Polizei schlägt Alarm

Streit um Innenstadt-Treffs: Bei Jugendcliquen regiert das Faustrecht

Der Bürgermeister-Müller-Park gilt als Kriminalitätsschwerpunkt.

Der Bürgermeister-Müller-Park gilt als Kriminalitätsschwerpunkt.

Leipzig. Raubüberfälle, Revierkämpfe, rohe Gewalt: Leipzigs Innenstadt ist zunehmend Schauplatz von Auseinandersetzungen von Kinder- und Jugendcliquen. In den vergangenen Wochen kam es mehrfach zu wüsten Schlägereien mit Verletzten. Hotspots sind nach Informationen der Polizei die Zentralhaltestelle am Hauptbahnhof, der kleine Willy-Brandt-Platz, der Bürgermeister-Müller-Park, die Skateranlage am Richard-Wagner-Platz und das Umfeld der Höfe am Brühl. „In sämtlichen genannten Bereichen hat es in der Vergangenheit eine Vielzahl von Straftaten mit Bezug zur Eigentums-, Straßen- und Betäubungsmittelkriminalität gegeben, weshalb diese Bereiche auch durch erhöhte Polizeipräsenz im Rahmen von Polizeistreifen, geplanten Polizeieinsätzen auch mit Zivilbeamten und verstärkten polizeiliche Kontrollmaßnahmen zu befrieden versucht werden“, so Behördensprecherin Maria Braunsdorf auf LVZ-Anfrage.

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Kleinigkeiten sorgen für Eskalation

Es braucht offenbar nicht viel, damit die Lage eskaliert: So wurde ein 14-Jähriger am 16. März gegen 20.45 Uhr am Brühl von mehreren Tätern ins Gesicht geschlagen und verletzt, weil diese sich aufgrund eines Blickkontakts provoziert gefühlt hatten. Eine halbe Stunde später ging eine Gruppe Schläger an einer Einkaufspassage auf einen 16-Jährigen los, weil er dort mit Freunden saß. Nach Angaben der Polizei forderten die Täter, dass die Jugendlichen die Passage verlassen. Draußen wurde der Teenager von den acht Unbekannten geschlagen, getreten und ausgeraubt. Am 25. März geriet ein 16-Jähriger mit drei Leuten in Streit, weil diese seine 17-jährige Schwester angesprochen hatten. Mehrere Täter prügelten am Richard-Wagner-Platz auf den Teenager ein. Eine dreiviertel Stunde zuvor war eine 13-Jährige am gleichen Ort von einer etwa Gleichaltrigen attackiert und verletzt worden.

„Auftretende Konflikte und Probleme werden häufig nicht mehr mit Worten, sondern meist sehr schnell durch körperliche Gewalt ausgetragen, indem sofort zugeschlagen wird“, konstatierte die Polizeisprecherin. „Die Hemmschwelle, gewalttätig zu werden, und die Frustrationsgrenzen sind niedrig.“

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Ohnedies hat die Polizei in der City bekanntlich längst alle Hände voll zu tun. Das Umfeld des Hauptbahnhofes gilt aufgrund der Drogenszene nach Angaben des sächsischen Innenministeriums als gefährlicher Ort, als Kriminalitätsschwerpunkt.

Heftige Auseinandersetzungen

Zwischen den überwiegend aus dem arabischen Kulturraum stammenden Dealern und den Punks, welche sich am Hauptbahnhof aufhalten kam es demnach mehrfach zu Schlägereien. Zudem gab es hier "mehrere teils sehr heftig geführte körperliche Auseinandersetzungen zwischen afghanischen und anderen arabischen Personen, die teilweise mit Messern und anderen Schnittwerkzeugen geführt wurden", so das Ministerium Anfang des Jahres. Es handelte sich den Behörden zufolge um Revierstreitigkeiten innerhalb der Drogenszene.

Auch die Auseinandersetzungen unter Jugendlichen müssten grundsätzlich in diesem Kontext gesehen werden, so Braunsdorf. In welchen Größenordnungen die Cliquen in der Öffentlichkeit auftreten, lasse sich allerdings nicht beziffern, da dies variiere. „Die Gruppen bestehen aus Kindern und Jugendlichen deutscher Nationalität, aber auch insbesondere mit Migrationshintergrund“, so die Polizeisprecherin. „Es gibt die Tendenz, dass Jugendgruppierungen gewisse Reviere für sich beanspruchen. Sobald eine Gruppierung einen Ort zu ihrem Treffpunkt erkoren hat, entsteht die Neigung, diesen für sich zu sichern.“

Nach Informationen der Polizei wechseln die Cliquen je nach Wetterlage, Baustellen oder anderen Einflüssen auch ihre Treffpunkte innerhalb der Innenstadt – und schon kann ein neuer Konfliktherd entstehen.

Von Frank Döring

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