LVZ-Aktion „Licht im Advent“

Leipzigs Tafel-Chef: „Stehen mitten in einer riesigen Herausforderung“

„Bei uns stehen alle in einer Reihe, egal welcher Herkunft“: Werner Wehmer, Chef der Tafel Leipzig.

„Bei uns stehen alle in einer Reihe, egal welcher Herkunft“: Werner Wehmer, Chef der Tafel Leipzig.

Leipzig. Die wirtschaftliche Lage hat sich durch die politische verschärft, auch die Einrichtungen der Tafel bekommen das deutlich zu spüren. Über knapp werdende Ware bei mehr Kundschaft und steigenden Kosten sprach die LVZ mit Werner Wehmer (75), Chef der Tafel Leipzig.

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Was ist die größte Baustelle der Tafel Leipzig?

Das sind mehrere, und sie hängen miteinander zusammen. Fangen wir an bei der Not der Menschen: Die Zahl der Bedürftigen ist in den letzten Monaten stark angestiegen – nicht nur, aber auch durch Geflüchtete aus der Ukraine. Jahrelang haben wir monatlich rund 12.000 Leute in Leipzig versorgt, aktuell sind es etwa 19.000. Wir stehen mitten in einer riesigen Herausforderung. Damit sie noch zu bewältigen ist, mussten wir einen Aufnahmestopp für neue Kundinnen und Kunden verhängen.

In anderen Tafeln gibt es Konflikte zwischen langjähriger Kundschaft und Neuankömmlingen aus der Ukraine. Spüren Sie das auch?

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Ich habe davon gehört, dass es woanders oft kracht, manche Tafeln haben daher entschieden, die Verteilung getrennt vorzunehmen. Solche Unterschiede zu machen, halte ich für einen Fehler. Wir haben seit ein paar Monaten eine russischstämmige Mitarbeiterin, die übersetzt und die Kommunikation verbessert – und unsere Botschaft klar macht: Bei uns stehen alle in einer Reihe, egal welcher Herkunft. Wer stänkert, bekommt eine klare Ansage. Und das funktioniert.

Wie sieht es mit der Menge der gespendeten Lebensmittel aus?

Das ist das nächste Problem. Weil Verbraucherinnen und Verbraucher wegen der Energiekrise weniger einkaufen, bestellen Supermärkte auch weniger Ware. Dadurch bleibt auch nicht mehr so viel übrig, das an die Tafel gespendet werden kann. Bekamen wir beispielsweise früher von einem Großhändler 50 Kisten Apfelsinen, sind es jetzt 25. Damit trotzdem unsere Kundschaft noch einigermaßen gefüllte Tüten mitnehmen kann, können wir keine weitere aufnehmen.

Wie bewältigen Sie die eigenen Mehrkosten?

Ein paar Beispiele: Die Benzinkosten für das Abholen von Ware lagen vor der Krise bei 2000 Euro monatlich, jetzt sind wir bei 3000. Natürlich sind Reparaturen an den Fahrzeugen ebenfalls teurer geworden. Wegen des Mindestlohns seit Oktober ist die Bezahlung der zwölf Festangestellten auf 24.000 Euro gestiegen. Die Stundenzahl können wir aber nicht reduzieren, weil sonst die Arbeit nicht zu schaffen ist. Deshalb mussten wir im Oktober die Betriebskostenpauschale anheben – Erwachsene zahlen für eine Ausgabe 5 Euro, 2019 waren es noch 3 Euro. Aber die Menschen haben Verständnis dafür. Natürlich machen uns auch die Energiekosten zu schaffen. Ab 2023 müssen wir 200 Prozent mehr für Gas zahlen als im laufenden Jahr.

Wie also ist das zu stemmen?

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Mit der Kostenpauschale, Spenden und ehrenamtlichem Engagement. Vor allem benötigen wir Fahrerinnen und Fahrer. Außerdem möchten wir unbedingt eine Stelle als Koch einrichten, damit unsere Kundschaft wie früher ein warmes Mittagessen bekommen kann.

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