätze gesprochen, verteilte die Kulturausschuss-Vorsitzende Annette Körner auch schon ein Statement. Darin unterstützen sie und ihre Fraktion die Ziele der Initiative.

Infos auf www.leipzigpluskultur.de

Von Mark Daniel

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