Zusammenbruch am Hauptbahnhof

Leipzigs Kerzenmann ist tot

So kannten ihn die Leipziger: Achim von Almrich bei der Beisetzung des früheren Markkleeberger Oberbürgermeisters Bernd Klose im April 2016.

So kannten ihn die Leipziger: Achim von Almrich bei der Beisetzung des früheren Markkleeberger Oberbürgermeisters Bernd Klose im April 2016.

Leipzig. Er war stadtbekannt, in ganz Europa auf der Jagd nach den Autogrammen prominenter Zeitgenossen und ein Freund von Kerzen und Rosen: Achim von Almrich, den viele Leipziger nur Kerzenmann nannten, ist tot. Nach Auskunft seiner Tochter Heike Brembach starb Achim Ernst Brembach – so der richtige Name des Mannes mit dem weißen Anzug und der schwarzen Kippa – am 18. August im Leipziger Uni-Klinikum. Vier Tage zuvor hatte der 82-Jährige, der aus dem Naumburger Stadtteil Almrich stammte, am Hauptbahnhof einen Zusammenbruch erlitten. Mehrere operative Eingriffe retteten ihn nicht.

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Achim von Almrich wäre gern Pianist geworden. Schon als Kind spielte er Klavier, wurde nach Auskunft der Tochter von namhaften Lehrkräften unterrichtet. Doch weil er anders war als andere, Verhaltensauffälligkeiten zeigte, später als schizophren galt, blieb ihm die erträumte Laufbahn verwehrt. Die Musik aber blieb bis zu seinem Tod Achim von Almrichs beste Freundin. Sie hielt er für die universelle Sprache der Menschheit. Wann immer der Mann, der täglich auf Friedens- und Völkerverständigungsmission war, ein Konzert im Gewandhaus verfolgte, gab es für den Dirigenten und die Solisten hinterher weiße Rosen. „Ein Leben als Musiker war ihm nicht vergönnt. Umso mehr war es ihm ein Bedürfnis, die Leistungen der Orchestermitglieder zu würdigen. Er hat vielen Menschen großen Respekt entgegengebracht, aber dem Einzelnen ist es schwer gefallen, ihm Respekt zu zollen“, schildert Tochter Heike (52). Seine große Seele habe er leider nicht artikulieren können. Stattdessen hätte so mancher in ihm einen aggressiven Menschen gesehen. „Doch das war er nicht. In seinem Sein zeigt sich die Inkongruenz unserer Gesellschaft.“ Einmal habe er zu ihr gesagt: „Du weißt ja gar nicht, was sich in mir abspielt.“

Achim von Almrich, der ein ausgeprägtes Faible für Zahlen und deren Symbolik besaß, wird auf eigenen Wunsch bei Rügen seebestattet. Leipziger, die sich von ihm verabschieden wollen, haben dazu im Friedensgebet am 10. September ab 17 Uhr in der Nikolaikirche Gelegenheit. Pfarrer Bernhard Stief wird sprechen.

Von Dominic Welters

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