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Weiteres Tunnelprojekt angedacht

Verkehrsplaner wollen Leipzigs S-Bahn weiter ausbauen

Leipzigs S-Bahn, hier ein Blick in die Station am Wilhelm-Leuschner-Platz, ist eine Erfolgsgeschichte. Geht es nach den Vorstellungen des Zweckverbandes, wird sie fortgeschrieben.

Leipzigs S-Bahn, hier ein Blick in die Station am Wilhelm-Leuschner-Platz, ist eine Erfolgsgeschichte. Geht es nach den Vorstellungen des Zweckverbandes, wird sie fortgeschrieben.

Leipzig.Neue S-Bahn-Haltestellen – sogar am Zwenkauer See –, neue Verbindungen bis ins Vogtland und weiter nach Oberfranken sowie detaillierte Untersuchungen für einen zweiten S-Bahn-Tunnel: Der Entwurf des neuen Nahverkehrsplanes des Zweckverbandes für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) strotzt vor ambitionierten Projekten. Das 104 Seiten starke Papier listet auf, wie das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz bis zum Jahr 2025 ausgebaut werden sollte, um dem prognostizierten Leipziger Bevölkerungswachstum Rechnung zu tragen. Aktuell wird darüber in den Stadtparlamenten in und um Leipzig diskutiert. Das Geld für die Umsetzung müsste von Bund und Land kommen.

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Die Mitteldeutsche S-Bahn konnt bereits zwischen 2014 und 2016 ihre Fahrgastzahl von 18,5 auf 21,3 Millionen Fahrgäste steigern. Mit ihrer Leistung von 9,4 Millionen Zugkilometern steht sie derzeit bereits an siebter Stelle der insgesamt 14 deutschen S-Bahn-Systeme – knapp hinter der S-Bahn Stuttgart und noch vor den S-Bahnen von Hannover, Nürnberg oder Dresden. Mit den jetzt anvisierten Erweiterungen könnte das Netz deutschlandweit weiter an Bedeutung gewinnen.

Ganz oben auf der Prioritätenliste stehen allerdings Optimierungen im bestehenden Netz. So wird erwogen, die S-Bahnen zwischen Wurzen und Oschatz häufiger fahren zu lassen. Dort könnte es zusätzlich zum heutigen Angebot einen 60-Minuten-Takt der S-Bahn geben; aktuell verkehren die Regionalexpresszüge dort im Stundentakt. Auch eine Verdichtung der Relation Leipzig-Thekla-Eilenburg-Torgau soll geprüft werden. Dort könnte es dann einen 30-Minuten-Takt geben.

Die Einbindung von Grimma und Döbeln in das S-Bahn-Netz steht ebenfalls weit oben in der Prioritätenliste – entweder durch eine Elektrifizierung der Strecke oder durch den Einsatz alternativer Antriebsformen wie zum Beispiel Brennstoffzellenzüge (die LVZ berichtete). Im Papier heißt es, dass die S-Bahnen dorthin im 30-Minuten-Takt bis Grimma und im Stundentakt weiter bis Döbeln verkehren sollten. Dafür kämen die Linien S 2 aus Richtung Delitzsch und S 4 aus Richtung Eilenburg in Betracht.

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Für die S-Bahn-Linie S 6 soll eine Verlängerung bis Narsdorf im Kohrener Land im Süden von Leipzig geprüft werden. Voraussetzung dafür ist allerdings die Elektrifizierung der Strecken Leipzig–Chemnitz sowie der Ausbau des Haltepunktes Narsdorf zu einem Bahnhof, damit die Züge dort enden beziehungsweise starten können. Ebenfalls geprüft werden soll eine Verlängerung der S 6 bis nach Weißenfels und Naumburg im 60-Minuten-Takt (die LVZ berichtete).

Darüber hinaus sollen mehrere Strecken beschleunigt werden – so die Regionalexpress-Anbindungen nach Torgau, Zeitz und Gera. Nach Zeitz sei ein 30-Minuten-Takt denkbar, heißt es in dem Papier. Durch die Verbesserungen nach Zeitz und Gera würde die Anbindung von rund 130 000 Einwohnern an die Großstadt Leipzig gelingen, wird betont. Auch eine Beschleunigung der Verbindung zwischen dem Leipziger Hauptbahnhof und Weißenfels/Naumburg sei denkbar, wenn es gelinge, die S 6 über Markranstädt hinaus bis Weißenfels/Naumburg zu verlängern.

Mit Verweis auf Leipzigs Bevölkerungswachstum prüft der ZVNL auch die Einrichtung von neuen S-Bahn-Haltepunkten. Denkbar wäre zum Beispiel ein Haltepunkt „Althen“ sowie der Ausbau des Haltepunktes Paunsdorf und dessen Anbindung an das S-Bahn-Netz. Dies würde sich positiv auf dem S-Bahn-Ast Leipzig-Stötteritz-Wurzen auswirken und eine bessere Erschließung des Leipziger Ostens durch die S-Bahn ermöglichen, heißt es. Voraussetzung für den Ausbau des S-Bahn-Haltepunktes Paunsdorf ist aber die Verlagerung der Aufgaben des Güterbahnhofs Engelsdorf zur Zugbildungsanlage Halle (Saale), deren Fertigstellung 2018 geplant ist. Im Fokus sind auch eine Anbindung der Linie S 3 an die Station Coppiplatz sowie neue Haltepunkte an der Delitzscher beziehungsweise Berliner Straße und in Marienbrunn.

Langfristig wird auch eine bessere Erschließung des Neuseenlandes anvisiert. Aus heutiger Sicht sei ein neuer Haltepunkt am Zwenkauer See an der Ortslage Zitzschen am wirksamsten, heißt es im Entwurf.

Als besonders dringend wird der Bau des Haltepunktes Radefeld/Porsche bezeichnet, weil der das wichtige Gewerbegebietes Güterverkehrszentrum (GVZ) anbinden würde, in dem über 10 000 Beschäftigte arbeiten. Durch die dort agierenden global aktiven Unternehmen und deren Zulieferer gebe es eine erhebliche Nachfrage im Pendlerverkehr, so der ZVNL.

In dem Papier taucht auch der Bau eines weiteren S-Bahn-Tunnels auf, der in Ost-West-Richtung verlaufen könnte. Für dieses Projekt müsste der ZVNL allerdings untersuchen lassen, welche Züge durch diesen neuen Tunnel fahren könnten, welche Auswirkungen dieser zweite S-Bahn-Tunnel auf das gesamte Mitteldeutsche S-Bahn-Netz hätte und ob er wirtschaftlich überhaupt zu begründen wäre. Auch ein dafür notwendiger Streckenausbau und der Aus- beziehungsweise Neubau von Zugangsstellen müsste in diesem Zusammenhang betrachtet werden.

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Besonderer Bedarf wird für eine weitere Park+Ride-Anlage für Großveranstaltungen im Süden Leipzigs nahe der Bundesstraße 2 gesehen; ebenso für Besucher, die von Osten über die A14, die B6 und die B87 anreisen. Im Rahmen des Ersatzneubaus der Georg-Schwarz-Brücken ist die Errichtung eines P+R-Platzes Leutzsch geplant.

Vorgesehen ist auch, ein Fahrradverleihsystem im ZVNL-Gebiet aufzubauen, um insbesondere auf der Relation Halle-Leipzig der steigenden Anzahl an Fahrrädern in Zügen durch die Schaffung einer Alternative zur Fahrradmitnahme begegnen zu können. Am Leipziger Hauptbahnhof sollen eine Fahrradstation ergänzt und die Defizite der Fahrgastinformation behoben werden. Dort wird aufgrund des höchsten Radpendleraufkommens im Verbandsgebiet ein großer Handlungsbedarf für den Bau einer neuen Bike+Ride-Station gesehen.

Von Andreas Tappert

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