Gasthof Stadt Döbeln verfällt weiter:

Kommune sind die Hände gebunden

Trauriges Bild: Vom einst schönsten Saal der Stadt Döbeln ist nur noch ein vergammeltes, mit Müll gefülltes Rattenloch geblieben.

Trauriges Bild: Vom einst schönsten Saal der Stadt Döbeln ist nur noch ein vergammeltes, mit Müll gefülltes Rattenloch geblieben.

Döbeln. Kaum zu glauben, dass hier einmal der schönste Saal der Stadt Döbeln betrieben wurde, reich an Stuckelementen an Decken und Säulen. Etwa um 1870 ist der alte Gasthof „Stadt Döbeln“, im heutigen Stadtteil Bauchlitz entstanden. Der anschließende Saalneubau wurde um die Jahrhundertwende gebaut. In dieser Zeit entstanden viele Gasthöfe und Säle. Denn den Begriff der Gründerzeit kann man auch auf das Vereinswesen übertragen. Die Menschen organisierten sich und ihre Freizeit. Vereine verhalfen den Gaststätten zur Blüte. Für deren Geselligkeit wurden Säle gebraucht.

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Davon ist die Ruine am Fuße des Leipziger Berges weit entfernt. Heute ist der Gasthof Schandfleck und Ärgernis. Jüngere Döbelner, kennen den Saal noch als Waren- und Auslieferungslager für Möbel. Mit der Wende fiel auch diese Ersatzfunktion weg. Seitdem steht das Gebäude komplett leer und verfällt. Bereits vor einigen Jahren dachte der Besitzer über einen Abriss nach. Stattdessen nutzt er das Gebäude als Lagerstätte für Bauschutt aus anderen seiner Sanierungsobjekte. Im Grundbuch steht nicht er selbst sondern seine Ex-Frau.

Der „Gasthof Stadt Döbeln“ ist Anwohnern vor allem ein Dorn im Auge, weil er vor Bauschutt überquellt. „Der Schutt quillt schon aus den Fenstern, Türen stehen offen beziehungsweise sind weg“, schrieben bereits vor vier Jahren Anwohner aus der Nachbarschaft in einem Brief an die Stadt. Auch Taxiunternehmer Andreas Feith, der unmittelbar hinter dem vergammelten Gasthof eine Doppelgarage hat, ist sauer. „Aus der verfallenden Bruchbude läuft das Wasser in meine Garagen. Ich kann sie wegen der Feuchtigkeit kaum noch nutzen“ sagt er.

„Der Stadt Döbeln sind die Hände gebunden. So lange von dem Gebäude keine Gefahr für die Öffentlichkeit ausgeht, gibt es keine Handhabe“, sagt Thomas Hanns, Technischer Dezernent der Stadt Döbeln. So lange es sich nicht um belastetes Material handelt, sei es auch nicht verboten, das jemand auf seinem Grundstück Bauschutt zwischenlagert. „Der Gasthof ist zwar ein trauriger Anblick, aber wir können als Behörde wenig dagegen machen und vor allem ist er auch nicht das einzige Grundstück von besagtem Besitzer, wo sich nichts bewegt“, so Thomas Hanns weiter.

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An anderer Stelle, wie aktuell in der Uferstraße an der alten Möbelbeschlägefabrik oder in der Vergangenheit an der Ritterstraße oder am Hotel Osteck übernahm die Stadt Döbeln schon mal eine Ruine, reißt ab und gestaltet die Flächen neu. „Das geht aber nur, wenn es in die Stadtplanung passt und die Finanzierung gesichert ist. Was die Stadt aber nicht kann, ist jede Ruine zu übernehmen, für welche die Eigentümer keine Verwendung oder keine Mittel haben“, so Hanns.

Der Besitzer des Hotels Stadt Döbeln ist übrigens Ende September 2016 am Amtsgericht Döbeln wegen Betruges zu sieben Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden, weil er den Kilometerzähler seines Wohnmobils zurückgedreht habe, um es teurer zu verkaufen. Diese Urteil ist nicht rechtskräftig, im Januar 2018 verhandelt das Landgericht Chemnitz die Berufung.

Von Thomas Sparrer

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