Prozess gegen Leipziger Jugendbande hat begonnen - Angeklagte räumen Vorwürfe ein

Vier Mitglieder der berüchtigten Leipziger Kinderbande stehen seit dem 22.10.2012 vor Gericht.

Vier Mitglieder der berüchtigten Leipziger Kinderbande stehen seit dem 22.10.2012 vor Gericht.

Leipzig. Die kriminellen Jungs sollen in wechselnden Besetzungen auf Raubzüge durch die Geschäfte der Stadt gegangen sein. Mehr als 80 Anzeigen wegen Diebstahls, Sachbeschädigung und Körperverletzung gingen gegen die Bande ein. Angeführt wurde die Gruppe von Zwillingsbrüdern, denen Polizei und Justiz wegen ihres Alters von 13 Jahren noch nichts anhaben können.

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Die vier angeklagten Bandenmitglieder räumten die Vorwürfe vor dem Amtsgericht im Wesentlichen ein. Der Älteste von ihnen, der 22-Jährige, sitzt in Untersuchungshaft, die anderen sind auf freiem Fuß. Am Donnerstag soll das Urteil gesprochen werden. Laut Anklage hat die Bande in wechselnder Besetzung so ziemlich alles mitgehen lassen, was sie tragen konnte - von Salami über Kosmetik-Produkte bis hin zu Bluetooth-Headsets und E-Book-Readern.

Bei den vier Angeklagten handelt es sich um den strafmündigen Teil der stadtbekannten Kinderbande, die seit Jahren Geschäftsleute in ganz Leipzig terrorisiert. Einer der Anführer war vermutlich zunächst Kay L., der Älteste. Doch er wurde im Zuge einer Diebstahlsserie Ende Mai in Eutritzsch festgenommen. An einem einzigen Tag hatte er mit seiner überwiegend minderjährigen Gefolgschaft in sechs Läden Handys, Bargeld, Tabakwaren geklaut. Seit 1. Juni sitzt er in Untersuchungshaft.

Spätestens seitdem gelten die Zwillinge Paul und Phillip S. (13) als mutmaßliche Rädelsführer der Gang. Allein diese beiden Jungen sind in diesem Jahr bereits in 224 Fällen bei der Polizei registriert worden. Das Jugendkommissariat der Kripo bearbeitete  seit Januar 2012 mehr als hundert Straftaten pro Zwilling, unter anderem Diebstahl, Sachbeschädigung, Körperverletzung, Hausfriedensbruch, aber auch das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

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Doch die Zwillinge stehen am Montag nicht mit ihren Komplizen vor Gericht. Paul und Phillip S. sind noch strafunmündig, erreichen erst im Mai 2013 das 14. Lebensjahr - und unterliegen erst dann wie ihre älteren Freunde dem Jugendstrafrecht. Am 20. September wurden sie in spezielle Einrichtungen der Jugendhilfe gebracht - Paul S. nach Sachsen-Anhalt, Phillip S. nach Görlitz.

Schon Monate zuvor hatten Staatsanwaltschaft und Polizei wegen der Bande bei der Stadt Alarm geschlagen. Denn die Strafverfolgungsbehörden konnten zwar gegen die älteren Gang-Mitglieder Ermittlungsverfahren führen, wie der am Montag begonnene Prozess zeigt. Doch die beiden Anführer waren für sie tabu, da Strafverfahren gegen Kinder, die jünger als 14 Jahre sind, eingestellt werden müssen.

dpa / Frank Döring

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