Verein sucht Mühle

Kundgebung in Strocken: Mühlenfans stehen in den Startlöchern

Wenn es nach ihnen ginge, wäre nicht nur der Verein schon gegründet, sondern auch eine Mühle in ihrem Besitz. Thomas Malkowski (l.) und seine Mitstreiter gehören zum künftigen Mühlenverein Strocken.

Wenn es nach ihnen ginge, wäre nicht nur der Verein schon gegründet, sondern auch eine Mühle in ihrem Besitz. Thomas Malkowski (l.) und seine Mitstreiter gehören zum künftigen Mühlenverein Strocken.

Strocken. Der Wind pfeift durch die Bäume auf dem Grundstück von Thomas Malkowski. Wenige Meter die Straße runter steht ein Polizeimannschaftsbus. Die Beamten sind wegen einer Kundgebung hier. Thomas Malkowski ist der Versammlungsleiter. Außer ihm stehen noch neun weitere Leute auf seinem Innenhof. An einem Zaun gegenüber hängt ein Plakat: Mühlenverein Strocken e.V. steht darauf in großen Buchstaben. Eigentlich wollte Thomas Malkowski heute einen Verein gründen. Doch die Corona-Bestimmungen verbieten eine solche Gründungsversammlung. Der Strockener meldete deshalb eine Kundgebung unter dem Motto „Rettet die Bockwindmühle Strocken“ an. Deshalb sind Polizeibeamte vor Ort und deswegen steht eine kleine Traube Menschen auf dem Hof von Thomas Malkowski.

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Verein sucht Mühle

Auch wenn der Verein an diesem Samstagnachmittag nicht gegründet werden kann, sind künftige Vereinsmitglieder nach Strocken gekommen. Und auch Bürgermeister Jörg Burkert (Freie Wähler) schaute vorbei. „Ich bin froh, dass es Enthusiasten wie euch gibt“, richtete er ein paar Worte an die Anwesenden. „Es gibt nicht mehr viele Denkmäler bei uns.“

Ein solches Denkmal ist die Bockwindmühle in Strocken, nur wenige Hundert Meter von Malkowskis Haus entfernt. Der Strockener hat sich der Rettung der Mühle verschrieben. "Wir wollen die Mühle erhalten. Sie soll wenigstens laut Denkmalschutzauflagen gesichert werden", erklärt Thomas Malkowski. Besser noch: Der bald gegründete Verein nimmt sich der Mühle an. "Der Idealfall wäre, wenn wir die Mühle in Obhut bekämen. Dann könnte sie an ihrem Platz bleiben. Wir wollen die Mühle touristisch erschließen. Sie soll Anlaufpunkt für Kinder, Jugendliche und alle, die es interessiert werden", sagt Thomas Malkowski.

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Im Nachbarort ist noch Platz

Noch ist es nicht soweit. Er und die Familie, der die Mühle gehört, sind bisher noch nicht zusammen gekommen. Doch in den nächsten Tagen wollen sie sich an einen Tisch setzen. „Es wäre denkbar, dass wir die Mühle dort wegholen und an einem anderen Standort wieder aufbauen“, so Malkowski. Einen Ort hat er schon im Kopf. Im Nachbarort hat ein Bekannter ein großes Grundstück. Es könnte das neue Zuhause der Strockener Mühle werden.

Doch auch wenn die Bemühungen des Vereins um die Strockener Bockwindmühle ins Leere laufen sollten, bleibt das erklärte Ziel, irgendwann in Besitz einer Mühle zu sein. „Wir wollen eine Mühle mit Leben füllen“, sagt Thomas Malkowski während der Kundgebung. Vom Verein verspricht er sich, bessere Kontakte, mehr Kapazitäten und die Chance, Fördermittel zu beantragen. „Als Verein haben wir viel mehr Möglichkeiten.“

Sieben Enthusiasten

Mit im Boot sind neben seiner Frau Nancy fünf Männer und Frauen aus der Region. Die meisten von ihnen ließen sich von Thomas Malkowski, der auch Vereinsvorsitzender werden will, und seinem Mühlen-Enthusiasmus anstecken. „Mir ist es wichtig, anderen Generationen etwas mitzugeben“, antwortet Rick Werner, warum er sich im Verein engagieren will. „Jeder nimmt sich das fertige Mehl aus dem Regal, aber keiner weiß, wo es her kommt.“ Als Vater hat der Oschatzer dabei vor allem die Kinder im Blick, die in einer Mühle erleben könnten, wie das alles funktioniert.

Kristine Bracht lebt erst seit kurzem in Hochweitzschen. „Ich möchte mich örtlich einbringen“, sagt sie. „Hier kann ich etwas von Beginn an mitgestalten. Das reizt mich.“ Für Simone Guzek aus Westewitz hat ihre Mitgliedschaft im Verein viel mit ihrer Kindheit zu tun. „Mein Vater fuhr früher Schrot. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit damals und was ich alles gelernt habe. Das will ich weitergeben.“ Frank Müller aus Kleinpelsen arbeitete als Tischler bevor er sich zum Krankenpfleger ausbilden ließ. Im Verein will er sein einst gelerntes Handwerk einbringen. Torsten Lungwitz aus Hartha ist der siebte Mann, der zur Vereinsgründung notwendig ist.

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Gründung am 4. Juni

Am 4. Juni soll der Mühlenverein Strocken dann ganz offiziell gegründet werden – coronakonform bei einer digitalen Versammlung. „Und dann kann’s richtig losgehen“, sagt Thomas Malkowski. Oberste Priorität hat die Verständigung mit der Besitzerfamilie der Strockener Mühle. Auch an die zuständige Denkmalschutzbehörde wollen sich Malkowski und seine sechs Mitstreiter wenden.

Von Stephanie Helm

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