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„Ich bin unschuldig verurteilt worden“

Neuer Prozess um Anschlag auf Wohnung von Sachsens Justizminister in Leipzig

Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow im September 2017 vor dem Amtsgericht Leipzig (Archivbild).

Leipzig.„Es ist Wahnsinn, was hier seit Jahren abgeht. Ich bin unschuldig verurteilt worden.“ Das beteuerte am Donnerstag der Angeklagte im Berufungsprozess um den Anschlag auf die Wohnung von Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) Ende 2015 in der Leipziger Südvorstadt. Das Landgericht rollt den Fall in einem bis 4. Juli laufenden Verfahren noch mal völlig von vorn auf.

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Als Vorinstanz verurteilte das Amtsgericht Leipzig Thomas K. (32) zur nicht bewährungsfähigen Strafe von zwei Jahren und vier Monaten Haft. Es war überzeugt davon, dass der rechte Lok-Hooligan am 24. November 2015 kurz nach 2 Uhr mit mindestens vier Komplizen die Fensterfront des Eckhauses August-Bebel-/Scharnhorststraße mit schweren Granitsteinen attackierte. Zwei landeten krachend in Gemkows Zuhause.

Danach schleuderten die Täter mit stinkender Buttersäure gefüllte Christbaumkugeln durch die kaputten Scheiben. Der Minister schlief mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern hinter einem Fenster mit geschlossener Jalousie.  Es sei Zufall, dass niemand verletzt wurde, hieß es. Die Familie wohnt seither nicht mehr dort.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung legten Berufung ein

Das Amtsgericht hielt Thomas K. aufgrund seiner DNA, die an einer Verpackung für Christbaumkugeln am Tatort sichergestellt wurde, sowie Indizien für überführt. Gegen das Urteil legten sowohl die Staatsanwaltschaft, die eine höhere Strafe will, als auch die Verteidigung Berufung ein. Deren Ziel sei Freispruch, so Rechtsanwalt Mario Thomas. „Das Urteil leidet an Rechtsfehlern und ist in Teilen widersprüchlich“, sagte der Verteidiger am Donnerstag. Er verwies auf eine häufig fehlerhafte DNA-Zuordnung in anderen Fällen.

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So hatte auch das ursprüngliche Verfahren gegen den Mitbeschuldigten Roman W. (30) mit einem Freispruch geendet. Seine DNA ist laut einem Gutachter durch eine „Sekundärübertragung von Körperzellen“ an einen Granitstein gelangt. In einem Pkw, in dem er Bekleidung und ein Handtuch abgelegt hatte, sollen die Täter später die Wurfgeschosse transportiert haben. Das Amtsgericht ging davon aus, dass der Anschlag nicht dem Minister, sondern einem in der Nachbarwohnung ansässigen linken Modelabel galt. Das sieht Curt-Matthias Engel, Co-Verteidiger von Thomas K., anders, da diese Firma bereits 2014 aufgelöst worden sei. Laut Richter Bernd Gicklhorn ist Gemkow bislang nicht als Zeuge geladen worden.

Ende 2018 hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen weiteren verdächtigen Steinewerfer erhoben. Der Prozesstermin gegen Jens E. (38) steht noch nicht fest, hieß es am Donnerstag.

von Sabine Kreuz

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