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Nächtliche Bauaktion

Sieben Bagger reißen A14-Brücke bei Leipzig ab

Am Samstag ist eine Autobahnbrücke bei Leipzig abgerissen worden, die A14 wurde dafür gesperrt.

Am Samstag ist eine Autobahnbrücke bei Leipzig abgerissen worden, die A14 wurde dafür gesperrt.

Leipzig.Auch am Sonntagmorgen pilgerten wieder viele Engelsdorfer zur Baustelle an Riesaer Straße über die Autobahn A14. Über Nacht ist dort die Brücke der alten B6 verschwunden. Hunderte Schaulustige hatten am Samstagabend das Schauspiel verfolgt und eine logistische Meisterleistung gesehen. Am „Morgen danach“ war der Schutt zur Seite geräumt und über die Fahrspur Richtung Dresden rollte bereits wieder der Verkehr. Später wurde auch die Fahrspur Richtung Halle freigegeben.

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Großbagger demonstrieren ihre Stärke

Punkt 19 Uhr hatte die Polizei am Samstagabend die Autobahn für den Brückenabriss gesperrt. Zuerst wurden die Leitplanken beseitigt und eine Folie über die gesamte Fahrbahn unter der Brücke gezogen. Darauf schoben Bagger ein 80 Zentimeter hohes Erd- und Sandpolster. Es sollte die Autobahn vor Schäden durch die später herabstürzende Brückenteile schützen. Weiter ging es mit dem Abbau des Brückengeländers und des Fahrbahnbelags.

Danach nahmen sieben Kettenabrissbagger der Firma Kafril – aus Großzschepa bei Wurzen – einträchtig nebeneinander das Bauwerk in die Mangel. Drei Pressluftmeißel durchbrachen die Brücke, riesige „Kneifzangen“ bissen Stahl und Beton heraus, als ob es Spielzeug wäre. Das Bauwerk ächzte, der Boden dröhnte, die millionenschweren Großgeräte demonstrierten ihre Stärke. Mächtige Staubwolken zogen über das Gelände. Mehrere Stunden klang das „Bupp, bupp, bupp“ durch die Nacht.

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Gegen 22.40 Uhr war es soweit – der mit Spannung erwartete Durchbruch war geschafft, in der Brücke klaffte eine Lücke. Danach arbeiteten die Bagger ohne Unterbrechung weiter, bis die Brücke einschließlich des Mittelpfeilers komplett abgetragen war. Anschließend stand die Beräumung des Schutts von der Fahrbahn an.

Schaulustige verfolgen das Geschehen

Hinter der Absperrung war das Interesse groß. Mit Fahrrädern oder zu Fuß kamen Hunderte Menschen zum Zugucken und blieben oft länger, als sie ursprünglich vorhatten. Es wurde fotografiert und gefilmt, einige hatten sich Campingstühle mitgebracht. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr hatte extra einen Infopoint eingerichtet, an dem es Wasser und Kaffee, Äpfel und Brötchen gab.

„Die Technik ist gigantisch. Wir wohnen gleich nebenan, für uns ist das ein Stück Heimat“, sagte Heinz Petzold (68), Rentner aus Sommerfeld. Er war mit Frau, Kindern, Enkeln, Cousine und Nachbarn da. „Was willste sonst machen, fernsehen?!“, fragte er. „Das hier sehen wir nie wieder. Ich bin als Kind schon hier drunter weggekrochen.“

Abriss Autobahnbrücke A14

Abrissarbeiten an der Autobahnbrücke über die A14 im Leipziger Stadtteil Sommerfeld am 6. April 2019.

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Liane Heller (67), ebenfalls aus Sommerfeld, erzählte: „1968 beim Prager Frühling haben wir hier gesehen, wie die Panzer in die Tschechei gerollt sind, von Halle und Magdeburg, Tag und Nacht. Da war die Autobahn noch nicht fertig.“ Viele Zuschauer freuten sich, dass sie in gebührender Entfernung von der Baustelle mal mitten auf der A14 stehen und von dort zusehen konnten.

Neubau bis Sommer 2020

Der Abriss der Brücke erfolgt im Zuge des sechsspurigen Ausbaus der A14 bei Leipzig. Aufgrund des schlechten Bauzustandes der 1938 eingeweihten Brücke, deren Standsicherheit erheblich beeinträchtigt war, fiel die Entscheidung für einen Neubau.

Der Porphyr, der den Brückenpfeilern auf beiden Seiten ihr prägendes Aussehen gibt, soll weitestgehend geborgen, aufbereitet und wieder als Verbindung eingesetzt werden. Auch das Wappen der Stadt Leipzig auf der östlichen Brückenseite soll erhalten werden. Die neue Brücke soll im Sommer 2020 fertig sein, die Baukosten betragen 4,1 Millionen Euro.

Von Kerstin Decker

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