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Putins Krieg

LVZ-Talk zum Krieg gegen die Ukraine: „Putin ist in die Fußstapfen Hitlers getreten“

Josa-Mania Schlegel (3.v.l.) berichtete beim LVZ-Talk zum Krieg in der Ukraine von einem Hilfstransport von der polnischen Grenze, den er als LVZ-Reporter begleitet hatte. In der LVZ-Kuppel diskutierten außerdem Renate Voigt und Jelena Hoffmann (von links) sowie Professorin Maren Röger und Verwaltungsbürgermeister Ulrich Hörning (von rechts) mit LVZ-Moderatorin Anita Kecke (3.v.r.).

Josa-Mania Schlegel (3.v.l.) berichtete beim LVZ-Talk zum Krieg in der Ukraine von einem Hilfstransport von der polnischen Grenze, den er als LVZ-Reporter begleitet hatte. In der LVZ-Kuppel diskutierten außerdem Renate Voigt und Jelena Hoffmann (von links) sowie Professorin Maren Röger und Verwaltungsbürgermeister Ulrich Hörning (von rechts) mit LVZ-Moderatorin Anita Kecke (3.v.r.).

Leipzig. „Man muss diesen Kriegstreiber mit seinem Namen nennen – nicht mit seiner Nationalität“ – Renate Voigt, Vorsitzende des Vereins Ukraine-Kontakt, brachte mit diesem Satz über Russlands Machthaber Wladimir Putin die Botschaft des LVZ-Talks vom Donnerstag auf den Punkt. Der Krieg in der Ukraine war das Thema des Abends, zu dem die LVZ in die Kuppelhalle am Peterssteinweg eingeladen hatte.

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„Verfeindet Euch nicht, hasst Euch nicht!“

Renate Voigt, Vorsitzende des Vereins Ukraine-Kontakt.

Renate Voigt, Vorsitzende des Vereins Ukraine-Kontakt.

Renate Voigt hat mit ihrem Verein in den vergangenen 21 Jahren zahlreiche Kontakte zwischen Leipzig und Kiew angebahnt – zwischen Sportvereinen und Schulen, in der Kultur, mit Urlaubsaufenthalten für Tausende Kinder aus Tschernobyl. Und Voigt kennt durch etliche eigene Freunde das Verhältnis zwischen Russen und Ukrainern. Die sind vielfach miteinander verbunden – durch Familien und Freundschaften.

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LVZ-Talk zum Krieg in der Ukraine

LVZ-Talk zum Krieg in der Ukraine

„Viele sehen es realistisch und setzen nicht Putin gleich Russland“, sagte Voigt, die deshalb die Hoffnung hat, dass durch den Krieg nicht auch diese Bande kaputt geht. In Leipzigs Partnerstadt Kiew werde Russisch gesprochen – zurzeit allerdings weniger. Voigts Appell: „Verfeindet Euch nicht, hasst Euch nicht!“ Die Vereinschefin hofft zudem auf „einen emotionalen Stopp bei einigen russischen Soldaten“.

„Diesen Bruderkrieg hat uns Putin beschert“

Jelena Hoffmann, langjährige Honorarkonsulin der Ukraine in Sachsen.

Jelena Hoffmann, langjährige Honorarkonsulin der Ukraine in Sachsen.

Auch Jelena Hoffmann steht für die starken Verbindungen zwischen Russland und der Ukraine. Die langjährige Honorarkonsulin der Ukraine wurde in Moskau geboren, ist aber seit 1975 in Sachsen und hat die Friedliche Revolution hier mit erlebt. „Der Slogan ,Wir sind ein Volk’ ist in meiner Seele nicht erst 1989 entstanden“, erklärte die frühere Honorarkonsulin. „Wir sind ein Volk mit den Ukrainern – das ist ein Gefühl, das auch dieser Krieg nicht aus mir heraustreiben wird.“ Sie gehöre zu den Russland-Verstehern, sagte die Vorsitzende der Stiftung West-Östliche Begegnungen. „Aber jetzt verstehe ich die Welt nicht mehr. Diesen Bruderkrieg hat uns Putin beschert.“

Sie beobachte bereits seit 2014, als Russland die Krim annektierte, auch in Deutschland eine Spaltung in Familien und zwischen Freunden aus Russland und der Ukraine, so Hoffmann. Es müsse jetzt auch in Sachsen und Leipzig eine klare einende Botschaft geben, mahnte sie: „Für Krieg gibt es keine Rechtfertigung. Wir sind alle zusammen hier und wir sind alle zusammen gegen den Krieg – das muss in unsere Köpfe, und das ist vor allem für unsere Kinder ganz wichtig.“

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„Nicht von Angriffskrieg anstacheln lassen“

Professorin Maren Röger, Direktorin des Leipziger Leibniz-Instituts für Geschichte und Kultur Ost-Europas.

Professorin Maren Röger, Direktorin des Leipziger Leibniz-Instituts für Geschichte und Kultur Ost-Europas.

Migrantische Gruppen dürften sich „nicht von diesem Angriffskrieg anstacheln lassen“, forderte auch Professorin Maren Röger, Direktorin des Leipziger Leibniz-Instituts für Geschichte und Kultur Ost-Europas. In Schulen würden erste Emotionen hochkochen. „Darauf müssen wir alle einwirken.“ Wichtig sei, dass Lehrer ihre Schüler abholen und den Krieg im Unterricht aufgreifen. Und in Deutschland dürfe man „nicht die russischsprachige Bevölkerung in eine Kollektivhaftung nehmen“, betonte Röger.

„Kretschmer-Forderung gerade fehl am Platz“

Der Leipziger Verwaltungsbürgermeister Ulrich Hörning.

Der Leipziger Verwaltungsbürgermeister Ulrich Hörning.

„An alle russischstämmigen Bürgerinnen und Bürger in Leipzig: Ihr seid Leipziger, und Ihr steht als Leipziger in der Tradition des Herbst 89, der friedlichen Verständigung, der friedlichen Veränderung und der europäischen Einigung“, betonte Verwaltungsbürgermeister Ulrich Hörning (SPD). Das ist unsere Identität, und unser Geist. Wenn sich jemand außerhalb dieses Konsens’ stelle, gebe es jedoch ein Problem. Putin sei nicht Russland, man müsse aber auch benennen, dass es in einigen Kreisen eine hohe Präferenz für Putin und sein System gebe.

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Mit Blick auf Russlands Machthaber schlug Hörning beim LVZ-Talk noch einen anderen historischen Bogen: „Es gibt den 1. September 1939, den Überfall auf Polen. Es gibt den 22. Juni 1941, den Überfall auf die Sowjetunion. Und es gibt den 24. Februar 2022 – diese drei Daten stehen jetzt in einer historischen Kontinuität. Putin ist mit diesem Überfall in die Fußstapfen Adolf Hitlers getreten – mit einem Krieg, der nicht in Geschichtsbüchern steht oder bei Netflix stattfindet, sondern real ist – mit Menschen, die wir kennen.“ Vor diesem Hintergrund sei die Forderung des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) nach einem vernünftigen Verhältnis zu Russland „gerade fehl am Platz“, so Hörning.

Moderatorin Anita Kecke, Chefin vom Dienst bei der LVZ.

Moderatorin Anita Kecke, Chefin vom Dienst bei der LVZ.

„Wir stehen bereit und wir sind aktiv“

Der Verwaltungsbürgermeister ist auch Chef der Leipziger Ukraine-Task-Force. Er dankte für das bürgerschaftliche und private Engagement der Bürgerinnen und Bürger – die Initiative sei riesig und auch schneller gewesen, als die der Stadt, räumte Hörning ein. „Wir stehen bereit und wir sind aktiv“, sagte Hörning mit Blick auf die mittlerweile zentral koordinierten und umfangreichen Hilfen durch Stadt, Vereine, Initiativen und Bürger. Die ersten Schutzsuchenden seien angekommen und in den zentralen Unterkünften oder privat untergekommen. Für eine reibungslosere Versorgung empfahl Hörning geflüchteten Ukrainern, einen Asylantrag zu stellen.

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Ob Leipzig auf größere Zahlen von Geflüchteten vorbereitet sei, wollte Moderatorin Anita Kecke wissen, Chefin vom Dienst bei der LVZ. Es gebe bereits Pläne für weitere Einrichtungen sowie für die Anmietung von Hotelzimmern, antwortete Hörning, der aber damit rechnet, dass viele Ukrainer weiterreisen – etwa zu Verwandten nach Frankreich oder Großbritannien. Auch Jelena Hoffmann rechnet nicht mit einer großen Zahl von Ukrainern in Deutschland – viele wollten gar nicht erst nicht weit weg. Und Hoffmann berichtete von einem persönlichen Erlebnis. „Ich habe einer Familie in Kiew angeboten zu uns zu kommen. Gerade die Älteren haben ,Nein’ gesagt. Sie haben gesagt: Aus unserer Heimat wird man uns nur mit den Füßen nach vorne tragen, oder wir gehen selbst mit erhobenem Haupt.“

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Von Björn Meine

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