Höchste Auszeichnung

„Exzellenter Forscher und immer ansprechbar“ – Leipzig jubelt über Svante Pääbos Nobelpreis

Freude über den Medizin Nobelpreis: Der schwedische Evolutionsforscher Svante Pääbo steht im Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig an der Nachbildung eines Neandertaler-Skeletts.

Freude über den Medizin Nobelpreis: Der schwedische Evolutionsforscher Svante Pääbo steht im Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig an der Nachbildung eines Neandertaler-Skeletts.

Leipzig. Der Jubel ist groß in Leipzig und Sachsen. Mit dem Paläogenetiker Svante Pääbo hat nach 52 Jahren letzte Woche Montag wieder ein Leipziger Wissenschaftler den Nobelpreis erhalten. Wie das Nobelpreis-Komitee berichtet, habe Pääbo, nachdem der Schock über die Nachricht abgeklungen war, als Erstes gefragt, ob er seiner Frau Linda die Nachricht mitteilen könne. Er durfte. Der Anruf ereichten den 67-Jährigen beim morgendlichen Kaffee – auf dem Tisch eine Wochenendausgabe der LVZ, wie in einem Tweet des Nobelpreis-Komitees zu erkennen ist.

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Die höchste wissenschaftliche Auszeichnung geht damit zum 20. Mal nach Leipzig. Seit 1997 forscht der Schwede am damals neu gegründeten Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und lehrt zudem als Honorarprofessor an der Universität Leipzig. Pääbo ist ausgebildeter Mediziner und Biologe, hat aber längst seine eigene Disziplin begründet: die Paläogenetik. Seit längerer Zeit wurde der Medizin-Nobelpreis mal wieder an eine Einzelperson vergeben.

Frühere Uni-Rektorin Schücking über Medizin Nobelpreis in Leipzig: „Ein Glückstag“

Für die langjährige Uni-Rektorin Beate Schücking, bei deren Investitur 2011 Pääbo einer der Ehrengäste war, ist es in mehrfacher Hinsicht ein Glückstag. „Für die Wissenschaftsstadt Leipzig und für Svante Pääbo ganz persönlich.“ Sie bewundere, dass er zwei Forschungsdisziplinen, die davor nichts miteinander zu tun hatten – die Genetik und die Erforschung der Vor- und Frühgeschichte – einfach zusammengedacht habe. „Er hat damit unser ganzes Verständnis von der Entstehung des Menschen grundlegend verändert.“ Pääbo sei aber nicht nur ein herausragender Wissenschaftler und exzellenter Forscher: „Ich schätze auch seine hohe Kollegialität. Er war immer auch der Universität verbunden und für unsere Forschenden ansprechbar.“

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Das unterstreicht Schückings Nachfolgerin Eva Inés Obergfell, die seit April im Amt ist. „Was für eine wunderbare Nachricht!“, jubelt sie. Mit seiner Forschung habe Pääbo „den Ruf Leipzigs als Stadt der Wissenschaften national und international gefestigt, dabei unter anderem nachhaltige Impulse für die Entwicklung der Biotechnologie in Leipzig gegeben“.

Verdienter Nobelpreis in Medizin: Svante Pääbo leistet anschauliche und bildhafte Forschung in Leipzig

Auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung sieht mindestens zwei Gründe, aus denen Pääbo den Nobelpreis verdient habe: „Mit seinen Forschungen auf dem Gebiet der Paläogenetik hat Svante Pääbo unseren innersten Kern – unsere DNA – ins Verhältnis gesetzt: in uns lebt der Neandertaler weiter. Er ist nicht ausgestorben, sondern ist Teil unseres Erbes. Pääbo belegt, dass es keine starren Grenzen zwischen den Menschen gibt. Der Austausch ist unsere Konstante.“ Darüber rechnet Jung ihm hoch an, dass er seine Erkenntnisse unter anderem in populärwissenschaftlichen Büchern über Fachkreise hinaus verbreite: „Er kann seine Forschung erklären. Er macht sie anschaulich und bildhaft. Der Nobelpreis krönt seine jahrzehntelange Arbeit. Und Leipzig darf stolz sein, ein wenig dazu beigetragen zu haben.“

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Kretschmer lobt Medizin Nobelpreisträger Svante Pääbo für internationale Exzellenzleistung in Sachsen

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) betont die Tatsache, dass ein schwedischer Wissenschaftler, der in Sachsen arbeite, am Tag der Deutschen Einheit ausgezeichnet werde – „was für ein Symbol: der Osten Deutschlands ist längst ein Ort internationaler Exzellenz“. Bahnbrechende Erkenntnisse entstünden durch Exzellenz, Internationalität und interdisziplinäre Wissenschaft – und Leipzig sei ein Ort, an dem das alles zusammenkomme, so Kretschmer.

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Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU) kommentierte die Entscheidung aus Stockholm: „Ein großartiger Tag! Svante Pääbos exzellenten Forschungen haben die höchste Auszeichnung erhalten. Ich bin froh und dankbar, dass Sachsen das wissenschaftliche Umfeld für einen so außergewöhnlichen Forscher bieten kann. Der Freistaat wird auch in Zukunft alles Notwendige für beste Bedingungen in Wissenschaft und Forschung tun.“

Die Max-Planck-Gesellschaft machte ihrer Freude über die Preisvergabe auf Twitter mit einer langen Smiley-Reihe Luft. „Sprachlos! Glücklich! Wir kneifen uns selbst!“ (Speechless! HAPPY! Pinching ourselves!). „Seine Arbeiten haben unser Verständnis der Evolutionsgeschichte der modernen Menschen revolutioniert“, sagte Martin Stratmann, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft. In Stockholm wurde die Bekanntgabe vor allem von schwedischen Reporterinnen und Reportern begeistert aufgenommen. „Das ist fantastisch“, flüsterte eine Reporterin im Hörsaal.

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Zu den Gratulanten zählt auch Gerald Haug, Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, deren Mitglied Pääbo seit 2001 ist: „Diese Ehrung würdigt bahnbrechende Erkenntnisse im Bereich der Paläogenetik, die zu einem neuen Bild der frühen Menschen beigetragen haben“, sagt der Wissenschaftler, der als Paläoklimatologe Pääbos Faible für die Vor- und Frühgeschichte teilt.

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Erfahren Sie mehr über den neuen Nobelpreisträger aus Leipzig im Podcast „LVZ Unsere Story“:

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