Leipziger Zoo

Sieben Pfleger kämpfen um das Elefantenkind

Fünf der sieben beteiligten Elefantenpfleger und ihr „Stiefkind“.

Fünf der sieben beteiligten Elefantenpfleger und ihr „Stiefkind“.

Leipzig. Der Erfolg hat viele Väter (und Mütter): Sieben Elefantenpfleger aus dem Leipziger Zoo kämpf(t)en seit Ende Januar um den Elefantennachwuchs. Wie um ihr eigenes Kind. Die Sieben heißen Thomas Günther (47), Robert Stehr (42), Florian Rimpler (24), Cora Hölzel (21), Denny Geyer (33), Holger Wust (47) und David Geerst (32). Zusammen haben sie fünf eigene Kinder, die sie in den letzten Wochen mit Sicherheit seltener gesehen haben als ihr „Stiefkind“.

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„Nur zum Blumengießen und Post rausholen sind wir nach Hause gekommen. Unser Sozialleben besteht darin, dass wir Teil der Elefantenherde sind“, erzählen sie schmunzelnd. Aber das war allen vorher klar. Auch der Tierarzt und die Kuratoren haben das Happyend möglich gemacht.

Elefantenbaby Ben Long hat schon gelernt, dass Wasser nichts Schlimmes ist

Elefantenbaby Ben Long hat schon gelernt, dass Wasser nichts Schlimmes ist.

Geburtstermin war geplant

„Wir haben alles auf Sieg gesetzt“, erzählt Bereichsleiter Thomas Günther (47). Zwei Jahre lang wurde jedes Detail rund um Trächtigkeit, Geburt und Aufzucht geplant. Die Pfleger-Mannschaft wurde neu zusammengesetzt, mit alten Hasen und jungen Kollegen aus Leipzig, Berlin, Rostock, Hessen. Von der früheren Truppe sind nur noch zwei Mann dabei. Der Deckakt wurde so gelegt, dass das Jungtier im Winter zur Welt kommt. So konnten die Tiere im Elefantenhaus in Ruhe Kontakt zum Neuankömmling aufbauen. Im Sommer sollte dann die Herde auf der Freianlage zusammenfinden.

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Diesmal war Hoa gut trainiert

Erste große Hürde war die Geburt. Elefantenkuh Hoa hatte schon zweimal Jungtiere, die beide nicht überlebten. Diesmal wurde sie ein Jahr lang intensiv vorbereitet. „Training, Training, Training“, sagt Thomas Günther. Er ist seit mehr als 30 Jahren Elefantenpfleger, hat viele Jahre in Berlin und München gearbeitet, dort schon ähnliche Fälle gelöst. „Elefanten brauchen Sicherheit bei der Geburt. Dazu gehört, dass sie auf die Pfleger hören und ihnen vertrauen, auch wenn es schnell gehen muss“, so der Bereichsleiter. Diesmal hat alles geklappt: Die Pfleger standen im entscheidenden Moment zu sechst auf der Anlage. Mit Futter lenkten sie die verfressene Kuh sofort ab, konnten das Kalb vor Tritten schützen.

Bei seiner Mutter Hoa konnte der Kleine in den ersten Wochen Muttermilch trinken

Bei seiner Mutter Hoa konnte der Kleine in den ersten Wochen Muttermilch trinken. Dafür musste sie jedoch angekettet werden. Inzwischen wird er mit Ersatzmilch gefüttert.

Kein Zweifel am eingeschlagenen Weg

Auch den Fall, dass die Muttermilch versiegt oder Hoa ihr Jungtier verlässt, hatten die Pfleger vorher durchgespielt – und was dann zu tun ist. "Ganz klar, wir haben immer geglaubt, dass wir es packen", versichert Florian Rimpler (24). Kritisch war es um den Valentinstag, als der Kleine stark abgenommen hatte und selbst der Tierarzt zu zweifeln begann. Doch die Pfleger hielten an ihrem Weg fest. Es hat sich gelohnt. Der Durchbruch war geschafft, als nicht nur Don Chung, sondern auch die junge Rani Zuwendung zu dem Kleinen aufbaute.

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Ben Long, wie der Minifant diese Woche getauft wurde, entwickelt sich bestens. "Er ist frech und absolut neugierig, schmeißt mir die Schubkarre um, wenn ich sie gerade beladen habe, oder klaut Werkzeug", berichtet Florian Rimpler ganz entzückt von dem kleinen Herzensbrecher. Mit seinen "Tanten" Don Chung und Rani bildet er mittlerweile ein unzertrennliches Team. Sie bringen ihm alles bei, was ein Elefantenkind lernen muss. Die Rund-um-die-Uhr-Betreuung durch die Pfleger konnte zurückgefahren werden.

Nächstes Jahr bekommt Rani zum ersten Mal Nachwuchs. Auch bei ihr wird nichts dem Selbstlauf überlassen – auch sie wird bereits intensiv trainiert. Somit könnten Don Chung, Ben Long, Rani und ihr künftiger Nachwuchs in Zukunft den Kern einer gut trainierten Elefantengruppe bilden.

Von Kerstin Decker

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