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Ehrenamt in Leipzig

So werden auch Sie ein Honorarkonsul!

Norwegens Ehrenkonsul in Leipzig, Ulf Heitmüller (rechts), mit dem norwegischen Botschafter Petter Ølberg während eines Empfangs im Schlobachhaus im vergangenen Jahr.

Norwegens Ehrenkonsul in Leipzig, Ulf Heitmüller (rechts), mit dem norwegischen Botschafter Petter Ølberg während eines Empfangs im Schlobachhaus im vergangenen Jahr.

Leipzig. Hätten Sie Interesse an einem prestigeträchtigen Ehrentitel? An internationalen Kontakten? Dann wäre vielleicht das Amt des Honorarkonsuls etwas für Sie. Zwar gibt es kein Salär dafür – das lateinische Wort "honor" bedeutet "Ehre" – aber es bietet sich ein Umgang in höchsten Kreisen. Einen Vorgeschmack erhielt der Leipziger Immobilien-Multi Steffen Göpel am Montag (die LVZ berichtete). Als neuer Honorarkonsul von Weißrussland wurde er von Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) und Weißrusslands Botschafter Denis Sidorenko im Neuen Rathaus empfangen. Die gute Nachricht: Um die Interessen eines Landes zu vertreten, müssen Sie – siehe Göpel – nicht dessen Staatsbürger sein oder die Sprache beherrschen. Die schlechte Nachricht: Sie brauchen das nötige Kleingeld. Und ein gewisser Ruf sollte Ihnen auch vorauseilen.

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Warum gibt es Honorarkonsulate?

Offiziell wird ein Land in der Bundesrepublik durch eine Botschaft in Berlin vertreten. Einige Staaten richten zudem Generalkonsulate in Bundesländern ein – in Leipzig befinden sich etwa ein amerikanisches und ein russisches Generalkonsulat. Wenn die Botschaft eines Landes Interesse hat, Kontakte in bestimmten Städten oder Bundesländern weiter auszubauen, kann sie in Absprache mit dem Auswärtigen Amt Honorarkonsuln ernennen. Honorarkonsuln sind nicht zu allen konsularischen Amtshandlungen befugt und auch nicht zu ständiger Anwesenheit verpflichtet. Sie sollen in erster Linie Kontakte knüpfen in Bereichen wie Wirtschaft, Politik, Kultur oder Sport. Während ein Diplomat die Interessen seiner Regierung gegenüber der deutschen Regierung vertritt, hat ein Honorarkonsul vor allem repräsentative Aufgaben.

Was macht ein Honorarkonsul überhaupt?

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Der Honorarkonsul pflegt Netzwerke und vermittelt Termine zwischen der Botschaft des jeweiligen Landes und der jeweiligen Kommune. Vorrangig geht es darum, für den entsprechenden Staat zu werben – beispielsweise auf Empfängen, in Schulen, bei Firmen. Neben der Lobbyarbeit können dem Honorarkonsul Verwaltungskompetenzen übertragen werden, zum Beispiel in Pass- oder Visa-Angelegenheiten. Sowohl für die Botschaft als auch für ausländische Staatsbürger eines Landes gilt: Der Honorarkonsul ist ihr erster Ansprechpartner in der Region.

Wie wird man Honorarkonsul?

Die Botschaft eines Landes wählt eine Person aus und fragt diese an, ob sie Honorarkonsul werden möchte. Üblicherweise erkundigen sich die Diplomaten vorher bei der Stadt, welche Persönlichkeiten infrage kommen könnten. Wie bei Steffen Göpel, lange Jahre Vorstandsvorsitzender der GRK Holding, fällt die Wahl häufig auf Wirtschaftsvertreter, die einerseits bereits Kontakte zu Politik und Verwaltung besitzen, andererseits über ein gewisses Vermögen verfügen. Denn ein Honorarkonsul muss ein Büro mit regelmäßigen Sprechzeiten einrichten, hin und wieder Empfänge aus eigener Tasche finanzieren. Während Generalkonsuln Bürger des jeweiligen Landes sind und nach Deutschland entsandt werden, können Honorarkonsuln auch deutsche Staatsbürger sein.

Welche Kosten hat ein Honorarkonsul?

Die Kosten für die Unterhaltung eines Honorarkonsulats sind unterschiedlich. Ist der Ehrenkonsul für einen größeren Staat tätig, können Ausgaben für Feste, Büro-, Personal und Reisekosten schnell sechsstellige Summen im Jahr verschlingen. Steffen Göpel wird bei administrativen Aufgaben extra von einer russischsprachigen Mitarbeiterin unterstützt.

Welche Vorteile hat ein Honorarkonsul?

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Der Honorarkonsul erhält Zugang zu höchsten gesellschaftlichen Ebenen. So wird er etwa in den Protokollverteiler der Stadt aufgenommen und zu Festakten und Empfängen eingeladen. Die neuen Kontakte können sich positiv auf das eigene Berufsleben auswirken. Neben einer schicken Visitenkarte gibt’s auch die begehrte Autoplakette CC (Corps consulaire): Dass der Ehrenkonsul von Strafzetteln oder Bußgeldern erlöst wird, ist aber eine Mär. Zwar genießt er Amtshandlungsimmunität, besitzt aber keinen Diplomatenstatus. Seine Immunität schützt ihn nur bei konsularischen Aufgaben vor Strafverfolgung.

Von Maximilian König

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