Fünf Jahre Polizeiposten

Wegen Existenz des Polizeireviers? Weniger Kriminalität in Leipzig-Connewitz

Alltag in Connewitz: Ein Beamter im Plausch mit einer Anwohnerin. Die Hütchen markieren Pflastersteine, die Anfang Juni bei Krawallen auf Polizisten geworfen wurden.

Alltag in Connewitz: Ein Beamter im Plausch mit einer Anwohnerin. Die Hütchen markieren Pflastersteine, die Anfang Juni bei Krawallen auf Polizisten geworfen wurden.

Leipzig. Keine Fußstreifen mehr, keine permanenten Streifenfahrten und auch den Polizeiposten in der Wiedebachpassage findet sie "überflüssig": Mit ihren jüngsten Forderungen hat Landtagsabgeordnete Juliane Nagel (Linke) eine erneute Diskussion um die Polizeipräsenz im linksalternativen Connewitz entfacht. Sie beruft sich auf die Entwicklung der Kriminalitätszahlen in dem Stadtteil.

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Polizeirevier seit 2014 in Connewitz

Zwischen den Jahren 2010 und 2014 erfasste die Polizei in Connewitz jährlich jeweils mehr als 2000 Delikte, wobei 2012 mit 2309 Straftaten herausstach. Im Februar 2014 wurde dann die Außenstelle Connewitz des Polizeireviers Leipzig-Südost in der Wiedebach-Passage eröffnet.

Schon ein Jahr später konnte der damalige sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU) eine positive Entwicklung verkünden: Nur noch 1874 Straftaten in Connewitz, wobei 2015 auch in ganz Leipzig die Fallzahlen merklich schmolzen. „Der Rückgang der Kriminalität in Connewitz wird insbesondere auf die Einrichtung der Außenstelle des Polizeireviers Leipzig-Südost zurückgeführt“, lobte Ulbig damals. „Diese Maßnahme hat sich insofern bewährt.“

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Im Jahr danach sah die Lage etwas unschöner aus: 2348 Delikte wurden 2016 in dem Stadtteil registriert, eine Zunahme um mehr als 25 Prozent. Es war allerdings das Jahr, in dem der Kriminalitätsanstieg in ganz Leipzig mit über 20 Prozent überdurchschnittlich hoch war. 2017 pegelte sich der Stand bei 1831 Fällen ein.

Die erfassten Taten in Connewitz

2018 wurden in Connewitz 1871 Delikte gezählt, während in der Stadt insgesamt die Kriminalität sank. Häufig erfasst wurden etwa Diebstähle (769). So wurden in dem Stadtteil allein 209 Fahrräder geklaut. Außerdem: Körperverletzungen (89), Raub und räuberische Erpressung (18), Sexualstraftaten (19).

Registriert wurden ferner Brandstiftungen (16) und Sachbeschädigungen (587) – allein 360 Graffiti-Fälle wurden bekannt – sowie Rauschgiftkriminalität (39). Hinzu kamen Fälle des Widerstands gegen und tätliche Angriffe auf die Staatsgewalt (37) und 22 Fälle des Landfriedensbruchs. Insgesamt erfassten die Behörden im Jahr 2018 in Connewitz 110 politisch motivierte Straftaten, wovon 51 gegen die Polizei gerichtet waren. Der überwiegende Teil (100) ist nach Angaben des Innenministeriums der linken Szene zuzurechnen.

Kein Erfolg der Außenstelle

Anders als der frühere Innenminister interpretiert die Linken-Abgeordnete Nagel den Rückgang der Deliktzahlen nicht als Erfolg der behördlichen Außenstelle. „Das hat nix mit dem Polizeiposten zu tun, der nichts anderes als überflüssig und eine kriminalisierende Geste an den Stadtteil ist“, twitterte sie.

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In ihrer aktuellen Presseinformation legte sie am vorigen Freitag noch einmal nach. „In der Zeit seiner Existenz hat sich das Kriminalitätsaufkommen im Stadtteil nicht fundamental verändert“, heißt es da. „Auch das selbst formulierte Ziel, der zunehmenden Beeinträchtigung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Ortsteil Connewitz, insbesondere im Bereich Wiedebachplatz, Biedermannstraße, Bornaischen Straße entgegenzuwirken, wurde nicht erreicht.“ Allein: Im vorigen Jahr registrierte die Polizei in Connewitz 629 Ordnungswidrigkeiten, darunter allein 146 im Bereich Wiedebachplatz/Biedermannstraße/Bornaische Straße.

„Widerständiges Viertel befrieden“

Auch der von Nagel so vehement kritisierte Polizeiposten selbst gerät nach wie vor ins Fadenkreuz. So wurden 2018 zwölf Straftaten vor, an und im Zusammenhang mit dem Dienstsitz erfasst, wobei es sich der Statistik zufolge ausschließlich um Sachbeschädigungen durch die linke Szene handelte. So warfen Unbekannte im Februar Pflastersteine und Teerfarbe gegen die Fenster. Ziel des Polizeipostens sei es, "durch das Stationieren von Besatzungstruppen ein widerständiges Viertel zu befrieden", hieß es in einem Bekennerschreiben. Auch in diesem Jahr wurde die Dienststelle bereits mit Farbbomben attackiert.

Von Frank Döring

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