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Waldheim

Kurztripp durchs Grüne mit der Rohstoffbahn

Hans-Rainer Fischer ist nicht nur neuer Vereinschef der Waldheimer Kleinbahner, er gab am Wochenende zum Bahnhofsfest auch den Kassierer und Zugbegleiter auf den Fahrten mit der vereinseigenen Ns3.

Hans-Rainer Fischer ist nicht nur neuer Vereinschef der Waldheimer Kleinbahner, er gab am Wochenende zum Bahnhofsfest auch den Kassierer und Zugbegleiter auf den Fahrten mit der vereinseigenen Ns3.

Waldheim/Rauschental.Es ruckelt und zuckelt. „Wie vor 130 Jahren“ sagt Hans-Rainer Fischer und lacht. Und empfiehlt: „Halten Sie sich gut fest.“ Wir sind unterwegs mit der Lok Ns3, die dem Verein Rauschenthalbahn gehört. Hans-Rainer Fischer, im echten Leben Zahnarzt, gibt an diesem Wochenende zum zweitägigen Bahnhofsfest des Vereins den Zugbegleiter. Sein Stellvertreter im neu gegründeten Verein, der aktuell zwölf Mitglieder zählt, Andreas Röder, hat gerade sein Abitur gemacht und steht im Führerhaus der Lok.

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Die rattert mit maximal 20 Kilometern pro Stunde an diesem Wochenende immer wieder über die etwa 1300 Meter lange Strecke entlang des Bahnhofs Unterrauschenthal. Bis Freitag haben die Vereinsmitglieder an den beiden offenen Personenwagen geschraubt und gepinselt. Maximal zwölf Erwachsene finden darauf Platz. Wie oft er die Tour seit Sonnabend schon gefahren ist, kann Hans-Rainer Fischer am Sonntagnachmittag gar nicht genau sagen. „15-mal bestimmt schon.“ Dabei habe sich der Betrieb am Samstag noch in Grenzen gehalten. Am späten Nachmittag dann aber kamen die Fans. Ließen sich Kaffee und von den Vereinsfrauen selbst gebackenen Kuchen schmecken, genauso wie die Grillwurst.

Drei Euro kostet die abenteuerliche Fahrt auf den Schmalspurschienen, Hans-Rainer Fischer gibt auch den Kassierer und Schaffner. Bis Anfang der 90er Jahre herrschte auf der Strecke, deren Erhalt sich der Verein auf die Fahnen geschrieben hat, noch regulärer Bahnbetrieb. Rohstoffe für die Papierfabrik wurden auf der Strecke befördert. Jetzt reichen die Schienen nur noch bis zum Ortseingangsschild Kriebethal. Die Schienen, die früher hinter der Brücke bis zur Papierfabrik führten, sind zurückgebaut worden.

In die andere Richtung sorgt die Lindenhofbrücke, im Volksmund auch „Krummer Hund“ genannt, aus Sicherheitsgründen für Begrenzung. Das Bauwerk müsste saniert werden, um ruhigen Gewissens mit der Kleinbahn drüber tuckern zu können. Früher ging das – bis zur Schillerhöhe konnte der damalige Verein seine Kleinbahn fahren lassen. Jetzt fehlt der Stadt erstmal das Geld für die Brückensanierung (DAZ berichtete).

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Am Bornberg ist deshalb Schluss. Durch das dichte Grün kann man die Brücke sehen, über die die Fahrt früher weiter ging. Die Strecke ist bewachsen. Hans-Rainer Fischer, der aus Leipzig stammt und am Hauptbahnhof mit Zügen groß geworden ist, hat eine Woche Urlaub genommen, um das kleine Bahnhofsfest mit vorzubereiten. Am Freitagabend ist er mit der Astschere bewaffnet auf dem Dach der Lok die Strecke abgefahren, um sie freizuschneiden. Lange Zeit konnten die Vereinsmitglieder nicht einmal bis zum Bornberg mit ihrer Bahn fahren. Der Wintersturm hat an der Strecke eine Schneise in den Wald geschlagen, die gefallenen Bäume versperrten den Weg.

Immer wieder springt der Vereinschef von der fahrenden Bahn. An der Weiche kurz vorm Bahnübergang Oberrauschenthal muss das schnaufende Gefährt fast händisch über die Gleise geschoben werden. „Das Herzstück hat es in sich“, erklärt Fischer. Die Weiche ist von Normal- auf Schmalspur umgebaut worden. Auch an den Bahnübergängen auf der Kleinen Strecke wird er aktiv.

Das Bahnhofsfest soll – wenn die Mitglieder es schaffen – wieder einmal im Jahr stattfinden. „Es war immer auch für die Leute aus den Ortschaften hier ringsherum eine Gelegenheit, sich zu treffen und zu schwatzen. Ein Dorffestersatz.“

Von Manuela Engelmann-Bunk

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