Roßwein

Aufräumen im Herkules

Das waren Zeiten: Eine alte Preistafel, die Vorarbeiter Steffen Hecklau hier im inzwischen entkernten Saal des Herkules zeigt, gibt Einblicke in die Geschichte des vormals ersten Hauses am Platz. .

Das waren Zeiten: Eine alte Preistafel, die Vorarbeiter Steffen Hecklau hier im inzwischen entkernten Saal des Herkules zeigt, gibt Einblicke in die Geschichte des vormals ersten Hauses am Platz. .

Rosswein. Es ist kalt in dem alten Gemäuer, das einst das erste Haus am Platz gewesen ist. Jede Menge Staub liegt in der Luft von Roßweins vormals ältester Gastwirtschaft, dem Herkules. Durch ein paar zerbrochene Scheiben auf der Galerie des Saalanbaus lässt sich Frühlingsluft atmen, Sonnenstrahlen spenden ein wenig Wärme. Seit Ende des vergangenen Jahres herrscht Bewegung in dem seit über 20 Jahren nicht mehr genutzten Objekt, das die Stadt 2015 bei einer Versteigerung veräußern konnte. Investor Volkmar Steffens aus Brandenburg plant auf den rund 1000 Quadratmetern, die nach den Abrissarbeiten verbleiben, Betreutes Wohnen. 14 Wohneinheiten sind dafür vorgesehen, ein Fahrstuhl wird eingebaut.

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Seit Ende des vergangenen Jahres laufen die Sicherungsmaßnahmen in dem von Außen gar nicht so groß erscheinenden Objekt. Inzwischen sieht es regelrecht aufgeräumt im Innern aus und Architektin Kerstin Bauer, die das Projekt im Auftrag des Bauherrn betreut, blickt wieder zuversichtlich in die Zukunft des Gebäudes.

Wie viel Material mittlerweile aus den beiden Hauptgebäuden – Hotel und Saalanbau – und den Nebengelassen herausgeschleppt wurde, kann Vorarbeiter Steffen Hecklau vom Abrissunternehmen Lazecky aus Karsdorf nicht sagen. Es ist eine Menge. „Wir haben selbst schon den Überblick verloren“, meint er. Dafür haben Kerstin Bauer und Volmar Peters wieder ein Stück mehr Überblick gewonnen.

Nachdem das Gebäude zunächst horizontal trocken gelegt und im Innern entkernt wurde, war der tatsächliche Zustand des denkmalgeschützten Hauses sichtbar geworden. Zwischenwände, Verkleidungen, Einbauten, Putz – Stück für Stück ist der ursprüngliche Herkules zum Vorschein gekommen. Fünf vor Zwölf sei es gewesen, sagt Kerstin Bauer, was den Verfall des Objektes angeht. „Progressiv fortschreitend“ sei dieser gewesen. Dass jetzt mit den Sicherungsmaßnahmen begonnen wurde, war wichtig.

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Bis ins 15. und 16. Jahrhundert reichen die Aufzeichnungen über den Herkules zurück. 1749 war der Gasthof erstmals mit Namen Herkules erwähnt worden. Im Hotel, sagt Kerstin Bauer, gibt es Bereiche, die den großen Stadtbrand 1806 überlebt haben. „Wir haben Mauerwerksnischen gefunden, die älter sein müssen.“ 1898 wurde begonnen, umfangreich am Hotel anzubauen. 1919 ist der Saal errichtet worden. Das letzte Mal saniert wurde 1993 am Herkules.

Mittlerweile sind die beiden Hauptgebäude entkernt und der Abriss der Anbauten, die bis 20 Meter in das Grundstück hineinreichen, ist in vollem Gange. Zu diesem Zweck ist eine Baustraße über das Gelände der Kirchgemeinde eingerichtet worden, ansonsten wäre es unmöglich geworden, Abrissfahrzeuge an die Hinterbauten zu bekommen.

Bis Ende März, da sind sich Volkmar Peters und Kerstin Bauer sicher, werden die großflächigen, verwinkelten Anbauten – Toiletten, Ställe, Bühnenanbau – von der Erdfläche verschwunden sein. Das Obergeschoss des Toilettenanbaus ist bereits der Abrisskeule gewichen. Auch das sorgt schon jetzt für mehr Licht im Saal.

Dieser große Saal wird erhalten bleiben, allerdings nicht in der Form, wie ihn die Roßweiner vielleicht noch von früher kennen. Die Denkmalschutzauflagen sichern unter anderem die historische Decke des Saals, unter die eine schützende Zwischendecke eingezogen werden soll, um die alten Elemente quasi zu konservieren. Weil der Bereich hinter der Bühne abgerissen wird, wird diese zugemauert. Später sollen Fenster in die Mauer eingelassen werden.

Das offene Treppenhaus des Herkules findet sich im neuen Konzept auch wieder. Der Denkmalschutz hat es als erhaltenswert eingestuft, genauso die straßenseitige Fassade. Nur als schmückendes Element erhalten bleibt eine Wendeltreppe, die vom Saal auf die Galerie führt. Alte Türen und Buntglasscheiben, die in erhaltenswertem Zustand sind, werden erst einmal aufgehoben. Vielleicht können sie später im neuen Projekt noch integriert werden.

Nächster Schritt im Herkules nach den Abrissarbeiten werden die Sicherung des Dachtragwerkes und der Decken sein. Ende Juni geht es dann mit der Dachdeckung los. Bis 2020 dauern die Sicherungsarbeiten an, für die es rund 700 000 Euro Fördermittel gibt. Erst danach kann das eigentliche Projekt in Angriff genommen werden, das wohl rund drei Millionen Euro kosten wird.

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Von Manuela Engelmann-Bunk

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