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Leipziger Westwerk

Sie flohen auf Fahrrädern: LKA sucht Konsum-Angreifer

Rund um das Westwerk und den neu eröffneten Konsum gibt es viel Wirbel.

Rund um das Westwerk und den neu eröffneten Konsum gibt es viel Wirbel.

Leipzig.Die Gemüter sind erhitzt, seit die Supermarkt-Kette Konsum ihre neueste Filiale im Leipziger Westwerk eröffnet hat. Ein Angestellter wird mit Kartoffeln angegriffen, Unbekannte zerstörten mehr als 50 Scheiben der ehemaligen Industriehalle – später erscheint auf der linken Plattform Indymedia ein mutmaßliches Bekennerschreiben.

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Deswegen vermuten die Ermittler eine linksextremistisch motivierte Straftat, wie das Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft Leipzig am Freitag mitteilten. Die gemeinsame Ermittlungsgruppe Linksextremismus „GEG LE“ übernimmt den Fall und sucht nach Zeugen.

Ermittlung wegen Sachbeschädigung

Die Staatsanwaltschaft Leipzig habe ein Verfahren wegen Sachbeschädigung eingeleitet, hieß es. Laut Peter Sterzing, Geschäftsführer der Westwerk GmbH, liegt der Schaden nach derzeitiger Einschätzung im oberen vierstelligen Bereich.

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Viele Außenstehende und indirekt Betroffene können die Attacken nicht nachvollziehen. Enzo Forciniti ist selbst Mieter im Westwerk, musste im vergangenen Jahr seine Räume verlassen – wegen der Konsumeröffnung. „Ich musste zwar ausziehen, aber mir wurde nicht gekündigt“, sagt Forciniti, der Brillen aus Holz entwirft und herstellt. Stattdessen habe er sich mit dem Vermieter geeinigt, zog innerhalb des Geländes um – und bekam einen Mietvertrag über mehrere Jahre, zu den gleichen Konditionen wie zuvor.

Kritik von Gentrifizierungsgegner

Laut Westwerk-Vermieter Sterzing fanden in der Halle, in der sich jetzt der Eingangsbereich des Konsums befindet, hin und wieder Veranstaltungen statt. In dem Teil, in den der Supermarkt selbst einzog, standen demnach Wohnmobile und Fahrzeuge. Künstler hatten dort keine Ateliers. In den vergangenen Jahren mussten auch Kreative das Westwerk verlassen. Unter anderem zog die Kunstgalerie Westpol aus – auf der Fläche ist jetzt die Billardhalle Mensa angesiedelt.

Der Stadtteil ist im Wandel. Gentrifizierungsgegner äußern immer wieder Kritik. Auch die mutmaßlichen Angreifer der Konsum-Filiale stören sich daran. "Verdrängung hat viele Gesichter, eines davon haben wir heute Nacht eingeschlagen", hieß es in dem veröffentlichten Bekennerschreiben.

Keine Künstler verdrängt

„Ich kann verstehen, dass Leute darüber diskutieren, ob es hier einen Konsum geben muss“, findet Forciniti. Immerhin gebe es in der Nähe andere Einkaufsmöglichkeiten. Die Diskussion allerdings in der Annahme zu führen, wegen des Supermarktes hätten Künstler ihre angestammten Räume verlassen müssen, habe keine Grundlage. „Den Fokus auf Konsum verstehe ich nicht.“

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„Wir haben die Kulturmacher nicht vertrieben“, betonte Konsum-Chef Dirk Thärichen nach dem Angriff am Donnerstag. Er vermutete, der Unmut richte sich gegen den Vermieter des Westwerks. Doch auch Sterzing verwies darauf, dass das Areal 120 feste Nutzer habe, davon einen großen Teil Maler, Bands, Kreative, gemeinnützige Vereine oder Werkstätten.

Angreifer auf Fahrrädern unterwegs

Laut Ermittlern kamen und flohen die Angreifer vermutlich auf Fahrrädern. Sie suchen jetzt vor allem Zeugen, die am 11. April zwischen 1.15 Uhr und 1.20 Uhr im Bereich des Westwerks und rund um den Tatort sowie auf dem Radweg am Karl-Heine-Kanal verdächtige Menschen mit Fahrrädern gesehen oder sonst etwas Relevantes festgestellt haben.

Zeugen wenden sich an die Leipziger Kriminalpolizei in der Dimitroffstraße 1 in Leipzig, melden sich telefonisch unter (0341) 96 64 66 66 oder bei jeder anderen Polizeidienststelle.

Von Josephine Heinze

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