Für mehr Sicherheit

Leipzigs neue „Stadtpolizei“ ist da – was sich dadurch ändert

Im Elektro-BMW auf Streife: Leipzigs Stadtordnungsdienst ist jetzt als „Polizeibehörde“ auf den Straßen unterwegs.

Im Elektro-BMW auf Streife: Leipzigs Stadtordnungsdienst ist jetzt als „Polizeibehörde“ auf den Straßen unterwegs.

Leipzig. Seit rund zwei Wochen fahren sie schon durch die City: Die 13 neulackierten Autos mit der Aufschrift "Polizeibehörde" sind der erste Schritt einer Reform im Leipziger Ordnungsamt, für die der Stadtrat im Dezember die Weichen gestellt hat. Vorangegangen war eine Diskussion um die Kriminalität in der Stadt nach der Vergewaltigung einer Joggerin im Rosental.

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Unter dem neuen Namen soll der Stadtordnungsdienst ab sofort verstärkt Präsenz im Stadtgebiet zeigen und die Polizei entlasten. Zwei Millionen Euro lässt sich die Stadt das Projekt alleine bis 2019 kosten. Das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung werde sich dadurch verbessern, verspricht sich der Leiter der Truppe, Jörg Zimmermann.

Leipziger Polizeibehörde stellt neue Autos vor

Leipzig, 21.02.18: Am Mittwoch stelle die Leipziger Polizeibehörde ihre neuen Fahrzeuge vor.

Von Kontrollen bis Uniformen: Das ist die neue „Polizeibehörde“

Fünf der neu beschrifteten blauen Einsatzwagen fuhren die Mitarbeiter von Leipzigs neuer „Rathaus-Polizei“ am Mittwoch vor dem Bundesverwaltungsgericht vor und zogen dabei viele neugierige Blicke auf sich. LVZ.de erklärt, was die Umfirmierung genau bedeutet und was sich dadurch alles ändert:

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Gleiche Behörde, neuer Name:

„Aus Ordnungsamt mach Polizeibehörde“, brachte es Helga Kästner auf den Punkt. „Polizeibehörde ist die Stadt Leipzig schon seit der Wende. Das wird nun auch nach außen hin sichtbar“, so die stellvertretende Leiterin des Ordnungsamts.

„Die ersten Reaktionen sind positiv. Es fällt auf“, berichtete Stadtordnungsdienstleiter Zimmermann. Der Respekt gegenüber den Kollegen auf der Straße steige.

Die Mitarbeiter der „Polizeibehörde“ ziehen am Mittwoch bei der Präsentation auf dem Simsonplatz viele neugierige Blicke auf sich

Die Mitarbeiter der „Polizeibehörde“ ziehen am Mittwoch bei der Präsentation auf dem Simsonplatz viele neugierige Blicke auf sich.

Die Aufgaben: Dass die derzeit 61 Mitarbeiter des Stadtordnungsdienstes unter neuem Namen auftreten, steht auch für eine inhaltliche Neuausrichtung der Behörde. Wie bisher auch sollen die Mitarbeiter Radfahrer kontrollieren, in Parks patrouillieren oder gegen Lärmverstöße, Bettler sowie illegale Müllablagerungen vorgehen – um nur einige Beispiele zu nennen. Bei Kontrollen und Streifen wollen die Behörden künftig noch stärker Hand in Hand arbeiten. "Die Polizei ist unser wichtigster Partner", betonte Zimmermann. Einen gemeinsamen Funk gibt es aber nicht. Die Einsatzkräfte kommunizieren per Mobiltelefon miteinander.

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Neue Autolackierung: Äußerlich sind die Einsatzfahrzeuge auf den ersten Blick leicht mit Polizeiautos zu verwechseln, aber sie haben weder Blaulicht noch Sirene. Bei den 13 Autos mit der neuen Aufschrift "Polizeibehörde" handelt sich um zwei Elektroautos vom Typ BMW i3 sowie benzinbetriebene Subaru Vitara und Ford Tourneo. Sie befanden sich bereits im Fuhrpark des Stadtordnungsdiensts. Neuanschaffungen sind nach jetzigem Stand nicht geplant.

Neue Uniformen:

Die Mitarbeiter erhalten schrittweise auch neue Dienstkleidung mit der Aufschrift „Polizeibehörde“ auf der Vorder- und Rückseite. Aktuell sind die Inspektoren noch mit Uniformen des Ordnungsamts unterwegs. Ab dem Frühjahr soll sich das ändern. „Als erstes ist eine neue Jacke geplant“, erklärte Zimmermann. Insgesamt drei Jahre werde die Umrüstung dauern. „Es wäre schon aus wirtschaftlichen Gründen unvernünftig, jetzt die gesamte Einsatzkleidung wegzuwerfen“, begründete der Dienstleiter.

„Die ersten Reaktionen sind positiv“, sagt Jörg Zimmermann, Leiter des Stadtordnungsdiensts

„Die ersten Reaktionen sind positiv“, sagt Jörg Zimmermann, Leiter des Stadtordnungsdiensts.

Bessere Ausrüstung: Zum neuen Konzept gehört auch ein verbesserter Schutz. "Stichsichere Westen werden wir in diesem Jahr im Bereich des Stadtzentrums testen", kündigte Zimmermann an. Auch Schlagstöcke sollen perspektivisch zur Ausrüstung gehören, Schreckschusspistolen aber nicht – anders als in Dresden. Handfesseln sehe das aktuelle Gesetz nicht vor. Eingesetzt werden die Mitarbeiter künftig verstärkt an Kriminalitätsschwerpunkten – am Schwanenteich, auf der Eisenbahnstraße, vor dem Hauptbahnhof und in der Stuttgarter Allee in Grünau. Damit einher geht eine zusätzliche Weiter- und Ausbildung: Selbstverteidigung, Deeskalation und Einsatztaktik stehen unter anderem auf dem Lehrplan.

Mehr Personal:

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Wie vom Stadtrat beschlossen, wird die neue „Polizeibehörde“ erheblich aufgestockt – von derzeit 61 auf 96 Mitarbeiter bis zum kommenden Jahr. Zehn Stellen im Außendienst kamen bereits im vergangenen Jahr hinzu. In diesem Jahr werden 20, im kommenden Jahr zehn weitere Angestellte ihren Dienst aufnehmen. Die fünf Mitarbeiter im Innendienst, die die Einsätze koordinieren, sollen verdoppelt werden. „Wir suchen Personal. Die Ausschreibungen dazu laufen teilweise schon“, so Zimmermann.

Bis 24 Uhr sollen die Mitarbeiter künftig im Einsatz sein

Bis 24 Uhr sollen die Mitarbeiter künftig im Einsatz sein.

Längere Einsatzzeiten: Bisher waren die Inspektoren von 7 bis 21.30 Uhr unterwegs, an Samstagen bis 22 Uhr. Künftig sollen sie täglich bis 24 Uhr im Einsatz sein. Der Schwerpunkt liege vor allem auf den Wochenenden und der "Saison", wie Zimmermann die warmen Monate nennt. Dann steige das Auftragspensum deutlich – vor allem durch Lärmbelästigungen und Partys in Parks. Am Zwei-Schicht-Betrieb soll dennoch festgehalten werden.

Hunde- und Fahrradstaffel: Beides ist in Planung und könnte 2019 kommen. Beim Thema Hunde werden derzeit Erfahrungen mit Stuttgart und Dresden sowie der Hundestaffel der Leipziger Polizei ausgetauscht. "Die Kollegen in anderen Städten sprechen davon, dass die Anwesenheit von Diensthunden extrem die Wirksamkeit verstärkt", berichtet Zimmermann. Auch von einer eigenen Fahrradstaffel – zusätzlich zur Polizei – versprechen sich die Verantwortlichen Vorteile – vor allem in Grünanlagen. "Die Kollegen könnten überall dort zum Einsatz kommen, wo man mit dem Auto nicht hinkann und mit den Füßen zu langsam ist", so Helga Kästner.

Von Robert Nößler

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