Demo in Schkeuditz

Protest gegen den Flughafen-Ausbau im und um den Airport Leipzig/Halle

Am Ort der Abschlusskundgebung schwärmen Demonstrationsteilnehmende auf einen Hügel am Flughafengelände und bringen Transparente an.

Am Ort der Abschlusskundgebung schwärmen Demonstrationsteilnehmende auf einen Hügel am Flughafengelände und bringen Transparente an.

Schkeuditz. Hans-Egon Schröder ist älter als die meisten, die am Samstag gegen den Ausbau des Flughafens Halle/Leipzig demonstrierten, 69 Jahre nämlich. Er sei sogar „älter als der Flughafen“, sagte er, was aber ein bisschen geflunkert war. Als der Demonstrationszug am DHL Hub stoppte und aus den Lautsprechern Kritik an der „Klimaschleuder Flughafen“ geäußert wurde, hielt Schröder zusammen mit seinem Freund Thomas Runge ein Plakat mit der schlichten Aufschrift „Fluglärm“ in der Hand. Schröder wohnt in Döllnitz in Sachsen-Anhalt, sein ganzen Leben schon, und dort könne er „die Räder zählen“ der Flugzeuge, die die Leipziger Landebahnen ansteuerten. „Wir sind nicht gegen Frachtflugverkehr an sich, aber es muss ein Nachtflugverbot geben“, sagte Schröder.

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Hans-Egon Schröder auf der Demonstration gegen den Flughafen-Ausbau

Hans-Egon Schröder auf der Demonstration gegen den Flughafen-Ausbau

Bis zu 350 Menschen haben sich am Samstag an der Demonstration vom S-Bahnhof Schkeuditz zur für den Ausbau vorgesehenen Fläche beteiligt. Die Mitteldeutsche Flughafen AG will dort rund 500 Millionen Euro investieren. Anteilseigner sind die Länder Sachsen und Sachsen-Anhalt und die Städte Leipzig, Halle und Dresden. Derzeit läuft das Planfeststellungsverfahren für den geplanten Ausbau. „Die Landesdirektion Sachsen darf die Pläne nicht genehmigen“, sagte Marco Böhme, Sprecher der Linksfraktion im Landtag für Klimaschutz und Mobilität, der die Demonstration am Samstag unterstützte. Seine Partei streite dafür, dass Expressfracht wirklich auch Expressfracht sein müsse, also wichtige Medizinprodukte oder Anlagenteile für die Wirtschaft. Bisher bestimmten DHL, Amazon und Co. jedoch selbst, was Expressfracht sei – und wickelten nachts auch Transporte von Jeans und Handys über den Flughafen ab.

Demonstranten gegen den Ausbau des Flughafens

Demonstranten gegen den Ausbau des Flughafens

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Aufgerufen zur Demonstration gegen den Ausbau hatten mehrere Gruppen, von denen viele auch am Klimacamp Leipziger Land beteiligt sind. Sie setzen sich kurzfristig für ein Memorandum des Flughafenausbaus ein und langfristig dafür, über eine alternative Nutzung des Geländes nachzudenken, denn ein Flughafen sei angesichts der Klimakrise nicht zukunftsfähig. Die Gruppe „Transform LEJ“ hatte angekündigt, dass es zusätzlich zur Demonstration auch „Aktionen zivilen Ungehorsams“ geben sollte.

Polizisten wollten verhindern, dass die Demonstranten auf das Flughafengelände gelangen.

Polizisten wollten verhindern, dass die Demonstranten auf das Flughafengelände gelangen.

Kurz bevor die Demonstration an einem Zaun zum Flughafen endete, liefen zwischen 50 und 100 Menschen auf einen Hügel, um ihn zu blockieren. Auf der Fläche sei geplant, 36 neue Parkflächen für Flugzeuge zu bauen, so die Demonstrierenden. Dem Bündnis „Transform LEJ zufolge würde das die Flugbewegungen bis 2023 verdoppeln. Polizisten umstellten die Demonstranten, eigenen Angaben nach, um zu verhindern, dass diese auf das Flughafengelände vordringen. Einer Sprecherin von Transform LEJ nach war das allerdings nicht geplant. Auch sei etwa eine Übernachtung auf dem Gelände nicht angedacht. Die Demonstrierenden pflanzten Bäume auf dem Hügel, es wurden Ideen gesammelt, wie die Fläche anders als für den Flughafen genutzt werden könnte.

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Die Situation war entspannt - anders als vor etwa einem Jahr, als nach der Blockade einer Zufahrt zum DHL-Hub mehrere Menschen in Gewahrsam genommen worden waren. Bis heute laufen dazu mehr als 50 Ermittlungsverfahren, die Demonstranten kritisieren den Polizeieinsatz von damals als überzogen. Am Samstag löste sich die Blockade des Hügels gegen 16 Uhr.

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Zeitgleich zur Aktion am Hügel seilten sich Kletterer in der Check-in-Halle am Flughafen ab, um ein Plakat zu befestigen. Damit sollte auf die Verbindung zwischen Klima- und Asylpolitik hingewiesen werden. „Wir heizen die Klimakrise im globalen Süden, schieben aber von dort zu uns geflüchtete Menschen ab“, sagte eine Sprecherin. Die Gruppe, die mit „Transform LEJ“ zusammen arbeitet, meldete eine Demonstration Flughafen an. Die wenigen Fluggäste nahmen von der Aktion am frühen Nachmittag kaum Notiz. Gegen zwei der Kletterer wurden der Polizei zufolge Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz gestellt.

Kletterer hängten ein Plakat in der Flughafenhalle auf.

Kletterer hängten ein Plakat in der Flughafenhalle auf.

Das Bündnis „Transform LEJ“ freute sich am Nachmittag über einen gelungenen Tag. „Wir hatten eine bunte Demo, auf der die Interessen mehrer Gruppen vertreten worden sind.“ Auch für Hans-Egon Schröder, den Fluglärm-Gegner aus Döllnitz, gibt es zwischen ihm und den jungen Demonstranten für Klimagerechtigkeit eine Schnittfläche. „Das ist der ökologische Wahnsinn, der hier passiert.“ Man dürfe keine Plastikstrohhalme mehr kaufen, aber der Flugverkehr werde immer weiter ausgebaut. Das, findet Schröder, passt irgendwie nicht zusammen.

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