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Justiz

Faustschläge nach Grillparty in Waldheim?

Am Amtsgericht Döbeln ging es um eine angebliche Schlägerei nach einer Grillfeier in Waldheim.

Am Amtsgericht Döbeln ging es um eine angebliche Schlägerei nach einer Grillfeier in Waldheim.

Waldheim/Döbeln.Wäre das Alkoholtrinken ein Beruf, wären diese Zeugen vollbeschäftigt. Knapp 2,6 Promille hatte der eine am 3. Mai 2018 auf dem Kessel, der andere immerhin 1,2 Promille. Der Betrunkenere von Beiden will brutal zusammengeschlagen worden sein, sagte er zumindest bei der Polizei. Auch der andere habe einen Faustschlag abbekommen.

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Zahn raus – Zahn rein?

„Er hat mir den Zahn ausgeschlagen“, sagte dieser Mann, 33 Jahre alt und aus Waldheim, nun in einem Prozess im Amtsgericht Döbeln. „Wieso zeigt Sie dann das Foto von der Polizei mit allen Zähnen?“, fragte Richterin Marion Zöllner. „Weil ich mir den Zahn wieder reingesteckt habe“, antwortete der Zeuge. „Das ist doch Quatsch“, kommentierte die Vorsitzende diese angebliche Zahn-OP nach dem Prinzip „Selbst ist der Mann.“

Vom Sofa gezogen?

Der Angeklagte, ein Enddreißiger aus Waldheim, schwieg zu diesen Aussagen und auch zu den Tatvorwürfen selbst. Staatsanwältin Angelika Rickert legte ihm zur Last, dem Zeugen mit dem angeblich ausgeschlagenen Zahn nach einer Grillfeier in Waldheim einen Faustschlag versetzt zu haben und den anderen vom Sofa gezogen und brutal verprügelt zu haben. „Ich kann mich an gar nichts mehr erinnern“, sagte der 51-Jährige, angeblich Geschädigte dazu. Dafür will der 33-Jährige mitbekommen haben, wie der Angeklagte den Älteren verprügelt habe. Er habe das zwar nicht direkt gesehen, aber gehört. „Bei der Polizei haben Sie das aber detailliert ausgesagt“, hielt ihm die Richterin vor. Na ja, es sei eben alles lange her...

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Nicht veralbern lassen

Fast veralbert kam sich die Vorsitzende von der Aussage der Freundin des 33-Jährigen vor. Mehrmals habe der Angeklagte diesen geschlagen, sagte die junge Frau. Ihr Freund hatte dagegen von nur einem gezielten Fausthieb gesprochen. Für den angeblichen Angriff auf den 51-Jährigen nannte sie gar einen völlig anderen Täter. Wenn lügen Geld bringen würde, wäre diese Zeugin wahrscheinlich eine reiche Frau. „Ich lasse mich doch von Ihnen nicht veralbern“, sagte Richterin Zöllner.

Wirre Angaben

„Da war nichts. Seitdem ich wieder in Waldheim bin, beschuldigen mich diese Leute. Erst trinken sie Alkohol, dann passiert irgendwas und dann brauchen sie einen Sündenbock“, sagte der berufstätige Angeklagte schließlich doch noch zu den Vorwürfen. „Wir haben einen Haufen Aussagen gehört, die ziemlich wirr sind. Anhand dieser Storys können wir nicht widerlegen, was der Angeklagte sagt. Ich bezweifle zudem, dass der Herr K. überhaupt noch weiß, um welche Grillparty es geht“, sagte Staatsanwältin Rickert, als sie Freispruch beantragte. Der Herr K. sei nämlich auf einem anderen Gartenfest beim selben Veranstalter ebenfalls vom Angeklagten und einem anderen Mann verprügelt worden. Auch das führte zu einer Anklage, die am Montag Richterin Karin Fahlberg im Amtsgericht Döbeln verhandelte. In diesem Prozess erinnerte sich der Zeuge aber auch nicht und Richterin Fahlberg sprach die Angeklagten frei.

Alkoholgeschwängertes Durcheinander

Das tat auch ihre Kollegin Zöllner im aktuellen Verfahren gegen den Enddreißiger. „Dieses alkoholgeschwängerte Durcheinander können wir im Strafrecht nicht auseinander bringen“, sagte sie. Die Aussagen der Zeugen bezeichnete die Richterin als „insgesamt nicht glaubwürdig“, die der jungen Frau sogar als „verheerend.“

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Von Dirk Wurzel

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